Zürich

«Das Endlager-Phantom bekommt endlich ein Gesicht»

Interview: Franziska Kohler. Aktualisiert am 20.01.2012 25 Kommentare

An sechs Standorten im Kanton Zürich könnten Gebäude zur Endlagerung von Atommüll entstehen. Für die Gegner sind dies sechs zu viel. Sie machen sich zum Widerstand bereit.

Areale im Fokus der Nagra: Das Zürcher Weinland rund um Marthalen gilt als möglicher Standort für ein Atommüll-Tiefenlager.

Areale im Fokus der Nagra: Das Zürcher Weinland rund um Marthalen gilt als möglicher Standort für ein Atommüll-Tiefenlager.
Bild: Keystone

Marthalen könnte einer der Standorte sein: Wie ist die Stimmung im Dorf?

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Wo Schweizer Atomabfälle landen könnten

Wo Schweizer Atomabfälle landen könnten
Standortvorschläge der Nagra in Bildern.

Zweite Etappe auf dem Weg zum Endlager

Die Standortvorschläge für die oberirdischen Gebäude sind Teil der zweiten Etappe bei der Auswahl für die künftigen Tiefenlager. Im Dezember reichte die Nagra die Vorschläge beim Bund ein. Am Freitag präsentierten die Nagra und das Bundesamt für Energie (BFE) die Vorschläge in Bern. Als nächster Schritt sollen die Vorschläge nun mit den betroffenen Regionen diskutiert und überarbeitet werden.

Als mögliche Tiefenlager-Standorte kommen zurzeit noch die Gebiete Jura-Ost (ehemals Bözberg AG), Jura-Südfuss (AG), Nördliche Lägern (AG/ZH), Südranden (SH), Wellenberg (NW) und Zürich Nordost (ZH) in Frage. Ein definitiver Entscheid des Bundesrats – vor der Zustimmung des Parlaments und absehbarer Referendumsabstimmung - soll spätestens in zehn Jahren fallen. (sda)

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Die Nationale Gesellschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hat heute beim Bund 20 Standortvorschläge zur Endlagerung von Atommüll eingereicht. Es handelt sich dabei um die sichtbaren Gebäude an der Oberfläche, die als Pforte zu den künftigen Tiefenlagern dienen sollen.

Vom Bescheid sind auch mehrere Gemeinden im Kanton Zürich betroffen. Für das mögliche Tiefenlager Nördlich Lägern sind dies Mellikon/Rekingen, Weiach, Bülach und Glattfelden. Die Gebäude für das Tiefenlager Zürich Nordost könnten in Rheinau oder Marthalen zu stehen kommen. Die Endlager-Gegner nehmen dies zum Anlass, um ihren Protest wiederaufzunehmen.

Vereine verstärken den Widerstand

«Das Phantom des Atom-Endlagers hat damit ein Gesicht bekommen», sagt die Aargauer Grossrätin Astrid Andermatt, Co-Präsidentin des Vereins Nördlich Lägern ohne Tiefenlager (LoTi), gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Unser Verein wird nächste Woche zusammenkommen und besprechen, welche konkreten Massnahmen dagegen ergriffen werden können.» Andermatt ist überzeugt, dass LoTi in Zukunft noch mehr Rückhalt aus der Bevölkerung bekommen wird, «denn spätestens jetzt ist allen klar, dass gehandelt werden muss».

Besonders betroffen von den Plänen der Nagra ist die Gemeinde Glattfelden: Auf ihrem Boden befinden sich gleich zwei der möglichen Standorte. Gemeindepräsident Pier-Luigi Quattropani will auf Anfrage jedoch noch keine Auskunft zum Thema geben. Die Gemeinde sei erst Anfang Woche von den Behörden informiert worden. Der Gemeinderat werde sich mit der Angelegenheit in den nächsten drei Wochen beschäftigen.

Klarere Worte finden die Tiefenlager-Gegner von «Klar! Züri Unterland»: Man zäume mit den präsentierten Planungen «das Pferd vom Schwanz her auf», sagte sie gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Bevor über oberirdische Bauten diskutiert werde, müssten zuerst einmal die Standorte der Tiefenlager feststehen.

Zurückhaltung beim Kanton Zürich

Auf kantonaler Ebene wird laut SDA ebenfalls erste Kritik am Vorgehen der Nagra laut. Der Zürcher Baudirektor Markus Kägi (SVP), der den Ausschuss der Kantone für die Tiefenlager-Suche leitet, bemängelt die Kriterien, mit denen die Nagra die Gebäudestandorte beurteilen wolle. Sie seien für die Kantone und Gemeinden zu wenig klar. Das Bundesamt für Energie (BFE) und die Nagra wiesen dies zurück. Die Baudirektion im Kanton Zürich will bis April eine eigene Einschätzung der Standortvorschläge erarbeiten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.01.2012, 16:07 Uhr

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25 Kommentare

Daniel Meier

20.01.2012, 16:52 Uhr
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Ich wohne auch in der Nähe einer der roten Punkte, aber ich breche jetzt nicht in Panik aus und könnte damit leben und fühle mich dadurch nicht bedroht. Irgendwie müssen wir das Problem doch einmal lösen. Ich bin dafür, dass wir als Stromverbraucher auch die Folgen tragen. Antworten


Werner Wüest

20.01.2012, 20:42 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Radioaktive Abfälle kommen nicht nur von den AKW's - sie kommen u.A. auch aus der Medizin. Auch die müssen entsorgt werden. Ich hätte absolut keine Probleme über einem solchen Endlager in der Tiefe zu wohnen - man muss nur ein klein bisschen von Physik verstehen - aber heute motzt man ja gegen alles - selber braucht man es auch - siehe Strom und Medizhin usw. Antworten



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