Ausflugsziel Flughafen
Von Helene Arnet. Aktualisiert am 27.12.2011 8 Kommentare
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Nervös nestelt Nils in seiner Hosentasche herum. «Meinst du, die nehmen mir bei der Kontrolle meine Stirnlampe weg?», fragt er seinen Vater. Der 8-Jährige hat schlechte Erfahrungen mit der Flughafensicherheit gemacht. «Das letzte Mal, als wir nach Irland flogen, haben sie mir meine Wasserpistole weggenommen», erzählt er.
Nils und seine Familie gehörten zu jenen Hunderten, welche gestern einen Ausflug auf den Flughafen Zürich machten. Während die Fluggäste kaum Wartezeiten in Kauf nehmen mussten, standen die Ausflügler, die bei dem Prachtwetter die Anfang Dezember neu eröffnete Zuschauerterrasse besuchen wollten, am Nachmittag eine Stunde Schlange. An die 20'000 Personen haben – trotz häufig schlechtem Wetter – bisher die neue Terrasse im Dock B besucht. Der Flughafen Zürich rechnet nächstes Jahr mit 300'000 Zaungästen, 2015 mit gegen einer halben Million.
Ein Flughafen en miniature
Als über die Lautsprecher die nächste Rundfahrt angekündigt wird, macht sich Unmut in der Schlange breit. «Wir haben dafür Tickets gebucht und kommen nicht durch», schimpfen einige. «Sie könnten wenigstens eine zweite Kontrollbahn öffnen.» Es gebe organisatorisch noch Verbesserungspotenzial, sagt eine Flughafenangestellte diplomatisch.
Nils hat es endlich nach draussen geschafft. Samt Stirnlampe. Das langweilige Anstehen hat er angesichts des Spielplatzes, einem Flughafen en miniature, schnell vergessen. Und rundum erwacht das Kind im Manne: Aufgeregt rennen Väter mit Kindern im Schlepptau in jene Richtung, in der sich durch grelles Kreischen ein startendes Flugzeug ankündigt. Vor den Spezialferngläsern warten sie ungeduldig, von einem Fuss auf den andern tretend, bis sie an der Reihe sind. Diese Airportscopes geben Daten über Typ und Herkunft von ins Visier gerückten Flugzeugen bekannt. Nebenan kann man Funksprüche mithören.
Unglaublich, dass so etwas fliegt
Ein Mann interessiert sich weniger für die Flugzeuge als für die Terrasse selbst: Thorsten Nölle. Er war Projektleiter des neuen Dock B und hat zusammen mit dem Architekten Heinz Moser vom Büro Burckhardt & Partner die Zuschauerterrasse gebaut. «Es ist ein tolles Gefühl zu sehen, wie sich die Leute freuen», sagt er. «Faszination Fliegen» lautete das Thema der Planer.
Vor dem Dock, wo eine Swiss anlegt, sammelt sich eine Traube von Menschen. Es riecht nach Kerosin. Zwei Männer packen ihr Picknick aus. Bündnerfleisch. «Es ist einfach unglaublich, dass solche dicken Brummer fliegen können», sagt der eine zum andern. Eigentlich sei er ja ein Flughafengegner, sagt der andere zwischen zwei Bissen. Wegen des Lärms. «Aber an so einem Nachmittag hier in der Sonne zu sitzen und den Flugzeugen zuzuschauen, das ist schöner als Fernsehen.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.12.2011, 08:28 Uhr
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8 Kommentare
Früher konnte man dort überall Gratis d.h. ohne jegliche Eintrittsgebühr den Flugbetrieb ansehen. Aber da war ja der Flughafen noch in Gemeineigentum. Heute hingegen muss jeder 2m des flughafengeländes höchst profitabel bewirtschaftet werden um die Investoren gütig zu stimmen. Ist das nun Fortschritt oder Rückschritt? Modern oder Rückständig? Wem nun bringt das am meisten und wer bezahlt dafür? Antworten

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