Barockpalais für Politiker

Tilla Theus renovierte das Haus zum Rechberg für 20 Millionen Franken. Bei der Restauration legte man manches Kleinod frei.

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Grosse Freude beim Kanton Zürich: Nach zwei Jahren sind die Arbeiten am Haus zum Rechberg endlich fertig. Bald empfängt hier Regierungsrat Markus Kägi (SVP) wichtige Gäste in wunderschönen Barocksälen. Aber zuerst waren gestern Nachmittag die Journalisten dran. «Eigentlich müsste ich gar nichts sagen, dieser Raum spricht für sich», sagte Kägi ganz zu Beginn seiner fünfseitigen Rede. Ein Kameramann vom Privatfernsehen machte es sich derweil auf einem Marmortischchen mit aufwendig verziertem Goldfuss gemütlich. «Und es ist ganz natürlich, wenn es Ihnen bei diesem Anblick die Sprache verschlägt», fuhr Kägi fort, als es plötzlich krachte – das Tischchen.

«Früher waren die Leute leichter», sagte Kägi cool und hielt sich wieder ans Skript. Das Gebäude aus dem Jahr 1759 gehöre zu den bedeutendsten Barockpalais im Kanton Zürich, 19,585 Millionen Franken habe die Instandsetzung gekostet, 2,137 Millionen seien in gartengestalterische Massnahmen geflossen. «Das ist gut investiertes Geld!»

Vom Eber zum Bär

Wie gut, zeigte sich beim darauffolgenden Rundgang. Stararchitektin Tilla Theus verlieh der originalen Bausubstanz neuen Glanz und setzte eigene, moderne Akzente. Mit Wasserdampf befreiten Restauratoren die filigranen Deckenstuckaturen von zahlreichen alten Farbschichten. Zum Vorschein kamen mit Zitrusfrüchten reich behangene Ranken und allerlei Getier. Zum Beispiel ein Eber und ein Bär, offenbar sehr zum Gefallen von Jäger Markus Kägi.

Anhand von alten Fotos fand Tilla Theus heraus, dass früher ein Zimmer mit roter und eins mit blauer Wandbekleidung existierte. Erleichtert darüber, dass die in den 80ern nachgewobenen Seidentapeten zu schlecht erhalten waren, um sie behalten zu müssen, fand Theus eine moderne Lösung, die in ihrer Wirkung hinsichtlich Farbe und Textilität dem Ursprünglichen gerecht wird. Sie trug Schablonenmalereien auf Papier auf und zog das Ganze auf Molton auf.

Zürcher Design

Im Sitzungszimmer der Regierung und in anderen repräsentativen Räumen hängen modern interpretierte Kronleuchter aus Dutzenden verschieden grossen Linsen. Stünde das Haus zum Rechberg in Versailles, wäre ihre Arbeit ungleich einfacher gewesen, sagte Tilla Theus. Da die Erbauer des Zürcher Barockpalais jedoch Zwingli im Nacken spürten, musste sie subtiler vorgehen. Anstatt Samt und Brokatstoffe wählte Theus für die Vorhänge Tüll mit Pailletten. Je nach Lichteinfall wechseln diese nun die Farben: von Silber zu Gold.

Es werde ihr etwas schwerfallen, das Haus zum Rechberg zu verlassen, sagte Tilla Theus auf dem Weg in die Garderobe. Dort lagen auf Ledersesseln verteilt die Mäntel und Taschen der Journalisten. «Es ist wie immer», sagte die Bündnerin, «am Schluss fragen alle: wer hat die Kleiderbügel bestellt?» Nun ist es an den neuen Nutzern, das Barockpalais zu beleben. Neben Kägi und seinen Kollegen aus der Regierung sind dies Kantonsparlamentarier, die hier ihre Kommissionssitzungen abhalten werden. Auf modernen Bürostühlen von den Zürcher Designern Trix und Robert Haussmann, unter Bildern von Zürcher Konkreten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.01.2014, 17:08 Uhr

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