Zürich

«Auf dem Land können die Mieten sinken»

Von Janine Hosp. Aktualisiert am 28.11.2012 4 Kommentare

Giuliana De Rinaldis sieht bessere Zeiten auf die Mieter zukommen. Der Wohnungsmarktbericht von CSL Immobilien kommt zum Schluss, dass sich der Markt in der Region Zürich entspannt.

Entspannung in Sicht: Entwicklung der Immobilienkaufpreise (links) und der Mietpreise (rechts) in der Region Zürich.

Entspannung in Sicht: Entwicklung der Immobilienkaufpreise (links) und der Mietpreise (rechts) in der Region Zürich.
Bild: TA-Grafik ek / Quelle: CSL-Wohnmarktbericht

Entwicklung des Wohnungsbestandes in der Region Zürich. (Bild: TA-Grafik ek / Quelle: CSL-Wohnmarktbericht)

Hier könnten die Mieten bald sinken: Neue Mehrfamilienhäuser in Lindau ZH. (Bild: Keystone )

Zweiter Wohnmarktbericht

CSL Immobilien AG (C steht für Colliers, S für Spaltenstein und L für Lerch) hat seinen zweiten Wohnmarktbericht für den Wirtschaftsraum Zürich vorgestellt. Dazu gehören neben dem Kanton Zürich auch Zug, Schaffhausen und der östliche Teil des Aargaus. CSL Immobilien entwickelt und verkauft Liegenschaften in der Region Zürich. (jho)

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Sie kommen in Ihrem Bericht zum Schluss, dass sich die Situation auf dem Zürcher Wohnungsmarkt entspannt. Diesen Eindruck hat allerdings nicht, wer im Internet eine Wohnung sucht; es wird kaum eine unter 2000 Franken angeboten. Wie erklären Sie sich das?
Es gibt Regionen, in denen die Mieten nach wie vor sehr hoch sind: um den Zürichsee etwa oder an zentralen Lagen in der Stadt Zürich. Aber in Altstetten, Affoltern oder im Glattpark zwischen Zürich und Opfikon findet man durchaus erschwinglichen Wohnraum, ausserhalb der Stadt in Wetzikon oder Winterthur.

Weshalb entspannt sich die Situation?
Gegenwärtig herrscht ein richtiger Bauboom. Die Investoren bringen aussergewöhnlich viele Wohnungen auf den Markt. Gleichzeitig kommen allerdings wegen der Eurokrise deutlich weniger Leute in die Schweiz. So sind im Wirtschaftsraum Zürich erstmals seit Jahren mehr Wohnungen auf den Markt gekommen, als dass neue Haushalte gegründet wurden. Die Mieten stiegen zwischen Mitte 2011 und Mitte 2012 weniger stark als im Vorjahr, nicht einmal um 1 Prozent. Zuvor waren es immerhin 5 Prozent.

Glauben Sie, dass die Entwicklung anhält? Schliesslich hat auch die Finanzkrise keine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt gebracht.
Die Frage ist, ob genug Wohnungen gebaut werden können. Das Bauland wird knapper, auch bedingt durch die Kulturlandinitiative. Dichter zu bauen, ist jedoch schwierig; grundsätzlich sind alle dafür – nur nicht, wenn es vor der eigenen Haustür geschieht. Die Bevölkerung wurde zu wenig darüber informiert, welche Folgen ein Ja zur Kulturlandinitiative letztlich hat.

Welche Folgen?
Wenn weniger Bauland verfügbar ist, können viele Wohnprojekte nicht realisiert werden. Das Angebot wird knapper, die Preise steigen. Die Politik muss meiner Meinung nach zwei Dinge tun: Sie muss helfen, dass genügend Bauland zur Verfügung steht. Und sie muss Bauherren nicht nur eine maximale Ausnutzung eines Grundstücks vorgeben, sondern auch eine minimale.

Schreibt man heute am Zürichberg eine Wohnung aus, werden nach wie vor Offerten eingereicht, die deren Wert bei weitem übersteigen.
Der Wohneigentumsmarkt ist getrieben von den tiefen Zinsen. Aber seit die Banken Eigentum zurückhaltender finanzieren, schiessen die Preise weniger in die Höhe. Bisher war es möglich, fast ohne Eigenmittel eine Wohnung zu kaufen: Die Banken vergaben manchmal schon Hypotheken, wenn ein Käufer ein gutes Einkommen hatte und etwas Geld aus der Pensionskasse. Das geht heute nicht mehr. Wir wissen von Interessenten, die eine Wohnung nicht kaufen konnten, weil die Bank den Preis als zu hoch erachtete und nicht so viel Geld leihen wollte wie benötigt. Aber wer soll am Ende der Preis machen: der Markt oder die Banken?

Immerhin tragen die Banken so dazu bei, dass sich der Immobilienmarkt nicht überhitzt.
Ja, das Risiko ist gesunken, dass die Immobilienblase platzt. Es gibt zwar durchaus Regionen, in denen die Gefahr höher ist, etwa an guten Lagen in der Stadt Zürich und in Gemeinden am Zürichsee, nicht aber im ganzen Wirtschaftsraum. Denn was geschieht, wenn eine Blase platzt? Bekommt eine Bank den Eindruck, dass eine Liegenschaft überbewertet ist, fordert sie den Besitzer auf, Geld nachzuzahlen. Wenn er das nicht kann, muss er sie verkaufen.

Viele Leute tragen sich mit dem Gedanken, eine Wohnung zu kaufen. Ist es besser, damit zuzuwarten?
Es kann sein, dass die Preise in den Boomregionen bald günstiger werden. Es gibt aber Objekte, die bezahlbar sind, auch in der Stadt Zürich – in Zürich-West, in Oerlikon oder im Glattpark.

In den vergangenen Jahren sind viele Personen von Zürich in die umliegenden Gemeinden gezogen – worauf dort die Mieten stiegen. Ja, die Nachfrage ist auch ausserhalb der Stadt gestiegen, das Angebot aber auch. Schlieren etwa verfügt über Bauland, und in Winterthur entstehen Wohnungen auf dem ehemaligen Sulzer-Areal.

Sinken die Mieten? Höchstens in ländlichen Gebieten. In der Stadt und in gut erschlossenen Gemeinden in Stadtnähe wird dies nicht passieren – dort steigen die Mieten aber weniger stark als in den letzten Jahren oder verharren auf hohem Niveau. Die Nachfrage nach städtischen Wohnlagen bleibt hoch, auch wenn das Angebot durch die Verdichtung wächst; dann kommen jene Leute zurück, die in den vergangenen Jahren in die Agglomeration ausgewichen sind. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.11.2012, 07:39 Uhr

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4 Kommentare

Willi Vollenweider

28.11.2012, 07:57 Uhr
Melden 46 Empfehlung 14

Günstige Wohnungen werden zunehmend von Sozialhilfe-Empfängern belegt. Darunter sind immer mehr Ausländer (vorläufig Aufgenommene etc). Die Vermieter bevorzugen diese Zielgruppe sogar, da das Sozialamt ein sicherer Mietzins-Garant ist.
Das Nachsehen hat der Rest der Bevölkerung, für die der günstige Wohnraum nicht mehr zur Verfügung steht. Von Durchschnitts-Mietzinsen zu sprechen ist daher Unsinn.
Antworten


Reto Gächter

28.11.2012, 08:44 Uhr
Melden 19 Empfehlung 7

Ja wer im neu geschaffenen Ghetto Glattpark wohnen will, findet natürlich sofort eine Adäquate Wohnung, dazu bräuchte es keine Studie. Antworten



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