Bastien Girod legt sich mit Aldi und Lidl an

Der Grüne Nationalrat Bastien Girod will im Frühling seine zweite Initiative lancieren. Nach den Offroaderfahrern kommen die deutschen Discounter ins Visier des jungen Zürchers.

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Bastien Girod, sie planen, im Frühling eine neue Initiative zu lancieren. Ihr erster Coup spaltete die Schweiz, wird die nächste Initiative auch so stark polarisieren?
(Zögert) Ja, wahrscheinlich schon. Wann immer jemand versucht, Umweltziele konkret umzusetzen, wird er Gegner haben. Das Thema wird bestimmt zu heftigen Debatten führen.

Die Initiative ist noch in Arbeit. Was steht bis jetzt schon fest?
Erstens wollen wir, dass die Landwirtschaftsfläche und die Fruchtfolgeflächen erhalten bleiben. Ähnlich wie beim Waldgesetz fordern wir, dass jeder Quadratmeter Fläche, der zerstört wird, kompensiert wird. Das heisst, wenn Landwirtschaftsland ausgezont wird, muss die gleiche Fläche anderswo wieder eingezont werden. Dabei ist es wichtig, dass fruchtbares Land nicht in unfruchtbares Land eingetauscht wird. Zweitens soll bei einer allfälligen Verkleinerung der Landwirtschaftsfläche ab einem gewissen Umfang die Bevölkerung darüber entscheiden können. Im Moment ist es so, dass ständig Ackerland verloren geht, aber praktisch unbemerkt.

Wann ist es soweit?
Jetzt sind wir in der internen Vernehmlassung und hoffen, dass wir im Frühling soweit sind, die Initiative zu lancieren.

Warum braucht es die Initiative?
Auf der Homepage von Lidl sieht man, dass der Discounter überall in der Schweiz hunderttausende Quadratmeter Land sucht, um dort eingeschossige Läden und Parkplätze zu bauen. Lidl erzielt damit kurzfristigen Gewinn, in der Schweiz gehen nachhaltige Landwirtschaftsflächen verloren. Land, das so überbaut wird, ist schlecht genutzt und auf immer verloren. Das ist alarmierend.

Der verantwortungslose Offroaderfahrer war ein ideales Feindbild für ihre erste Initiative. Zielt die Landwirtschaftsinitiative nun auf die Bauherren?
Nicht unbedingt auf den Bauherren. Das Beispiel von Lidl zeigt, dass die Politik versagt hat. Das heisst, wir zielen auf die Politik, auf die Baulobby und Unternehmen wie Lidl.

Und das geht nicht auf Kosten des Siedlungsbaus?
Auf jedem Lidl könnte man drei Stockwerke Wohnungen bauen, aber es wird nicht gemacht. Im Rahmen des Raumplanungsgesetzes bleibt auch mit unserer Initiative genügend Potential für die Siedlungsentwicklung. Dafür müssen wir keinen Boden verschwenden. Wir haben genügend Baulandreserve, sodass überhaupt kein Landwirtschaftsland umgezont werden müsste. Im Kanton Zürich haben wir noch 4000 Hektaren Bauland. Wenn wir weiterhin 200 Hektare pro Jahr verschwenden, haben wir in 20 Jahren kein Bauland mehr, doch mit Verdichtung nach innen und intelligenterer Nutzung dieser Baulandreserven reicht das sicher noch mindestens 80 Jahre.

Haben sie die Bauern in die Planung der Initiative miteinbezogen? Der Präsident des Zürcher Bauernverbandes Hans Staub sagt, er kenne sie nur aus der Zeitung.
Wir werden sicher auch mit Hans Staub Kontakt aufnehmen, sobald die Vernehmlassung ausgedehnt wird. Bis jetzt hat bereits der Kleinbauernverband Stellung bezogen. Auch Martin Ott, der grösste Biobauer Zürichs, unterstützt die Initiative.

Landwirtschaftlicher Boden ist weniger sexy als ein Offroaderverbot. Wie wollen sie erreichen, dass die Leute trotzdem darüber reden? Sie haben sich für ein politisches Anliegen schon ausgezogen.
Am Anfang wollte auch niemand über Offroader reden. Uns wird schon etwas einfallen, unsere Initiative zum Thema zu machen. Aber ausziehen werde ich mich nicht mehr. Vielleicht werden wir mit Pferden durch den ganzen Kanton reiten. Wir werden sehen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.10.2008, 11:01 Uhr

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