Zürich

Blocher scheitert am «Blocher-Prinzip»

Aktualisiert am 24.10.2011 172 Kommentare

40'000 Stimmen fehlten Christoph Blocher für den Einzug ins Stöckli. Gescheitert ist er an einem Klima, das er geprägt hat wie kein anderer. Ein Kommentar von Felix Schindler.

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Felix Schindler.

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Christoph Blocher gelingt es nicht, über die SVP hinaus Wähler zu mobilisieren. 131'000 wollten ihn im Stöckli, ungefähr doppelt so viele wollten es verhindern. Sein Resultat ist zwar ungefähr so gut oder so schlecht, wie es Politologen vorausgesagt hatten. Doch es zeigt auch, wie weit Blocher von einer Wahl entfernt ist: Mehr als 40'000 Stimmen fehlen ihm für das absolute Mehr. 26'000 Stimmen liegt er hinter Verena Diener, die während des Wahlkampfs keinen bleibenden Eindruck hinterliess.

Was Blocher noch mehr zu denken geben müsste: Auch innerhalb seiner Partei steht er nicht mehr in der ersten Reihe. Bei den Nationalratswahlen musste sich Blocher von der 35-jährigen Winterthurerin Natalie Rickli auf den zweiten Platz verweisen lassen.

Zunächst ein kleiner, aber dennoch bemerkenswerter Triumph der SVP. Von den knapp 400'000 gültigen Wahlzetteln, die heute ausgezählt wurden, waren knapp 28 Prozent nur zur Hälfte ausgefüllt. Das heisst, dass eine überwältigende Mehrheit von Blochers Wählern ihm auf Punkt und Komma gehorcht, wenn er empfiehlt, ausser seinem Namen keinen zweiten aufzuschreiben. Schliesslich sollen seine Wähler nicht nur für ihn, sondern auch gegen alle anderen sein. Sie haben das «Blocher-Prinzip» verinnerlicht.

Tatsache ist allerdings, dass die Gegner Blochers diese Haltung auch schon längst verinnerlicht haben – aber doppelt so stark sind wie seine Anhänger. Der ganze Kanton links der SVP einte sich hinter der Aufgabe, einen Ständerat Blocher zu verhindern. Das Resultat des SP-Kandidaten Thomas Hardegger blieb nicht alleine deshalb so weit unter den Erwartungen seiner Partei, weil er als neuer und vergleichsweise unbekannter Kandidat ins Rennen startete: 20'000 Bürger, die ihn in den Nationalrat wählten, verwehrten ihm ihre Stimme bei der Wahl ins Stöckli. Auch Urs Hany (CVP) und Maja Ingold (EVP) machten beim Kampf um einen Platz in der grossen Kammer deutlich mehr Stimmen als bei der Wahl in den Ständerat.

Wenn es am 27. November zum zweiten Wahlgang kommt, dann treten voraussichtlich Gutzwiller, Diener und Blocher gegeneinander an. Wenn diese Wahl heute stattgefunden hätte, dann wäre Blochers Rückstand noch grösser. Denn dann würden sich auch die Wähler von Glättli, Hardegger, Hany und Ingold hinter den Auftrag stellen, Blocher zu verhindern.

Bei den Wahlen heute Sonntag ging es praktisch nur um Blocher; jeder, der seine Stimme einlegte, war entweder für oder gegen ihn. Heute darf man sagen: Christoph Blochers Strahlkraft ist verglüht. Er ist der Vater eines politischen Klimas, das vom gegenseitigen Kampf geprägt ist. Diesem Klima ist er heute selbst zum Opfer gefallen.

Erstellt: 23.10.2011, 21:47 Uhr

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172 Kommentare

Ernst Pauli

23.10.2011, 23:18 Uhr
Melden 274 Empfehlung

Ich will keinen Krieg, den Blocher immer propagiert. Ich will Frieden und eine positive Regierung. Deshalb werde ich auch das nächste Mal Blocher verhindern helfen. Antworten


Frank Zuffnik

23.10.2011, 23:28 Uhr
Melden 209 Empfehlung

Auch wenn es jetzt tragisch ist, dass die echten Schweizer im eigenen Land nur noch 25% haben, also eigentlich noch die kleinere Minderheit als vorher sind, haben sie natuerlich als einzig richtige Schweizer noch immer das Recht den 75% Unechten Befehle zu erteilen, weil die haben ja nichts zu sagen und sind ja auch nicht das Volch, sondern nur die Mehrheit. Man muss das ja auch mal so sehen. Antworten



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