«Corine Mauch hat Angst, Fehler zu machen»
Von Felix Schindler. Aktualisiert am 26.11.2009 34 Kommentare
«Ihre Performances sind in der Tat noch nicht stabil»: Politberater Mark Balsiger über die Stadtpräsidentin Corine Mauch.
«Wenn solche Pannen zu oft passieren, werden sie zu einer schweren Hypothek»: Kommunikationsberater Patrick Rohr über die Stadtpräsidentin Corine Mauch.
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Sieben Monate ist die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch nun im Amt. Auch nach dieser Zeit bleibt ein zwiespältiger Eindruck an ihr haften. So lösen viele ihrer öffentlichen Auftritte kontroverse Reaktionen aus – und es stellt sich die Frage, ob Corine Mauchs Auftrittskompetenz einer Stadtpräsidentin würdig ist. Schliesslich sind die repräsentativen Pflichten ein zentraler Bestandteil ihres Amtes.
Zudem erzeugen viele ihrer Auftritte ein grosses mediales Interesse. Wenn sie an einer Medienkonferenz spricht, kommen Journalisten in Scharen. Wenn Tagesanzeiger.ch Stimmen zu ihrer Ansprache an der Conelli-Premiere einholt, wollen das gleich viele Menschen lesen wie den Bericht über die Fusionspläne von Sunrise und Orange.
Corine Mauch steckt in einem Teufelskreis
Der Politberater Mark Balsiger schaut der Stadtpräsidentin bei ihren öffentlichen Auftritten jeweils genau zu: «Ihre Performances sind in der Tat noch nicht stabil. Sie ist nicht charismatisch, was allerdings für praktisch alle anderen Politiker in der Schweiz ebenso gilt. Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Elmar Ledergerber ist Mauchs Auftritt zurückhaltend und nüchtern.»
Auch Kommunikationsberater Patrick Rohr beobachtete die Stadtpräsidentin bei mehreren Auftritten: «Frau Mauch hat Angst, Fehler zu machen. Das ist ein typisches Phänomen bei Menschen, die plötzlich in der Öffentlichkeit stehen. Dadurch hält sie sich an Details fest, verlässt sich auf ein Manuskript und wird unfrei.» Die Folge: Bei ihrer Ansprache im Zirkus Conelli klebte sich regelrecht an ihren Zetteln und versprach sich mehrmals. «Plötzlich wird ihre Art aufzutreten zum Gespräch, nicht der Inhalt. Schliesslich geht Frau Mauch noch gestresster an die nächste Ansprache heran. Es ist ein Teufelskreis.» Dies birgt laut Rohr eine grosse Gefahr: «Ihr Politik kann noch so gut sein, wenn Sie ihre Positionen nicht herüberbringen kann, dann erreicht sie ihre Ziele nicht.»
Grosse Pannen werden zur Hypothek
Doch mindestens die Versprecher könnten sich auch als Stärke entpuppen: «Das ist sympathisch und macht ihre Authentizität aus», sagt Rohr. «Es zeigt, dass sie ein Mensch ist. Sie darf sich dadurch nur nicht stressen lassen und muss versuchen, lockerer damit umzugehen.»
Doch nur bei Versprechern ist es bisher nicht geblieben, mindestens an der Wahlfeier ihrer Parteikollegin Regine Aeppli zur Regierungsratspräsidentin ereignete sich ein Unfall grösseren Ausmasses: Sie packte die falsche Rede hervor – und bemerkte dies erst, als sie Gäste begrüsste, die nicht anwesend waren. «Auch das ist ein Zeichen von Stress. Wenn solche Pannen zu oft passieren, werden sie zu einer schweren Hypothek. Das wäre Frau Mauch nicht zu wünschen», sagt Kommunikationsberater Rohr.
«Sie soll nur sprechen, wenn sie auch etwas zu sagen hat»
Schliesslich zeigt sich auch: Die neue Zürcher Stadtpräsidentin ist nach wie vor nur schwer greifbar. Nach zahlreichen Anfragen bei Politologen, Beratern, Medientrainern und journalistischen Urgesteinen sagen überraschend viele: «Ich kann leider nichts dazu sagen. Ich habe Corine Mauch bisher kaum wahrgenommen.»
«Dass sie sich der Öffentlichkeit entzieht, kann durchaus eine Strategie sein. Sie wählt sich ihre Bühnen bewusst aus und das ist kein Fehler», so Balsiger. Auch Kommunikationsberater Rohr sagt: «Sie ist schon jetzt an vielen Anlässen präsent, aber sie tritt nicht an jeder ‹Hundsverlochete› auf. Das ist durchaus klug, denn sie soll nur bei Anlässen sprechen, wenn sie auch etwas zu sagen hat.»
Helmut Schmidt absolvierte täglich Medientraining
Natürlich ist da noch ein weiterer Grund für das etwas blasse Erscheinen der Stadtpräsidentin: Ihr Vorgänger hat die Messlatte unerhört weit oben hinterlassen. «Elmar Ledergerber war omnipräsent, er liebte das Spiel mit den Medien und die Medien liebten ihn», sagt Balsiger. Doch diesem Vorbild müsse Mauch überhaupt nicht gerecht werden. «Dass sie nicht über das Showtalent von Elmar Ledergerber verfügt, kann ein Vorteil sein. Er stand nicht umsonst regelmässig im Verdacht, dass ihm das Marketing wichtiger war als die Knochenarbeit.»
Politberater Balsiger rät der Zürcher Stadtpräsidentin dringend zu regelmässigen Medientrainings, und als Absolventin eines solchen wäre sie in bester Gesellschaft: «Der deutsche Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt war einer der souveränsten Redner, den es je gegeben hat. Man sagt, er habe während seiner achtjährigen Amtsdauer jeden Tag eine halbe Stunde Medientraining absolviert.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.11.2009, 08:58 Uhr
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34 Kommentare
DRS 3 sendung, zu gast Corinne Mauch--"welche fähigkeiten" es denn für dieses amt brauche? (längere pause als bei andern fragen) "die freude am amt", und das wiederholte sich noch mindestens 3mal in einer etwa 2 minütigen antwort--ICH DENKE DAS SAGT SCHON "FAST" ALLES--30 jahre parteimitglied und dann zufällig bei der wahl schwache gegnerin, das reicht ins amt der grössten CH-stadt zu kommen !!?? Antworten
Es ist nicht / nie gut, wenn eine Person, ohne vorher min. 4 Jahre als Stadtrat im Amt zu sein, direkt als Stadtpräsident/ in gewählt wird. (Gemeinderatsmitglied reicht nicht) In dieser Zeit sieht auch der Bürger, ob sich diese Person als Stadtpräsident, der immerhin grössten Stadt, eignet. Da haben die Wähler eine Fehler gemacht. Antworten


































