«Asylantengasse» für Flüchtlinge – den Nachbarn zuliebe
Von Patrick Kühnis. Aktualisiert am 28.09.2011 70 Kommentare
Versteckt: Die «Asylantengasse» von Birmensdorf. (Bild: TA-Grafik mt)
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Wer als Auswärtiger in Birmensdorf ankommt, wird dort freundlich durchs Dorf geleitet. Grosse gelbe Schilder weisen den Weg zur Kaserne und zum beliebten «Paradiesliweg» durch das Reppischtal. Die Wegweiser führen den Besucher mitten durch ein Wohnquartier.
Für 19 Neuzuzüger, die seit kurzem in zwei Containern gleich neben der Kaserne wohnen, gilt allerdings im Dorf ein ganz anderes Fussgängerregime. Für sie hat die Gemeinde einen alten Schleichweg ausgebaut, der unmittelbar von der Containersiedlung durch ein Waldstück zur unbelebten Hauptstrasse hinauf führt. Der gemeindeeigene Werkdienst hat das Dickicht gerodet und den Pfad planiert. Jetzt ist daraus ein geräumiger Kiesweg geworden, der nachts sogar beleuchtet ist. Die Idee dahinter: Dank dieser Gasse gelangen die 19 Asylbewerber «direkt zum Bahnhof, ohne das Quartier zu durchqueren», wie Sozialvorsteherin Annegret Grossen (FDP) vor der Eröffnung der Asylcontainer sagte.
Anwohner liefen Sturm
Dass die Asylbewerber im Dorf möglichst unsichtbar bleiben, ist eines der Zugeständnisse, welche die Gemeinde an die Anwohnerschaft gemacht hat. Denn die Nachbarn gingen auf die Barrikaden, als Birmensdorf im Frühling 2010 ihre Containerpläne vorstellte. Aus Sicht der Behörden war es die einzige Möglichkeit, die zusätzlichen 24 Asylbewerber im Dorf unterzubringen, die der Kanton der 5900-Seelen-Gemeinde zugeteilt hat – weil es keine günstigen Wohnungen mehr gebe. Doch in den Leserbriefspalten des «Limmattalers» hagelte es Proteste von Anrainern, welche drohende Wertverluste «von 3 bis 4 Millionen Franken» für eine nahe Wohnüberbauung mit 36 Eigentumswohnungen beklagten: «Wir sind dafür, dass Birmensdorf seinen Beitrag zur Asylpolitik leistet. (. . .) Wir sind jedoch gegen Asylzentren in Wohnzonen.»
«Nicht hier!!!», prangte kurz darauf in grossen Lettern im Quartier. Aufgehängt hatte das Transparent ein frisch gegründeter Quartierverein, der auch juristisch mobil machte: 40 Rekurse gingen gegen die Asylcontainer ein. Das Baurekursgericht hat sie allesamt abgewiesen. Danach beruhigten sich fast alle Gemüter. Bis auf ein oder zwei Familien, welche die Container weiterhin in eine Kiesgrube verlegen wollten, hätten sich alle mit der Situation abgefunden, sagt Gemeindepräsident Werner Steiner (SVP).
«Kein unnötiger Luxus»
Das hat laut den Behördenvertretern vor allem damit zu tun, dass die Gemeinde auf fast alle Wünsche der Anwohner eingegangen ist. So baute sie nicht nur den neuen Weg, sondern pflanzte auch Büsche vor den Unterkünften – «um die Container gegen aussen etwas zu kaschieren», wie Steiner sagt. Bei der Ausstattung der Container legte die Behörde Wert darauf, dass «kein unnötiger Luxus» geboten wird.
So schlafen die Bewohner in Kajütenbetten und sitzen auf gebrauchten Sofas. Auch der Fernseher ist ein Occasionsmodell. Teil der 560'000 Franken teuren Anlage ist zudem ein Aussensitzplatz aus Baumstämmen, der «robust und einfach zu reinigen» sei. Am wichtigsten war aber den Anwohnern, dass kein «Schandfleck» entsteht. Die Gemeinde hat darauf an den Containern einen grünen Streifen angebracht. Dieser passt farblich perfekt zum Waffenplatz, der das Ortsbild dominiert.
Im Dorf gibt es auch kritische Stimmen. Leute, die kritisieren, wie man mit den Flüchtlingen umspringe. Er fühle sich durch die neue «Asylantengasse» an dunkle Zeiten erinnert, in denen es in den europäischen Ghettos noch separate «Judengassen» gab. «So etwas empfinde ich als menschenverachtend», sagt ein langjähriger Anwohner, der anonym bleiben will. Besonders störe ihn, dass in den Eigentumswohnungen, aus den der lauteste Protest kam, vor allem Neuzuzüger wohnten. «Und die Hälfte von ihnen sind selber Ausländer.»
Benützung noch nicht Pflicht
Für SVP-Gemeindepräsident Werner Steiner ist das alles halb so wild. Ihn stört mehr, dass der Weg noch nicht fertig ist. «Es fehlt zum Beispiel noch ein Fussgängerstreifen, um die Hauptstrasse sicher zu überqueren.» Bisher könnten sich die Asylbewerber im Dorf auch frei bewegen. «Sobald es aber im Quartier Lärm oder Reklamationen gibt, werden wir ihnen vorschreiben, nur noch den neuen Weg zu benützen.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.09.2011, 16:06 Uhr
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70 Kommentare
Fairerweise müsste man die Asylbewerber mit einer Armbinde versehen (vielleicht mit Stern?) damit sie auch von allfälligen Touristen und anderen Minderheiten im Dorf unterschieden werden können. Nicht das Sie am Ende noch büssen müssen für Vergehen anderer. Alles nur zu Ihrem Besten versteht sich.
Und ernsthaft..ich bin schockiert über den brauen Sumpf in diesem Land. Es ekelt mich einfach nur an
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