Aufmarsch der wütenden Pflegerinnen
Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 16.09.2009 8 Kommentare
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Die Töne zwischen dem Kanton und den Angestellten im Gesundheitswesen verschärfen sich. Das war gestern auf dem Walcheplatz vor der Finanzdirektion zu hören. Gut 200 Pflegende (mehrheitlich Frauen), Hebammen und Therapeutinnen versammelten sich dort mit Trillerpfeifen, Rasseln und Transparenten. Grund für ihre Wut ist die geplante Lohnrevision für die Gesundheitsberufe. Sie wird den Kanton zwar insgesamt zwar rund 50 Millionen Franken kosten. Doch damit sind die Angestellten nicht zufrieden. Anforderungen, Belastung und Verantwortung seien gestiegen, Hebammen und Physio- sowie Ergotherapeutinnen würden neu an Fachhochschulen ausgebildet. Für die Aktion Gsundi Gsundheitspolitik (AGGP) ist diese Lohnrunde eine verkappte Sparrunde. Darum hatten im Mai 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Brief an die Finanzdirektorin geschrieben. Mit der Antwort sind sie überhaupt nicht zufrieden. Ursula Gut antwortete, man habe jeden einzelnen Beruf sorgfältig bewertet und mit anderen Berufen abgeglichen.
Gleich bewertet wie Chauffeure
«Sorgfältig hat der Kanton höchstens darauf geachtet, dass unsere Berufe unterbewertet bleiben», ärgerte sich Isabel Tuor gestern vor den applaudierenden Kolleginnen und Kollegen. Als AGGP-Vorstandsmitglied hat sie am neuen Bewertungssystem aktiv mitgearbeitet, und dabei erlebt, mit «welch unterschiedlichen Massstäben» gemessen wurde. Die «geistigen Anforderungen» für eine diplomierte Pflegefachfrau mit höherer Fachausbildung sind gemäss der neuen Bewertung tiefer als jene eines Chauffeurs, eines Materialverwalters oder einer Verwaltungsassistentin. «Das ist unerhört.» Die Ergo- und Physiotherapeutinnen seien anfänglich korrekt eingeteilt gewesen, doch weil sie im Quervergleich mit der Pflege zu gut abschnitten, habe man sie nachträglich abklassiert. Tuor sprach von «skrupellosem, massivem Sparen zum Schaden der Kranken und auf dem Buckel eines Frauenberufes».
Das Gesundheitspersonal fordert höhere Einstufungen in der Lohnskala für alle Funktionen. Sollte die Forderung nicht erfüllt werden, ist die AGGP gewillt, ein weiteres Mal den juristischen Weg einzuschlagen. Vor knapp zehn Jahren hat das Gesundheitspersonal vor Gericht bereits einmal Recht bekommen. Der Kanton musste damals den Pflegenden wegen diskriminierender Löhne rund 300 Millionen Franken nachzahlen.
Ursula Gut gibt sich versöhnlich
Finanzdirektorin Gut war gestern an der Kundgebung anwesend. Die Protestierenden kritisierten sie zwar, ihre Präsenz wurde hingegen geschätzt. Man hiess sie «herzlich willkommen». Gut versprach, die Argumente der Pflegenden noch einmal zu bedenken, bevor sie die Lohnrevision dem Regierungsrat vorlege. «Wir nehmen Sie ernst und wissen, dass wir Sie brauchen», sagte sie.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.09.2009, 04:00 Uhr
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8 Kommentare
Ich arbeite im Spital als Pflegefachfrau in einem Team von 17 Kolleginnen. Für die wenigsten ist es möglich, bedingt durch den intensiven Arbeitsalltag mit wechselnden Schichten, belastenden psychischen Situationen etc. 100% zu arbeiten wie in jedem anderen Beruf. Spezialausbildungen und Weiterbildungen sind erwünscht und gefordert, werden aber nur spärlich finanziell ästimiert. Antworten
Leider liegt das Gesundheitswesen bereits lange Zeit auf der Intensivstation. Immer mehr Verwalter, genannt Klinik-Manager, ohne jegliche Branchenkentnisse, werden durch die Politik in die Spitäler getrieben. Dies treibt die Kosten ins Unermässliche und die Leidtragenden sind die wirklich chrampfenden Leute. Das Personal wird ausgenutzt bis aufs Blut. Lasst doch endlich die Fachleute bestimmen! Antworten



