Bäume müssen dem Veloweg weichen
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Dass Zürich mehr Velowege braucht, ist ein Grundsatz rot-grüner Politik. Trotzdem hat der VCS Zürich Einsprache gegen einen vom Tiefbauamt geplanten Radstreifen an der Kasernenstrasse eingereicht. An der Spitze des VCS stehen Kantonsrätin Gabi Petri und Gemeinderat Markus Knauss. Beide gehören der grünen Partei an, ebenso Tiefbauamtsvorsteherin Ruth Genner.
Grund für den innergrünen Konflikt: neun Bäume, die gefällt werden sollen. Die Platanen stehen zwischen Kasernenstrasse und Sihl, wo sie mit 14 anderen eine schmale Allee bilden.
Parkplätze statt Bäume opfern
Das Tiefbauamt plant, den Veloweg auf der Kasernenstrasse vom Hauptbahnhof Richtung Stauffacher zu verlängern. Dieser bricht heute auf der Höhe Kaserne neben einer Parkplatzreihe ab. Um genug Platz zu schaffen, will das Amt den ganzen Strassenraum samt Tramgleisen um zwei Meter Richtung Sihlufer verschieben. Dort müsste deshalb der Grasstreifen verschmälert werden, auf dem heute die neun Bäume stehen.
«Die schönen grossen Bäume sind sehr wertvoll für die Stadtlandschaft. Sie dürfen nicht unter die Räder kommen», sagt Gabi Petri. Die Verlängerung des Radstreifens liesse sich viel einfacher sichern: indem man die elf Parkplätze vor der Kaserne aufhebe und dadurch mehr Platz auf der Strasse schaffe. Dies harmoniere mit den Ansprüchen des «Historischen Parkplatzkompromisses» von 1996. Das Tiefbauamt hat 2009 in einem – von bürgerlicher Seite scharf kritisierten – Bericht festgestellt, dass es in citynahen Gebieten momentan 72 Parkplätze zu viel gibt. Diese könnten gemäss Tiefbauamt bei der Umgestaltung von Strassen aufgehoben werden. «Genau das ist hier der Fall», sagt Petri. Die Bäume für die Parkplätze zu opfern, sei keine glaubwürdige Velopolitik. «Besonders da der Stadtrat immer die hohe Lebensqualität Zürichs beschwört. Zu dieser tragen nämlich Bäume und nicht Autos bei.»
Grosse Nachteile für das Gewerbe
Um einem Konflikt auszuweichen, könne sogar die jetzige Situation beibehalten werden, sagt Petri. Obwohl der Fahrradstreifen plötzlich aufhört, sei die Stelle gut befahrbar. «Auf der benachbarten Tramlinie haben Autos grosszügig Platz zum Überholen.» Die vom Tiefbauamt vorgesehene Lösung hat laut Petri einen weiteren Mangel. Der Weg in der Mitte der Allee, der gleichzeitig als Velostreifen Richtung Bahnhof und als Trottoir gebraucht wird, würde von 4,2 auf 3,5 Meter verschmälert. «Dies führt unnötig zu vermehrten Konfliktsituationen zwischen Fussgängern und Radfahrenden.»
Das Tiefbauamt hat die VCS-Einsprache am letzten Donnerstag erhalten, aber noch nicht im Detail geprüft. Man habe sich ebenfalls überlegt, die Parkplätze aufzuheben, sagt Projektleiter Samuel Good. «Doch wir kamen zum Schluss, dass dies ein zu grosser Nachteil für das Gewerbe bedeutete.» Der Parkplatzstreit vom letzten Sommer habe diese Entscheidung beeinflusst.
Veloweg durch kantonalen Richtplan vorgeschrieben
Die jetzige Lösung sei nur als provisorisch zu betrachten. Das Leitbild Sihlraum, das die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Kanton erarbeitet hat, sieht eine generelle Aufwwertung des ganzen Sihlufers in den nächsten fünf bis zehn Jahren vor. Auch der Abschnitt an der Kasernenstrasse erfahre eine Umgestaltung. Dann würden die neun gefällten Bäume ersetzt und der Radstreifen samt Trottoir wieder verbreitert. «Es lohnt sich nicht, die Bäume bereits jetzt an einer anderen Lage zu pflanzen und vielleicht später nochmals zu fällen, weil sie nicht in die neuen Pläne passen.» Auch ein Weglassen des Velostreifens sei nicht möglich. «Der kantonale Richtplan schreibt auf diesem Abschnitt einen solchen vor», sagt Good. Die VBZ müssten die Gleise zwischen Militär- und Zeughausstrasse sowieso erneuern, weshalb die Verschiebung des Strassenraums samt Tramtrassee mit nur wenig Mehrausgaben verbunden sei.
Über die Einsprache und ob der VCS überhaupt zu einer solchen berechtigt ist, wird der Rechtsdienst des Tiefbauamtes entscheiden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.06.2010, 20:56 Uhr



