Busstopps auf Fahrbahn: Gemeinden sehen rot

Hinter einem Bus warten, bis die Fahrgäste ein- und ausgestiegen sind, ist für Autofahrer ärgerlich. In ländlichen Zürcher Gemeinden tobt ein eigentlicher Kampf gegen Fahrbahnhaltestellen.

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In Weisslingen, einer kleinen Gemeinde im Zürcher Oberland, wird im Zuge einer Strassensanierung eine Bushaltestelle saniert. Ist der frische Strassenbelag einmal erkaltet, wird er vermutlich bald wieder aufgerissen, denn gemäss jetzigem Projekt wird die neue Bushaltestelle zu kurz und nicht behindertengerecht. Um die Haltestelle auf Normlänge zu vergrössern, wäre etwas Land notwendig. Doch dieses will der Grundeigentümer nicht abtreten.

Grund für den Leerlauf sind die so genannten Fahrbahnhaltestellen. Der Kanton und Verkehrsbetriebe halten sie für sinnvoll, aber vor allem in ländlichen Gemeinden regt sich gegen Fahrbahnhaltestelle mitunter extremer Widerstand (siehe Info-Box). Diese liegen nämlich direkt auf der Fahrbahn, der Individualverkehr muss also hinter dem Bus warten, während die Fahrgäste ein- und aussteigen. Im Gegensatz zu den Busbuchten: Dort hält der Bus in einer Ausbuchtung am rechten Fahrbahnrand.

«Kanton wollte den Verkehr lahmlegen»

Als der Kanton feststellte, dass die Dorfstrasse in Weisslingen saniert werden muss, schlug Albert Herrmann, Entwicklungsingenieur des Kantons, vor, nach Prüfung der Situation zwei Busbuchten durch Fahrbahnhaltestellen zu ersetzen. «Um das zu verhindern, wären wir bis vors Bundesgericht gegangen», sagt der Erhard Diener, Tiefbauvorstand der Gemeinde Weisslingen. «Eine der sechs Bushaltestellen in unserem Dorf ist eine Fahrbahnhaltestelle, und mit ihr haben wir nur Probleme.» Jeden Abend zu Stosszeiten herrsche dort ein gefährliches Durcheinander aller Verkehrsteilnehmer. «Der Kanton wollte mit den Fahrbahnhaltestellen den Verkehr in Weisslingen lahmlegen», vermutet Diener.

Ob eine Fahrbahnhaltestelle sinnvoll ist oder nicht, das lässt sich nur von Fall zu Fall beurteilen, darüber sind sich alle Experten einig. Aus Sicht der Verkehrsbetriebe Zürcher Oberland VZO, deren Busse durch Weisslingen fahren, sind die Fahrbahnhaltestellen sinnvoll. «Bei Busbuchten muss sich der Bus wieder in den Verkehr eingliedern, was bei viel Verkehr lange dauert und ein gewisses Sicherheitsrisiko darstellt», sagt Hansruedi Schranz, Vorstandsmitglied der VZO.

«Viele Busbuchten sind am falschen Ort»

Entwicklungsingenieur Albert Herrmann sieht in den Fahrbahnhaltestellen unter anderem den Vorteil, dass sie wenig bis gar nichts kosten. «Zudem können sie einfach verschoben werden, wenn ihr Stadtort nicht mehr zeitgemäss ist. «Heute sind diverse Busbuchten im Kanton eigentlich am falschen Ort», sagt Hermann. Ausserdem haben auch Gemeinden den Wunsch, den Verkehr innerorts zu beruhigen. «Fahrbahnhaltestellen bevorzugen den öffentlichen Verkehr und sind eine natürliche Verkehrsberuhigung».

Doch genau in diesem Punkt widerspricht der Weisslinger Tiefbauvorstand dem Entwicklungsingenieur: «In Weisslingen beruhigt man den Verkehr, indem man ihn fliessen lässt.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.09.2008, 13:15 Uhr

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