Aus für Stadtarzt nach 700 Jahren: «Das kommt uns fadenscheinig vor»
Interview: Felix Schindler. Aktualisiert am 07.09.2011 9 Kommentare
«Wir wollen wissen, wie es weitergeht»: Präsident des Ärzteverbands Zürimed Beat de Roche. (Bild: pd)
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Was war Ihr erster Gedanke, als Stadträtin Claudia Nielsen den Posten des Stadtarztes abgeschafft hat?
Beat de Roche: Zuerst bedauerte ich, dass es diese Funktion nicht mehr gibt. Albert Wettstein war eine Persönlichkeit, der Stadtarzt eine Institution mit einer starken Ausstrahlung und einer 700-jährigen Tradition. Zuerst dachte ich einfach: Das ist schade.
Inzwischen schlug das Bedauern in Empörung um. Sie finden, Claudia Nielsen hätte den Ärzteverband in die Reorganisation einbeziehen müssen. Warum?
Es ist Tradition, dass wir einbezogen werden. Bei Nominationen von Chefärzten sind wir dabei, das Gesundheits- und Umweltdepartement ist bei uns im Vorstand vertreten und es finden regelmässig Gespräche statt. Da wäre es angemessen gewesen, wenn man uns auch bei einem Entscheid dieser Tragweite einbezogen hätte. Bis jetzt wissen wir nicht einmal, welche Alternative das GUD für den Stadtarzt bereitstellen wird.
In der Medienmitteilung schreiben Sie ausserdem, dass die Ärzte von der Stadt als Partner wahrgenommen werden wollen. Geht es auch um verletzten Stolz?
Ein bisschen.
Gibt es ein Beispiel, das die Wichtigkeit des Stadtarztes für die Ärzte illustriert?
Für die Organisation des Notfalldienstes ist eine reibungslose Zusammenarbeit mit dem Stadtarzt wichtig. Aber der Dienst war auch wichtig, weil er sich mit all jenen Leuten befasst hat, die durch die Maschen des medizinischen Versorgungsnetzes gefallen sind.
Die Stadt sagte, man habe für Albert Wettstein keinen Nachfolger mit der geeigneten Qualifikation finden können. Was sagen Sie dazu?
Das kommt uns fadenscheinig vor. Es gibt viele Ärzte mit einer betriebswirtschaftlichen Zusatzausbildung. Wir fragen uns, ob das nicht einfach eine Sparmassnahme ist.
In Ihrem Brief fordern Sie eine Stellungnahme von Claudia Nielsen. Werden noch andere Forderungen von der Ärzteschaft auf die Stadt zukommen?
Wir erwarten, dass uns Frau Nielsen klar sagt, wie es weitergeht. Sie soll uns zusichern, dass im stadtärztlichen Dienst auch medizinische Belange Platz haben, nicht nur betriebswirtschaftliche. Dann könnten wir uns vielleicht damit abfinden, uns vom Stadtarzt zu verabschieden.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.09.2011, 13:15 Uhr
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9 Kommentare
Die Frage ist vielmehr, warum sich eine der reichsten Städte der Welt, Zürich, sich im Jahr 2011, nach 700 Jahren, plötzlich keinen Stadtarzt mehr leisten kann oder will? Es ist schon seltsam was im Moment auf der Welt abgeht, je mehr Reichtum wir schaffen, desto weniger können wir uns leisten. (Kürzung ALV, IV, Sozialhilfe, Rentenalter usw.) Antworten
Wenn es den Stadtarzt schon seit Jahrhunderten gibt ist das natürlich ein Grund die Stelle zu behalten! Und weil es Bären und Wölfe auch schon seit Jahrhunderten gibt bin ich für die Wiederansiedlung in Zürich. Diese Begründung für den Stadtarzt ist einfach nur lächerlich. Antworten

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