«Balla Balla», SVP und Falco

Mit dem Alpenrock schliesst der bekannteste Agglo-Klub Zürichs seine Tore. Ein Milliardenbau verdrängt das Lokal, das als Blackout gross wurde und von Ballermann über Parteitagungen bis zu Popstars allen Platz bot.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In absehbarer Zeit schliesst ein Ort seine Tore, der allen ein Begriff ist, die im Grossraum Zürich ihre Jugend verbrachten. Wann im Alpenrock beim Flughafen Zürich der letzte Wodka-Redbull ausgeschenkt wird, ist zwar noch nicht klar. Sicher ist aber, dass der legendäre Agglo-Klub dem Milliardenbau The Circle des Flughafens Zürich weichen muss.

Fest steht, dass der Betrieb noch mindestens bis im April 2013 weitergehen wird. Wie es danach weitergeht, ist offen. «Wir sind auf der Suche nach einem neuen Standort im Umkreis von 30 Kilometern», sagt Thomas Oberholzer, Inhaber des Alpenrock House, wie die Lokalität korrekt heisst. Er bedauert das absehbare Ende des Klubs, der es mittlerweile auf 15 Jahre bringt.

DJ Ötzi und Line-Dancer

Es ist ein Ort, der das Konzept der Erlebnis-Gastronomie der 1990er-Jahre bis heute zelebriert. Als der legendäre Club Blackout seine besten Tage längst hinter sich hatte und 1995 zumachte, eröffnete das Alpenrock im März 1996 nach einem radikalen Umbau. In die Grossraumdisco wurden 200-jährige Chalets verpflanzt, Felsen aus den Alpen nachgebaut und ein offenes Feuer installiert.

Alles, was genug Leute anzuziehen vermochte, fand darin Platz. Während im Blackout Weltstars wie Tina Turner oder Falco auftraten, spielte im Alpenrock die Schweizer Liga mit Polo Hofer, Gotthard, Sina und Marc Sway. Dazwischen trat DJ Ötzi auf, die SVP hielt 2003 ihren Parteitag dort ab, die Line-Dancer veranstalteten ihre Schweizermeisterschaft und die Teilnehmer der Berufs-WM liessen sich nach ihrer Ankunft auf dem Flughafen von 1000 Leuten feiern.

80 Prozent Schweizer

Auch heute noch bietet das Alpenrock einem äusserst breiten Publikum einen Platz. Während am Abend Partys wie die Ballermann-Abende unter dem Label «Balla Balla» und dem Motto «Sind wir nicht alle ein bisschen so?» stattfinden, treffen sich am Sonntagmorgen Familien zum Brunch oder zum Apéro nach der Hochzeit. Für viele der Agglo-Klub schlechthin und von den Klubgängern in Zürich belächelt, besuchen laut dem Inhaber über 3000 Leute pro Woche das Lokal bei der Autobahneinfahrt.

Der Erfolg hat laut Oberholzer mit dem einmaligen Erscheinungsbild des Alpenrock zu tun. «Das Alpenrock sei einfach anders als übliche Clubs. Im Unterschied zur Konkurrenz bieten wir eine Echtheit und Swissness, wie sie sonst nicht zu finden ist.» Klar sei es eine Illusion, in einem Chalet-Dorf zu tanzen, aber man biete auch ein Heimatgefühl, das von vielen geschätzt wird. «Deshalb sind unsere Gäste zu 80 Prozent Schweizer», sagt Oberholzer. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.10.2011, 13:54 Uhr

Artikel zum Thema

Der Flughafen setzt sich ein Milliarden-Denkmal

Die Flughafen Zürich AG will für eine Milliarde Franken ein riesen Dienstleistungszentrum bauen. Sie hat bei der Stadt Kloten das Baugesuch für «The Circle» eingereicht. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Kommentare

Anzeigen

Die Welt in Bildern

Mystischer Rauch: Eine Gläubige betet zum Gedenken an ihre verstorbene Mutter während des Muttertags in Kathmandu, Nepal (26. April 2017).
(Bild: Navesh Chitrakar) Mehr...