Autofreier Münsterhof treibt Trudi Götz zur Verzweiflung
Von Janine Hosp. Aktualisiert am 25.08.2011 127 Kommentare
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Lorenz Schmid, Präsident der Vereinigung Münsterhof, spricht von einem «kleinen Sieg». Zwar werden alle 55 Parkplätze auf dem Münsterhof abgeräumt, aber anders als geplant werden nur 41 davon ins künftige Parkhaus Opéra verlegt. 14 Plätze werden ein paar Meter weiter an die Fraumünsterstrasse verschoben. So jedenfalls wird praktisch verfahren. In der Theorie ist es allerdings komplizierter: Danach werden die 41 Parkplätze an der Fraumünsterstrasse ins Parkhaus verlegt, und die 55 Plätze vom Münsterhof rücken nach. So sieht es der historische Kompromiss vor.
Um die Parkplätze auf dem Münsterhof wird seit Jahren gerungen. Einig war sich der Gemeinderat nur, dass die Parkplätze verlegt werden müssen, aber nicht, wohin. Insbesondere das Gewerbe wehrte sich dagegen, dass die Plätze unter den Boden und ans Bellevue kommen; schliesslich gehören sie zu den einträglichsten der Stadt. Gemäss einer Studie des Tiefbauamts verschafft ein einzelner Parkplatz den Geschäften einen Umsatz von jährlich 683'000 Franken.
Ein Jahr lang verhandelt
Die Vereinigung Münsterhof hat deshalb Einsprache gegen das ganze Strassenbauprojekt um die Fraumünsterpost erhoben: Die Stadt wollte gleichzeitig mit der Parkplatzverschiebung die maroden Werkleitungen ersetzen, die Strassen vor dem Stadthaus und hinter dem Fraumünster verbreitern und Tempo 30 einführen. Fast ein Jahr lang haben die Vereinigung und ihr Rechtsanwalt Christopher Tillman mit der Stadt verhandelt. Am Ende waren sie bereit, ihre Einsprache zurückzuziehen, sofern 14 Parkplätze im Quartier bleiben. Die Kosten von 17 Millionen Franken sollen trotz dieser Anpassungen nicht steigen.
Laut Lorenz Schmid verzichten die Mitglieder der Vereinigung zähneknirschend auf die 41 Parkplätze. Er befürchtet spürbare Umsatzeinbussen, wenn es nicht gelingt, den Münsterhof zu beleben. Zusammen mit der Stadt will die Vereinigung deshalb ein Nutzungskonzept erstellen. Schmid sagt nur so viel dazu: Es brauche Wasser, Sitzbänke, Boulevardcafés «und ein Quäntchen Kultur», damit der Platz attraktiv wird und zum Verweilen einlädt. Der Mix der Läden werde sich aber verändern: «Es besteht das Risiko, dass eine gewisse Klientel nicht mit dem neuen Mantel am Bügel ins Tram steigen wird.»
«Die Storchengasse stirbt»
Geschäftsfrau Trudi Götz ist verzweifelt. Sie führt allein an der Storchengasse 13 Edelboutiquen. Und jetzt befürchtet sie, dass ihre Kundschaft seltener in die Altstadt kommt, wenn es zu umständlich wird. Sie glaubt nicht, dass ihre Kundinnen mit dem Auto ins Parkhaus fahren: «Viele haben Angst, und auch ich parkiere mein Auto sicher nie dort.» Die Situation sei für alle Geschäfte an der Storchengasse ernst. Es würde Götz nicht erstaunen, wenn manche an die Peripherie abwanderten. «Die Storchengasse wird aussterben», prophezeit sie.
Sofern keine Einsprachen gegen das Projekt eingehen, können die Parkplätze im Herbst 2013 vom Münsterhof an die Fraumünsterstrasse verlegt werden, bis im Sommer 2014 wäre der Münsterhof autofrei. Nun hoffen alle Beteiligten, dass keine Rekurse eingehen; da die Werkleitungen sofort ersetzt werden müssen, müsste die Stadt sonst den Boden zweimal aufreissen, das ganze Projekt verteuerte sich.
Ein «grosser Sieg» der Vereinigung Münsterhof wäre es übrigens gewesen, wenn die 55 Parkplätze an den Bürkliplatz verlegt worden wären. Denn der, sagt Schmid, ist kaum belebt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.08.2011, 07:24 Uhr
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127 Kommentare
Es ist schon erstaunlich, dass sich "eine gewisse Klientel", die nach meiner Beobachtung häufig Zuger und Schyzer Autoschilder spazieren fährt, ums Verrecken mit dem Auto in die Stadt fahren muss. Um den neuen Nerzmantel von Zürich nach Zug zu bewegen verschiebt man drei Tonnen Land Rover. Wieso können sich reiche Leute nicht auch mal etwas umweltfreundlicher benehmen? Antworten
Ich empfehle Frau Götz die Verlagerung nach Küsnacht, Erlenbach oder Zollikon. Vor nicht allzulanger Zeit war die Storchengasse ein Ort mit kleinen Lädelis. Und jetzt ist das ganze Quartier verseucht mit diesen Luxusfimmel-Brand-Schuppen. Das ist nicht Zürich. Diese Decor-Shows sieht man heute überall: Barcelona, Madrid, Venedig. Dazu noch diese aufgeplusterten Kunden. Mir fehlen die nicht. Antworten

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