Bis zu 30 Zwangsheiraten pro Jahr in Zürich
Kein Lächeln für den Bräutigam: Bis zu 30 Zwangsehen werden pro Jahr in Zürich geschlossen. (Reuters)
Artikel zum Thema
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Hinduistische Tamilen, christlich-orthodoxe Assyrer, alevitische Kurden, katholische Kosovaren und muslimische Türken: Sie sollen laut einer Studie der Stadt Zürich häufiger gegen ihren Willen verheiratet werden als andere Ethnien.
Konflikt beginne meist in der Adoleszenz, wenn Jugendliche eigene Vorstellungen entwickelten und die Eltern es als «moralische Pflicht» betrachten, den bestmöglichen Partner für das Kind zu finden, führte Janine Dahinden, Mitautorin der Studie, vor den Medien in Zürich aus. Den Jugendlichen bleibe oft nur eine «Entweder-oder-Entscheidung», also der Bruch mit der Familie oder die Anpassung an den ungewollten Ehebund.
Migranten der zweiten Generation betroffen
Eine wissenschaftlich exakte Erhebung der Fälle von Zwangsheirat sei nicht möglich, betonte Dahinden. Davon betroffen seien in erster Linie Migranten und Migrantinnen der zweiten Generation. Fachpersonen gehen von bis zu 10 Fällen pro Jahr aus, Mädchen- und Frauenhäuser von bis zu 30 Fällen.
Frauen werden häufiger gegen ihren Willen zu einer Heirat gezwungen als Männer. Und für sie ist dieses Los besonders hart: Weil Frauen oft zu Hause bleiben müssten, sei es für sie auch schwieriger, aus einer Zwangsehe zu entkommen. Sie würden als allein Schuldige für das Scheitern der Beziehung verantwortlich gemacht, erläuterte Studien-Mitautorin Yvonne Riaño.
Partnerwahl bereits in der Schule thematisieren
Eine Sanktionierung auf strafrechtlicher Ebene trage wenig zur Lösung des Konflikts bei, sagte Riaño. «Es ist unrealistisch, dass betroffene Kinder ihre eigenen Eltern anzeigen.» Wichtiger seien deshalb präventive Massnahmen. Diese könnten an Lehrstellen, in Migrantenvereinen, an den Schulen oder bei Fachstellen ansetzen. Noch dieses Jahr werden Fachleute aus dem sozialen und pädagogischen Bereich geschult, sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch. An Schulen sollen die Themen Partnerwahl und Familie im Unterricht aufgegriffen werden.
Für die Studie wurden im Frühling und Sommer des letzten Jahres 35 Angestellte von städtischen Fachstellen befragt. Es ist die erste Untersuchung zu diesem Thema in der Schweiz. (fsc/sda)
Erstellt: 25.03.2010, 13:32 Uhr



