Zürich

«Comagics haben alle Kanäle genutzt»

Interview: Claudia Imfeld. Aktualisiert am 17.07.2009

Comagics dürfen doch in Zürich bleiben. PR-Experte Bernhard Schmid über die grosse Medienpräsenz der Familie, die Besonderheit des Falls, die Gefahren und die genutzten Kanäle wie Youtube und Facebook.

Sie kämpften auf allen Ebenen: Die Zwillinge Comagic (Mitte) und ihre Schulkameraden im Kantonsrat.

Thomas Burla

Bernhard Schmid: Berater bei Peter Bütikofer & Company in Zürich.

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Herr Schmid, keine andere von einer Ausschaffung bedrohte Familie hatte je die Medienpräsenz, die Familie Comagic erreichte. Wie erklären Sie sich das?
Die Familie hat einen grossen Sympathiebonus: Die beiden Töchter sind jung, kommen ehrlich rüber und kämpfen auf eine sympathische Art für ihre Sache. Auch, dass sie gut aussehen, spielt eine Rolle. Ihnen gegenüber steht ein gesichtsloser Behördenapparat. Wären übrigens zwei grimmige junge Männer betroffen, die auf Bildern im Internet vor getunten Autos posieren, wäre die Situation bestimmt eine andere.

Was glauben Sie, hat zu dem riesigen Medienecho geführt?
Die Familie hat den ganzen Instanzenweg durchlaufen. Und sie hat alle Kanäle genutzt, die ihr zur Verfügung standen, um Öffentlichkeit herzustellen. Die Presse wurde regelmässig informiert, es gab Solidaritätsveranstaltungen. Ausserdem ist die Familie im Web präsent mit Homepage, Facebook-Gruppen und Youtube-Videos.

Comagics haben einen Medien-Profi, der alle Interviewanfragen regelt. Wie wirksam ist das?
Es hilft sicher, wenn jemand die Feinheiten im Umgang mit Medien beherrscht und zum Beispiel weiss, wann es Emotionen braucht und wie viel davon.

Liessen sich die Medien von der Familie einspannen?
Ich glaube, die Familie kämpfte ehrlich für ihre Sache. Mit der Zeit haben die drei Frauen und ihr Unterstützungskomitee vermutlich gemerkt, wo Potenzial drin liegt und haben dieses genutzt.

Es gab einen Singabend und Feste für die Familie. Was nützen solche Anlässe?
Die Events waren sehr gut gewählt, weil es Anlässe waren, die mit positiven Gefühlen einhergehen. Die Familie hat den richtigen Mix gefunden, um die grösstmögliche Präsenz zu erreichen.

Was sollte man nie tun in einer solchen Situation?
Man sollte sich nicht abschätzig über die Gegenseite äussern. Für seine Sache zu kämpfen, bringt einem Sympathien ein. Andere anzugreifen, kann kontraproduktiv sein. Wichtig ist auch, Emotionen richtig zu dosieren. Man darf nicht zu sehr auf die Tränendrüse drücken. Auch hier brillierten die Schwestern: Es gab Tränen, aber die Mädchen schauten auch immer wieder Stehaufmännchen-mässig positiv in die Zukunft.

Auch politische Parteien äusserten sich zum Fall. War das für die Familie positiv oder negativ?
Solange man dadurch die Zügel nicht aus den Händen gibt, ist es positiv. Die Familie machte Solidaritätsbekundungen von Politikern öffentlich – was sehr gut klappte.

Sogar der Zürcher Stadtrat hat sich hinter die Familie gestellt. Wie schafft man das?
Ich wünschte, ich würde das Patentrezept dafür kennen.

Hat das grosse Medienecho die Chance auf eine Aufenthaltsbewilligung erhöht?
Grundsätzlich sollte sich das Verwaltungsgericht nicht beeinflussen lassen. Aber möglicherweise rücken durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Fall in der Öffentlichkeit, weitere Aspekte in den Vordergrund: Die dann vielleicht dazu führen, dass das Augenmerk etwa auf die Persönlichkeitsrechte der Mädchen gelenkt werden.

Wird Familie Comagic zum Vorbild für andere ähnliche Fälle?
Ich glaube, der Fall ist in dieser Form einzigartig. Ein ähnlicher Fall würde nicht mehr die gleiche Aufmerksamkeit und Unterstützung erhalten. Die Familie Comagic war sozusagen die Premiere. Ein nächster Fall wäre dann nur noch die Wiederholung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.07.2009, 17:20 Uhr

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