«Bravo SVP des Kantons Zürich und ihren Exponenten»
Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 11.01.2012 125 Kommentare
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Nach dem Rücktritt von Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand gestern Nachmittag trat SVP-Vizepräsident Christoph Blocher triumphierend vor die Medien. Er sah sich als Sieger, auf Bedenken über seine umstrittene Rolle in der Affäre ging er gar nicht ein. Die SVP stand als Gewinnerin da, das fragwürdige Vorgehen einzelner Parteimitglieder aus den Kantonen Zürich und Thurgau trat mit einem Schlag in den Hintergrund.
Kaum war die Nachricht bekannt geworden, schrieb der Kantonalzürcher Präsident Alfred Heer: «Bravo SVP des Kantons Zürich und ihren Exponenten.» Damit kommentiere er den Beitrag, in dem Politologe Michael Hermann Christoph Blocher als Risiko für die SVP bezeichnete. Heer zieht das Fazit: «Die Realität sieht halt oftmals anders aus, als der ‹Tagi online› dies haben möchte.»
Unterstützt wird er dabei von Leser Robert Erni. Er hält die angebliche Schwäche des SVP-Übervaters für einen «alten Wunschtraum». Genauso werde es den Medien nicht gelingen, einen Keil zwischen Blocher und die SVP zu treiben.
«Zürcher SVP neu positionieren»
Leser Alex Rüegg beneidet Heer nicht. Er traue keinem Politiker zu, eine solche Situation «in allen Teilen souverän zu meistern». Dabei nimmt er Bezug auf das Schweigen Heers, der gestern jegliche Aussage zum Verhalten der Partei verwehrte. «Er ist trotz allem fähig, die Zürcher SVP mit neuen Perspektiven zu positionieren.» Für Rüegg ist klar: «Dafür braucht er die Unterstützung besonnener SVP-Grössen wie Max Binder, Ernst Stocker und anderen.»
Anders sieht Tom Klötzli die Rolle, welche die Zürcher SVP einnehmen sollte: «Jetzt ist der Zeitpunkt der Abnabelung gekommen.» Er ist überzeugt, dass es genug junge und rationale Persönlichkeiten gebe, die eine SVP des 21. Jahrhunderts repräsentieren können. «Herr Blocher kommt aus einer Periode, die nicht mehr dem Gedankengut der erwachsen gewordenen Generation X entspricht», schreibt Klötzli.
Klarer formuliert es Werner Leuenberger: «Es gibt eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zu gehen. Jetzt ist es höchste Zeit.» Und Lucien Michel sieht im Alt-Bundesrat nicht nur ein Risiko für die SVP: Er sei «schon längst zu einem Risiko für die Schweiz geworden».
«Es gibt keine andere Meinung»
Obwohl er Blocher lobt, fordert auch Georg Stamm den Rücktritt: «Es ist die Tragik von Blocher, einem intelligenten Mann mit klarem Weltbild, dass er es im reiferen Alter nicht schafft, Energie und Geld im Dienst des Landes und zur Lösung der dringenden Probleme einzusetzen.» Stattdessen werden Rachegefühle sichtbar und ein nachlässiger Umgang mit der Wahrheit. «Das diskreditiert die SVP und deren Ziele. Will das Blocher? Kaum, deshalb: bitte als Vize abtreten», schreibt Stamm.
Offenbar enttäuscht vom Nationalrat ist Markus Döbeli. Er habe sich immer dagegen gewehrt zu glauben, dass Christoph Blocher die SVP sei. Aber es kristallisiert sich immer mehr heraus: «Ideologisch wie finanziell, es gibt keine anderen Meinungen.» Daraus folgert Döbeli: «Wenn er Eveline Widmer-Schlumpf, Zuppiger und Hildebrand stürzen will, dann werden diese gestürzt, und alle SVPler haben mitzumachen.» Er fordert: «Die Partei muss sich neu ausrichten, wenn sie etwas bewegen will.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.01.2012, 13:33 Uhr
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125 Kommentare
Relevant ist nicht, ob sich die SVP als Siegerin in der Causa Hildebrand sieht, sondern wie es die Mehrheit der Bevölkerung sieht. Und der Grossteil der Bevölkerung wiegt den Aspekt der Bankgeheimnisverletzung durch SVP Mitglieder stärker (=schlimmer), als die reglementskonformen Geschäfte Hildebrands. Insofern kann man schon fast von einem Relatitäsverlust einiger SVP-Expontenen sprechen. Antworten
Ich kann nur feststellen: ich habe von einem Christoph Blocher noch nie ein Wort der Entschuldigung gehört, wenn er falsch lag. Für einen Blocher-Kopf gibt es kein "falsch liegen". Das ist wie der Typus "Gefahr gibt es nicht", "Angst gibt es nicht" - solche Menschen sind nicht fähig, eine MITWELT wahrzunehmen. Geschweige denn, andere Meinungen und Standpunkte. Antworten

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