Ausbrecher von Dietikon bleibt für Flucht straffrei

Ein Gefängnisausbruch hat keine strafrechtlichen Folgen – wenn dabei kein Schaden entstanden ist.

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Dank der Hilfe einer Aufseherin konnte Hassan Kiko in der Nacht auf Dienstag ohne grossen Aufwand aus dem Gefängnis Limmattal fliehen. Er zog damit weder Menschen noch Sachen in Mitleidenschaft. Deshalb hat sich der 27-jährige Syrer mit seinem Ausbruch nicht strafbar gemacht – so unglaublich dies in ­vielen Ohren klingen mag.

Gehilfen müssen vor Gericht

Laut dem Schweizer Strafgesetzbuch muss nämlich nur vor den Richter, wer andern zur Flucht aus dem Gefängnis verhilft. Wer hingegen selbst ausbricht, profitiert vom Grundsatz der straffreien «Selbstbegünstigung». Dieser Gedanke präge den gesamten Strafprozess, argumentiert der Bundesrat. So müsse zum Beispiel auch niemand sich selbst belasten. Daran möchte die Landesregierung festhalten. Eine Motion von SVP-Nationalrat Lukas Reimann, die den Gefängnisausbruch unter Strafe stellen will, empfiehlt sie zur Ablehnung.

2014 kam es in der Schweiz zu 18 Ausbrüchen. Exakt die Hälfte der Fliehenden sassen nach einer Woche wieder im Gefängnis.

International zur Fahndung ausgeschrieben

Im Fall der flüchtigen Aufseherin und des syrischen Häftlings fahndet die Polizei weiterhin. Sie hat das Paar international ausgeschrieben. Die erste Spur hatte nach Italien geführt. Der Ehemann der 32-jährigen Angela Magdici ist zu «hundert Prozent» überzeugt, dass die beiden nach Syrien fliehen wollen, wo Hassan Kiko Verwandte hat. Kiko war 2010 als Asylbewerber in die Schweiz geflohen. Er lebte bis vor der Tat in Schaffhausen und arbeitete als Coiffeur in Zürich. Der Mann ist dreimal wegen Sexualstraftaten verurteilt worden, in zwei Fällen rechtskräftig. Das jüngste Urteil, eine vierjährige Frei­heitsstrafe wegen Vergewaltigung eines ­Mädchens, hat er an das Obergericht ­weitergezogen.

Angela Magdici hat kurz vor der gemeinsamen Flucht auf ihrer Facebook-Seite einen Film gepostet, der überraschende Parallelen zum Fall hat. Der chinesische Film «House of Flying Daggers» (Haus der fliegenden Messer) handelt von einem romantischen Polizei­offizier, der eine schöne Rebellin aus dem Gefängnis befreit.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 10.02.2016, 21:40 Uhr)

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