Bestattungen im Zürichsee: Beliebt – aber illegal

Wer die Asche eines verstorbenen Menschen in den Zürichsee streuen will, braucht eine Bewilligung. Diese erteilen die Behörden aber nur ganz selten.

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Der Wunsch nach alternativen Bestattungsmethoden steigt in den letzten Jahren, so gibt es in der Schweiz bereits über 60 Friedwälder, in denen Bäume als Gräber dienen. Wie oft Verstorbene die letzte Ruhe im Wasser finden, ist unklar. Illegale Fälle kommen aber vor, wie der ein Zwischenfall in Stäfa beweist (siehe Infobox). Über die illegalen Seebestattungen wird jedoch keine Statistik geführt. Weder der Kantons- noch der Stadtpolizei Zürich sind Fälle von diesbezüglichen Anzeigen bekannt. Darum ist auch nicht klar, ob und wie eine illegale Bestattung bestraft würde. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein, passieren solche Bestattungen doch meist in solch privatem Rahmen, dass sich niemand daran stören dürfte.

Juristisch gilt Gewässerschutzgesetz

Rechtlich spricht das Gewässerschutzgesetz (Artikel 6) gegen solche Bestattungen im See: «Es ist untersagt, Stoffe, die Wasser verunreinigen können, mittelbar oder unmittelbar in ein Gewässer einzubringen oder sie versickern zu lassen.» Dass es sich bei der Seebestattung nicht in erster Linie um ein Umweltschutzproblem, sondern um eine ethische Thematik handelt, ist auch den Behörden klar.

Nur wenige Bewilligungen pro Jahr

Das kantonale Amt für Wasser, Energie, und Luft (Awel) erteilt darum in seltenen Fällen eine Ausnahmebewilligung für die Bestattung im See: «Wir haben jährlich zwei bis drei Anfragen von Einzelpersonen. Meist sind das Angehörige eines Verstorbenen, der eine enge Beziehung zum See hatte», erklärt Manuel Fuchs, Mediensprecher der Zürcher Baudirektion auf Anfrage. Die Angehörigen erhalten die Aufforderung, das Ritual bescheiden und diskret durchzuführen.

Wasserqualität nicht gefährdet

Wegen der Seltenheit der offiziell bekannten Seebestattungen, muss sich niemand Sorgen um die Trink- und Badewasserqualität machen. Auch künftig nicht: «Seebestattungen bleiben Ausnahmen und sollen nicht gewerbemässig erlaubt werden. Einem grossen Unternehmen würden wir das nicht bewilligen.» Dass beispielsweise Deutsche für die Seebestattung bis nach Zürich pilgern würden, wie dies am Bodensee passierte, glaubt Manuel Fuchs nicht: «Mir ist kein Anbieter bekannt, der interessiert wäre, im Zürichsee Bestattungen im grossen Rahmen durchzuführen.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.10.2008, 13:09 Uhr

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