Zürich

Daniel Jositschs Vergangenheit im erzkonservativen Männerbund

Von Stefan Häne. Aktualisiert am 28.10.2009 23 Kommentare

Daniel Jositsch war während seiner Studentenzeit in der Bodania aktiv – einem Zirkel, der Frauen als Mitglieder nicht duldet. Wie passt das zu einem linken Politiker?

100 Prozent männlich: So wirbt Bodania auf seiner Homepage.

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Er war ein Neuling in der Ostschweiz. 1985 kam der damals 20-jährige Daniel Jositsch als Jusstudent nach St. Gallen. Sein Ziel: einer Studentengruppe beitreten, «um sich in St. Gallen und an der Universität zu integrieren», wie er sagt. Jositschs Wahl fiel auf die AV Bodania. Nicht zufällig. Der Tipp kam aus der Armee, von einem Mann, den Daniel Jositsch in der Rekrutenschule kennen gelernt hatte. Dieser «RS-Freund» hat Jositsch Bodania empfohlen, weil dort «häufig lebenslange Freundschaften und Kontakte entstehen». Jositsch trat ein, sein Übername war fortan «Malz»

Die Verbindung wurde 1925 gegründet. Sie zählt heute 400 Mitglieder: 50 aktive Studenten und 350 Akademiker, sogenannt «Alte Herren», einer davon war Alt-Bundesrat Kurt Furgler (CVP). Das Motto der Verbindung, die sich als «hochgradig vernetzt, traditionsbewusst und kommenttreu» anpreist: «Der Freundschaft die Tat!». Studenten von damals bezeichnen Bodania als erzkonservativen, CVP-nahen Zirkel mit Trinkzwang und einem Hang zur Frauenfeindlichkeit – was Altherren-Präsident Andreas C. Brändle bestreitet. Bodania kenne keinen Trinkzwang, beteuert er. Mitglieder würden unabhängig von Konfession oder Parteizugehörigkeit aufgenommen, Frauen hätten «Zutritt zur Verbindung».

Jositsch räumt Fehler ein

Fakt ist aber: Frauen können bei Bodania bis heute keine Mitgliedschaft erwerben, der Zirkel bleibt im Kern also ein Männerbund. Wie passt das zum weltoffenen Jositsch mit jüdischen Wurzeln, der damals Mitglied der Grünen Partei war, ehe er 1999 ins Lager der Sozialdemokraten wechselte? Der linke Politiker, der auf seiner Homepage für «Dialog statt Ausgrenzung» wirbt, räumt Fehler ein: Er habe der Ausschlussklausel für Frauen «zu wenig Bedeutung beigemessen». Im Nachhinein betrachtet, sei dies sicher falsch gewesen. «Ich hätte mich dezidierter für die Öffnung der Verbindung einsetzen sollen.» Die Gründung von gemischten Studentenerbindungen habe er stets begrüsst, versichert er. Und er stellt in Abrede, was ihm Kritiker vorwerfen: dass er ein Opportunist sei, dass er damals seiner Karriere wegen über die Frauenfrage hinweggesehen habe. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.10.2009, 04:00 Uhr

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23 Kommentare

Keller Markus

29.10.2009, 10:17 Uhr
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Das Nichtaufnehmen von Frauen in eine Freundschaftsverbindung hat mit "erzkonservativ nichts zutun. Unser Engagement im studientechnischen, gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen/freundschaftlichen Bereich ist sehr offen und erfolgreich. Es gibt tausende andere Vereinigungen, die entweder keine Frauen aufnehmen oder keine Männer. Im FCZ habe ich noch nie eine Frau im Goal gesehen! Antworten


Frischknecht Hugo

28.10.2009, 18:56 Uhr
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Ach der liebe Herr Jositsch, der würde doch seine Grossmutter verkaufen um Regierungsrat zu werden. Wie er zum zweifelhaften Titel "Experte für Rechtsfragen" beim SF DRS kam und somit ständig am TV ist, nähme mich ja schon wunder. Er muss ich den Vorwurf eines Opportunisten nun ganz bestimmt gefallen lassen. Wenn nicht er - wer sonst? Antworten



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