Zwillingsmord: Bianca B. hinterliess viele DNA-Spuren
Von Thomas Hasler. Aktualisiert am 16.03.2010
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In der Horgner Wohnung, in der an Weihnachten 2007 die noch nicht achtjährigen Zwillinge Celine und Mario erstickt wurden, hat die Polizei eine ungewöhnlich grosse Anzahl DNA-Spuren gesichert und analysieren lassen. Der Aufwand war nötig, weil nach den Aussagen der Eltern ein Einbruch nicht von vorneherein völlig auszuschliessen war.
Der Wissenschaftliche Dienst der Zürcher Stadtpolizei und die Kriminaltechnische Abteilung der Kantonspolizei haben inzwischen schlüssig nachgewiesen, dass ein Einbruch nicht stattgefunden hat. Am Donnerstagmorgen qualifizierte ein Beamter die Einbruchsthese als «absolut unglaubwürdig».
Am Fenstergriff: DNA der Mutter
Walter Bär, Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich, bestätigte anschliessend, dass in der ganzen Wohnung nur eine einzige DNA-Spur gefunden werden konnte, die nicht von der vierköpfigen Familie stammte: Eine Polizistin hatte im Rahmen der Ermittlungen das Portemonnaie des Mannes unvorsichtig berührt. Dass sonst keine fremde DNA gefunden wurde, würde einen Einbruch allerdings noch nicht gänzlich ausschliessen - wenn der Täter Handschuhe getragen hätte.
Entscheidender scheinen andere Befunde Bärs: An allen Gegenständen, die vermeintlich auf einen Einbruch hindeuteten - wie beispielsweise geöffnete Schranktüren, gezogene Schubladen oder auf dem Boden ausgebreitete Kleider - wurden DNA-Spuren von Bianca B. gefunden, und keine von Franz B. Auch beim Fenster, durch das der vermeintliche Einbrecher gestiegen sein soll, fand man am Griff nur die DNA der Mutter.
Bedeutet dies zwingend, dass die 36-Jährige die Einbruchspuren gelegt hat? Nein. Dass man in der eigenen Wohnung Fenster und Schränke berührt, oder - allenfalls beim Einräumen - mit den Kleidern der Kinder in Kontakt kommt, ist überhaupt nicht aussergewöhnlich. Zudem hätte am Fenstergriff eigentlich auch die DNA von Franz B. gefunden werden müssen. Denn er hat gemäss eigenen Angaben das Fenster geschlossen, nachdem er die getöteten Kinder entdeckt hatte. Von der anderen Seite betrachtet, kann der Umstand, dass nur die DNA der Mutter gefunden wurde, aber auch ein Mosaikstein sein, der auf sie als «Einbrecherin» hindeutet.
Unter Marios Fingernagel: DNA der Mutter
Im Fingernagelschmutz von Marios rechter Hand befanden sich DNA-Spuren der Mutter, aber keine des Vaters. Unklar ist, ob es sich dabei um Hautzellen, Speichel oder anderes DNA-haltiges Material handelt. Mit Sicherheit war es kein Blut. Natürlich interessierte das Gericht, wie die DNA unter den Fingernagel geraten sein könnte.
Die mengenmässig relativ starken Rückstände deuteten darauf hin, dass die Spuren nicht einfach durch ein Händeschütteln übertragen wurden, meinte Walter Bär. Üblicherweise kämen solche Spuren durch ein Kratzen zustande. Dies würde möglicherweise die Annahme bestätigen, dass sich Mario bei seiner Tötung heftig wehrte. Gleichzeitig konnte Bär aber nicht ausschliessen, dass die DNA der Mutter schon drei bis vier Tage vor dem Tod des Kindes unter dessen Fingernägel kam.
Badezimmer-Teppich: DNA von Mutter und Tochter
Auf einem Badezimmer-Teppich wurden DNA-Spuren von Mutter und Tochter gefunden. Dies ist deshalb von Bedeutung, weil in Celines Gesicht eine Muster zu sehen war, das durch den Druck des Teppichs auf ihr Gesicht entstanden sein könnte. Bär bestätigte zwar, dass das Spurenbild durchaus in einen solchen «Tatablauf eingeordnet werden könnte». Gleichzeitig musste er aber auch einräumen, dass die DNA-Übertragung auch stattgefunden haben könnte, wenn Celine ihrer Mutter bei Haushaltsarbeiten half.
Die Analyse der DNA-Spuren kann also unterschiedlich interpretiert werden. Entweder sind sie insgesamt weitere Indizien, die dafür sprechen, dass Bianca B. ihre Kinder umbrachte. Oder sie sind normale Spuren, die im gewöhnlichen Familienleben notwendigerweise entstehen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.03.2010, 15:27 Uhr


































