Bei den Fluglärmgegnern punktet nur Jositsch
Von Liliane Minor. Aktualisiert am 09.11.2009
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Ernst Stocker (SVP) gilt als ausgekochter Südschneiser, seit er als Wädenswiler Stadtpräsident die Stellungnahme des Bezirks Horgen zu den neuen Spielregeln für den Flughafen Zürich unterzeichnet hat. Denn dort steht unter anderem: «Südanflüge und -abflüge müssen vermieden werden. Ideal ist ein Betriebssystem, das den Osten als Hauptlanderichtung vorsieht und den Norden als Hauptstartrichtung.»
Er sehe sich nicht als Vertreter des Südens, betont Regierungsratskandidat Stocker. Die Stellungnahme habe er als Stadtpräsident unterzeichnet: «Als Regierungsrat wäre ich in einer anderen Rolle. Dann ginge es darum, was das Beste für den ganzen Kanton wäre.»
Fragebogen entscheidet
Die Fluglärmgegner überzeugt das nicht: Der Bürgerprotest Fluglärm Ost (BFO) hat beiden Kandidaten einen Fragebogen zum Thema geschickt und spricht sich nun aufgrund der Antworten klar für Daniel Jositsch (SP) aus. Auch der Rümlanger Verein Ikarus Erben kommt zum selben Schluss. «Ernst Stocker ist nicht wählbar», sagt Präsident Jakob Scheifele. Der Verein Zürcher Unterland (ZUF) gegen Fluglärm gibt keine Empfehlung ab, weil der Verein im Moment nur «auf Stand-by» funktioniere. Aber für Vorstandsmitglied Rino Keller, Ex-Gemeindepräsident von Hochfelden, ist klar: «Unsere Mitglieder wissen, wer aus Sicht der Fluglärmgegner wählbar ist – und wer nicht.» Keller gibt aber zu, dass eine offizielle Empfehlung des ZUF heikel gewesen wäre: «In den Unterländer Gemeinden hat die SVP einen grossen Wähleranteil.»
Ebenfalls keine Empfehlung gibt der Verein Flugschneise Süd Nein (VFSN) ab. «Wir sind politisch neutral und haben noch nie eine Wahlempfehlung gemacht», sagt Präsident Thomas Morf.
Stocker will keine Schranken
Hauptgrund für den rauen Wind, der Stocker entgegenbläst, ist, dass er im Gegensatz zum Konkurrenten Pistenverlängerungen und Neubauten nicht ausschliesst. Nur wenn diese zu «gewaltigem Mehrverkehr» führen, sei er dagegen, sagt Stocker. Auffallend oft bleibt Stocker zudem in Fluglärmfragen vage, ganz im Gegensatz zu Jositsch. So antwortet Stocker auf die Frage des VFSN, ob der Flughafen grenzenlos wachsen können soll: «Die Grenze ist dort erreicht, wo die Bevölkerung den Mehrverkehr nicht mehr akzeptiert.»
Jositsch hingegen sagt klipp und klar: «Ein grenzenloses Wachstum ist falsch.» Der SP-Mann hat sich für beide Plafonierungsinitiativen ausgesprochen. Stocker hingegen hält nichts von Einschränkungen, nicht einmal von einer längeren Nachtruhe. Dieser Meinung war er stets auch im Kantonsrat.
Schlechte Karten für Stocker
Damit hat Stocker bei Fluglärmgegnern schlechte Karten. Das mag auch den Schlagabtausch zwischen ihm und Jositsch an einem Podiumsgespräch in Meilen erklären, wo Stocker behauptete, er habe im Februar im Kantonsrat nicht gegen sieben Stunden Nachtruhe und gegen eine Plafonierung bei 320'000 Bewegungen gestimmt – eine Behauptung, die nachweislich falsch ist.
Welchen Einfluss die Flughafenfrage auf die Wahl hat, ist offen. Das Verdikt des BFO ist ein Dämpfer für Stocker. Denn er ist eine schlagkräftige Bürgerorganisation, die es schon in mehreren Abstimmungen verstand, ihre Mitglieder zu mobilisieren. Derzeit wird der Wahlflyer in 130'000 Haushalte verteilt.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.11.2009, 04:00 Uhr



