Biker kratzen über keltische Fundstätte
Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 21.04.2010 19 Kommentare
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Muss stark befestigt werden: Biketrail durch keltische Erdwälle. (Bild: velosolutions.ch)
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Die Kantonsarchäologen wollen, dass die Biker auf dem Uetliberg einen neuen Weg einschlagen. Das kantonale Amt für Archäologie und Denkmalpflege verfügte, dass ein Abschnitt im obersten Teil des Biketrails geschlossen werden muss. Denn der offizielle Weg führt durch eine keltische Befestigungsanlage, ein Kulturgut, das der Bund vor langer Zeit geschützt hatte.
«Wir stellten fest, dass das Befahren in diesem Bereich der Wälle zu einer starken Erosion führt», sagt Renata Windler, Ressortleiterin Kantonsarchäologie. Um schnell durch die Wälle zu kurven, fahren die Biker nicht aufrecht in der Mitte der Anlage, sondern legen das Bike flach und flitzen dem Wall entlang. Die Abnutzung ist offenbar so stark, dass die keltische Fundstelle nach Einschätzung der Archäologen schleichend zerstört wird. «Wir sind sofort auf Grün Stadt Zürich zugegangen, um eine Lösung zu finden», sagt Windler.
Stadt fiel aus allen Wolken
«Als wir im vergangenen Herbst von der drohenden Schliessung hörten, fielen wir aus allen Wolken», sagt Stefan Studhalter, bei Grün Stadt Zürich verantwortlich für den Stadtwald. Denn das Projekt für einen offiziellen Biketrail auf dem Uetliberg war breit abgestützt, die Gemeinden, Förster und der Kanton waren von Anfang an einbezogen. Schliesslich wurde vor dem Bau des Trails die heutige Linienführung festgelegt.
Jährlich fahren Tausende Biker über den Weg. Deshalb war die angedrohte Sperrung im Bereich der Erdwälle für die Stadt kein gangbarer Weg. Schliesslich ist das Ziel des Trails, die Wege der Biker und Wanderer zu trennen. Da laut Studhalter gute Alternativen fehlten, schlug Grün Stadt Zürich vor, den geschützten Boden mit Natursteinen zu befestigen. Der Kanton willigte ein. Vergangene Woche haben die Arbeiten begonnen und sollen bis Mitte Mai dauern. Kosten wird der neue Belag laut Studhalter rund 60'000 Franken.
«Archäologen nicht informiert»
«Wir sind uns bewusst, dass die Biker lieber auf natürlichem Untergrund fahren, doch auch andere, stark beanspruchte Stellen müssen künftig mit Steinen verstärkt werden», sagt Studhalter. Ansonsten muss Grün Stadt Zürich alle zwei, drei Jahre den Trail ausbessern. Das wäre schlicht zu teuer. Bisher hat der Trailbau 100'000 Franken und der Unterhalt und Ausbau 45'000 Franken jährlich gekostet.
«Der Uetliberg ist eine der wichtigsten archäologischen Fundstellen im Kanton Zürich», begründet Kantonsarchäologin Windler den späten Beschluss, den Abschnitt zu sperren. Überreste von der Jungsteinzeit bis in die Moderne zeugen vom menschlichem Leben auf dem Berg. Zu den Bauwerken gehört auch die keltische Befestigungsanlage. «Sie stammt aus der Zeit um 500 Jahre vor Christus», sagt Windler. Entdeckt wurde sie bereits im 19. Jahrhundert, wie es auf einer alten Eisentafel vor Ort heisst.
Die Befestigung mit Steinen hält Windler für «eine gute Lösung, damit die archäologische Substanz nicht kaputt geht und alle Interessen gewahrt bleiben.» Bleibt die Frage, weshalb die zuständigen Archäologen die keltische Anlage nicht bereits vor fünf Jahren als schutzwürdig beurteilten. «Damals ist die Kantonsarchäologie nicht über den Bau informiert worden», sagt Windler. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.04.2010, 16:18 Uhr



