Big Brother am Uetliberg

Nach versteckten Zählungen kann die Stadt erstmals konkrete Zahlen über die Nutzung des Zürcher Hausbergs vorlegen. Hunderttausende nutzen den Berg – und dabei geraten nicht nur Biker und Wanderer aneinander.

Wer wann auf dem Uetliberg ist: Biker rollen vor allem nach 20 Uhr den Trail hinunter.

Wer wann auf dem Uetliberg ist: Biker rollen vor allem nach 20 Uhr den Trail hinunter. Bild: Grafik: Grün Stadt Zürich

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Gleich drei Studienresultate zur Erholungsnutzung des Uetlibergs präsentierte Grün Stadt Zürich heute Montagmittag den Medien. Der Druck auf den Zürcher Hausberg nehme laufend zu. Hochrechnungen zeigen, dass die jährliche Frequenz im Wald am Uetliberg bei rund 860'000 Personen liege, teilt Grün Stadt Zürich mit. Es sei daher wichtig, die Interessenkonflikte der verschiedenen Nutzergruppen zu lösen. Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten würden dazu beitragen, innovative Ansätze zu finden.

Aufschlussreiche Fakten lieferte insbesondere Martin Wyttenbach mit seiner Masterarbeit «Besuchertragfähigkeit von Wegsystemen» an der ZHAW. Mithilfe von automatischen Zählgeräten konnte er die Frequenzen der Erholungssuchenden am Uetliberg erfassen.

Tagsüber wird gewandert, abends kommen die Biker

Dabei stellte sich heraus, dass an Wochenenden doppelt so viele Fussgänger unterwegs sind wie an Werktagen. Bei den Radfahrern verhält es sich gleich umgekehrt: Der Anteil Velofahrer liegt am Wochenende bei 20 Prozent, an Wochentagen bei 25 Prozent. Auch die räumlichen und zeitlichen Nutzungsmuster der Fussgänger und Velofahrer unterscheiden sich markant. Während auf dem Uetliberg vor allem tagsüber gewandert wird, unternehmen Biker häufig nach Feierabend noch eine Trainingsfahrt.

Obwohl noch immer bis zu 80 Prozent der Erholungssuchenden zu Fuss auf dem Zürcher Hausberg unterwegs sind, hat die Zahl der Biker zugenommen. Die Resultate der Befragung unter den Velofahrenden zeigen, dass sowohl der Biketrail auf dem Uetliberg als auch die bestehende Signalisation unter den Radsportlern eine hohe Akzeptanz geniesst.

Geheimer Velozähler

Rund 35'000 Biker nutzen den Trail pro Jahr. Das hat ein versteckter Zähler auf dem offiziellen Trail ergeben. Die Umfrage unter den Bikern zeigt jedoch auch, dass sowohl Velofahrende mit Downhill-Schutzausrüstung als auch jene, die auf gemeinsam genutzten Wegen bergabwärts unterwegs sind, als störend empfunden werden.

Aufgrund des Zahlenmaterials und den Kosten für den Unterhalt hat Grün Stadt Zürich erhoben, wie viel die Benutzung des Uetlibergs pro Person und Jahr kostet. Demnach berappen die Steuerzahler für die Benutzung der Wege und Strassen pro Kopf 35 Rappen. Eine Abfahrt auf dem Biketrail kostet 1 Franken 15. Daraus ergeben sich Unterhaltskosten von rund 40'000 Franken für den Trail und rund 300'000 für den Wege und Strassen.

Breit abgestützte Verbesserungsmassnahmen

Auch die Resultate der Bachelorarbeit von Jasmin Kägi von der ETH Zürich liefern interessante Fakten zur Entwicklung der städtischen Naherholungszone. Kägi analysierte die Jahresberichte des «Verschönerungsvereins Zürich» von 1875 bis 2011. Die Arbeit zeigt, wie sich das Waldbild in dieser Zeit veränderte. Dabei stellte sich heraus, dass Klagen über Vandalismus und Littering auf dem Uetliberg bereits seit Jahren ein wiederkehrendes Thema sind. Die Ergebnisse der Arbeit von Lukas Schweingruber zeigen schliesslich auf, wie unterschiedliche Interessen am Uetliberg aufeinanderprallen und welch bedeutende Rolle die Erholungsnutzung am Uetliberg spielt.

Grün Stadt Zürich will die Resultate der Studien nun zur Überprüfung der bereits erbrachten Leistungen und zur Optimierung des Angebots auf dem Uetliberg nutzen. Zudem sollen die Erkenntnisse mit allen Interessenvertretern diskutiert werden mit dem Ziel, Verbesserungsmassnahmen möglichst breit abzustützen. (tif)

(Erstellt: 04.02.2013, 13:40 Uhr)

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