Zürich

Börse wegen Glücksspiels angezeigt

Von Ruedi Baumann. Aktualisiert am 20.01.2012 57 Kommentare

Glücksspiele sind Casinos vorbehalten, argumentieren die Grünen. Gewisse Wetten an der Börse seien illegal. Deshalb haben sie eine Anzeige eingereicht.

Schweizer Börse: Anzeige wegen Glücksspiels.

Schweizer Börse: Anzeige wegen Glücksspiels.
Bild: Keystone

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Die Jungen Grünen des Kantons Zürich haben am Mittwoch bei der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) eine Anzeige gegen die Börse Eurex Zürich wegen illegalen Glücksspiels eingereicht. Grund: Im Spielbankengesetz sei ein klarer Rahmen für Glücksspiele gesetzt. «Ausserhalb konzessionierter Spielbanken ist das Glücksspiel um Geld oder geldwerte Vorteile in der Schweiz verboten, nicht aber das Geschicklichkeitsspiel», heisst es. Die ESBK unterscheidet reine Glücksspiele wie Würfelspiele oder Roulette von Geschicklichkeitsspielen wie Schach.

Der grünen Kantonsrätin Alma Redzic als Unterzeichnerin geht es in erster Linie nicht um den traditionellen Börsenhandel, sondern um Finanzderivate wie Futures und Optionen. Konkret fordert sie die ESBK auf, einige Produkte aus dem Eurex-Produktekatalog zu untersuchen. Ein Dorn im Auge sind ihr zum Beispiel die Hurricane-Futures, bei denen gewettet wird, ob beispielsweis im Raum Florida im Jahr 2013 die Summe der versicherten Schadenereignisse durch Wetterkatastrophen oberhalb oder unterhalb 30 Milliarden Dollar liegen wird.

Auf Strommenge wetten

Ein weiteres Instrument bei Eurex, das nach Ansicht der Grünen unter die Lupe genommen werden muss, sind Stromderivate. Hier kann auf eine bestimmte Strommenge bis zu 72 Monate im Voraus gewettet werden. Kritisiert werden auch Wetten auf die Entwicklung von Rohstoffpreisen oder Schuldverschreibungen von Staaten. «Wer kann heute schon sagen, wo Italien in 16 Jahren steht», fragt Redzic.

Die Börse funktioniere, weil immer jemand kauft und verkauft, also zwei Parteien eine Wette eingehen, argumentieren die Grünen. Dieses Verhalten sei mit einem Pokerspiel zu vergleichen. Pokern gelte gemäss Bundesgericht jedoch als Glücksspiel. Nach Erkenntnis der Grünen ist nirgends geregelt, dass die Unterscheidung zwischen Glücks- und Geschicklichkeitsspiel nicht auch für den Finanzmarkt zu gelten habe. Ein klarer Beweis, dass viele Börsenwetten ein Glücksspiel seien, liefern – so die Grünen – die regelmässigen massiven Verluste von Anlegern an den Börsen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.01.2012, 10:46 Uhr

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57 Kommentare

Bernhard Sidler

20.01.2012, 11:05 Uhr
Melden 42 Empfehlung

Ich finde den Ansatz originell. Vielleicht erhellt dieser Blickwinkel gewisse Vorgänge an den Finanzmärkten und legt deren wahren Charakter offen. Antworten


Karin U Müller

20.01.2012, 12:50 Uhr
Melden 40 Empfehlung

alle regen sich auf über die spekulation, aber alle ziehen den schw... ein, wenn's darum geht, etwas konkretes dagegen zu tun - mit dem argument - dann wandern "arbeitsplätze" ab nach DE oder UK. hut ab vor dieser coolen idee! bin echt gespannt, was da herauskommt! Antworten



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