Zürich

Chefredaktorin gewinnt im «Jägerstreit»

Aktualisiert am 17.01.2012 22 Kommentare

Die Chefredaktorin des «Landboten» hat einen Kolumnisten abgesetzt, nachdem dieser in einer Kolumne über Jäger hergezogen ist. Dagegen legte er Beschwerde ein – und unterlag, weil er nicht korrekt berichtete.

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Vor dem Presserat abgeblitzt: Autor Nicolas Lindt (links) legte erfolglos Beschwerde gegen Chefredaktorin Colette Gradwohl (rechts) ein. (Bild: nicolaslindt.ch, landbote.ch)

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In der umstrittenen Kolumne erzählte der Autor Nicolas Lindt eine Geschichte, die Freunde mit ihrem Hund erlebt hätten. Das frei laufende Tier habe ein Reh angegriffen, dieses sei geflüchtet, sei später aber von Jägern gesucht und erschossen worden. Der Zwischenfall hatte ein rechtliches Nachspiel.

Lindt schlug sich auf Seiten des Hundes, der seiner Natur entsprechend töte. Jäger dagegen «sind im Grunde Serienkiller», die aus Blutgier «auf jeder Jagd einen Mord» begingen. Das Argument der Wildbestand-Regelung sei reine Bemäntelung. Dann schlug Lindt den Bogen zum Fleischkonsum an sich: In den Schlachthöfen finde tagtäglich ein Massenmord ohnegleichen statt.

Nachdem die Kolumne in der «Tribüne» vom 18. Juni 2011 erschienen war, meldete sich die Jägerschaft bei Chefredaktorin Colette Gradwohl. «Jagd Zürich» schickte eine Entgegnung, welche eine Woche später ins Blatt gerückt wurde - mit einem Vermerk der Redaktion, wonach Lindts Kolumne den Sachverhalt «in wesentlichen Punkten nicht korrekt wiedergegeben» habe.

Vorab hatte Gradwohl den Beitrag an Lindt geschickt, der darauf aber nicht reagiert hatte. Sie teilte ihm gleichzeitig das Ende der Zusammenarbeit mit.

«Wahr und nicht verunglimpfend»

Ein «Tribüne»-Beitrag müsse zwar nicht die Redaktionsmeinung wiedergeben. Man müsse sich aber darauf verlassen können, «dass die Beiträge korrekt recherchiert sind, die dargestellten Sachverhalte der Wahrheit entsprechen und der Inhalt nicht verunglimpfend ist».

Dies sei bei seiner Kolumne nicht der Fall gewesen. Später erklärte Gradwohl, ausschlaggebend für ihren Entscheid sei gewesen, dass es sich bei der Geschichte nicht um den Hund von Freunden, sondern um Lindts eigenen gehandelt habe. Damit habe dieser Redaktion und «Leserschaft getäuscht und Vertrauen missbraucht».

Kündigung war «plausibel»

Die Aufkündigung der Zusammenarbeit wollte Lindt nicht auf sich sitzen lassen. Er legte beim Presserat Beschwerde ein. Gradwohl habe auf Druck der Jägerschaft überstürzt gehandelt. Sie habe die Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten verletzt.

Der Presserat wies nun die Beschwerde ab, wie es in der Mitteilung heisst. Die Behauptung, die Chefredaktorin sei «unter dem Druck der Jägerschaft eingeknickt» erachtet er als «nicht erstellt». «Im Gegenteil: die «angeführten journalistischen Gründe für die Beendigung der Zusammenarbeit» erschienen «plausibel». Gradwohl habe die Richtlinien nicht verletzt. (ep/sda)

Erstellt: 17.01.2012, 14:48 Uhr

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22 Kommentare

Stani Bogner

17.01.2012, 15:35 Uhr
Melden 31 Empfehlung

Ist ja klar: Wer die Kapelle bezahlt, darf bestimmen, was gespielt wird.
Hier geht es nicht um objektive Berichtserstattung sondern um gekränkte Hobbyjäger, die ihren Einfluss geltend gemacht haben.
Wer glaubt, andere so zum Schweigen zu bringen, irrt gewaltig.
Jagd ist ein grausames Hobby, mehr nicht.
Antworten


Ernst Pauli

17.01.2012, 16:46 Uhr
Melden 29 Empfehlung

Mehrfach haben wir den Hund des hiesigen Wildhüters frei laufen sehen. Zweimal haben wir ihn aufgefordert, ihn vor unserer Haustüre abzuholen. Es scheint hier wirklich unterschiedliche Bewertungen und Strafmasse zu geben. Zusatzfrage an die Hobby-Jäger: Warum macht das Töten der Tiere denn so Spass. Ich habe bei einer Jagd noch nie traurige Gesichter gesehen? Antworten



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