1900 Notrufe pro Stunde und 20'000 Retter

SerieAm Flughafen nehmen Disponenten neuerdings die Notrufe aus den Kantonen Zürich, Schaffhausen und Schwyz entgegen. Sie schicken von dort Sanitäter und Feuerwehrleute an die Einsatzorte.

«Für unsere Mitarbeitenden war der Umzug eine grosse Umstellung»: Direktor Hanspeter Fehr über die neue Notrufzentrale von Schutz und Rettung Zürich. (Video: Chantal Hebeisen und Pia Wertheimer)

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Der Mann in Uniform nimmt das Telefon ab. Zeit für ein «Grüezi» bleibt keine. «Wo genau ist der Notfallort?» Mit dieser Frage beginnen sämtliche Gespräche der Mitarbeiter der neuen Einsatzleitzentrale von Schutz & Rettung am Flughafen Zürich. Das hat seinen Grund, denn in jedem Moment könnte die Verbindung abgebrochen werden. Der floskellose Anfang des Telefonats ermöglicht es dem Disponenten der Rettungskräfte Sanität oder Feuerwehr loszuschicken, auch wenn die Leitung nicht mehr steht.

Seit rund zwei Wochen schlägt das Herz der Rettungsorganisationen am Flughafen. In der Nacht auf den 13. November um 22.30 Uhr nahmen Schutz & Rettung Zürich und die Gebäudeversicherung die neue Einsatzleitzentrale in Betrieb. Rund sechs Minuten später klingelte zum ersten Mal das Telefon, dort wo einst die Lotsen der Skyguide den Luftraum kontrollierten.

Keine Kündigungen

Seit dieser Nacht sind drei Alarmzentralen zusammengelegt worden. Jene an der Weststrasse und am Flughafen Zürich, die von Schutz & Rettung Zürich betrieben wurden sowie die Notrufzentrale des Kantonsspitals Winterthur. Die Zusammenführung hat laut Hanspeter Fehr, Direktor von Schutz & Rettung Zürich, keine Arbeitsstellen gekostet. «Die Anzahl der Notrufe bleibt schliesslich dieselbe.» Neuerdings könnten aber alle Mitarbeiter beispielsweise auf die Einsätze sämtlicher Fahrzeuge Einfluss nehmen. Das war früher technisch nicht möglich.

Die 50 Mitarbeiter arbeiten im Schichtbetrieb rund um die Uhr und nehmen Notrufe aus den Kantonen Zürich, Schaffhausen und Schwyz entgegen. Rund 500'000 Anrufe aus 242 Gemeinden sollen jährlich über den Feuerwehrnotruf 118 und den Sanitätsnotruf 144 eingehen, stündlich sind es bis zu 1900. Die Angestellten von Schutz & Rettung disponieren dabei rund 20'000 Einsatzkräfte und 1000 Einsatzfahrzeuge.

Eine von Machern geprägte Zeit

Die Konzentration der Einsatzleitzentralen begann im Januar 2008. Damals fusionierten die Rettungsorganisationen von Schutz & Rettung und des Flughafens Zürich. Nur fünf Monate später erfolgte der Projektauftrag für eine gemeinsame Einsatzleitzentrale. Rund vier Jahre später zogen die Disponenten im Operation Center am Flughafen ein. Thomas Heiniger (FDP), Gesundheitsdirektor des Kanton Zürichs, war seit Anfang an am Projekt beteiligt. Er bezeichnet die vergangenen vier Jahre als von Machern geprägte Zeit. Nur so sei es möglich gewesen innert vier Jahren eine derart komplexe Idee zu realisieren.

Heiniger ist an weiteren Zusammenarbeiten über die Kantonsgrenzen hinweg interessiert. «Muss beispielsweise ein Patient von Rapperswil ins Spital in Männedorf eingeliefert werden, so ist es wichtig, dass diese Art Dienstleistung auch an den Kantonsgrenzen und darüber hinaus funktioniert.» Damit keine Zeit verloren gehe, sei es bedeutend, dass auch der Anfang, also die Alarmierung stimme. «Es ist darum erstrebenswert, dass die Zusammenarbeit zwischen den Kantonen erweitert und gefestigt wird.» Die neue Einsatzleitzentrale hat laut Heiniger noch Kapazität, um zusätzliche Anrufen entgegenzunehmen. Sie sei zweifellos so kurz nach der Inbetriebsetzung noch nicht am Anschlag.

Zusammenarbeit mit weiteren Kantonen erwünscht

Die Projektkosten für die neue Einsatzleitzentrale belaufen sich auf 20 Millionen Franken. Der Betrieb kostet jährlich 15 Millionen Franken, davon berappt der Kanton Zürich 8 Millionen Franken. Heiniger würde auch aus finanziellen Gründen begrüssen, wenn neben Zürich, Schaffhausen und Schwyz noch weitere Kantone die Dienste der neuen Leitzentrale in Anspruch nehmen würden. «Das würde die Fixkosten auf mehr Schultern verteilen.»

Aufgrund der technischen Infrastruktur gehört sie international zu den modernsten Notrufzentralen. Am Bau haben sich die Gebäudeversicherung Kanton Zürich, die Gesundheitsdirektion sowie das Polizeidepartement der Stadt Zürich beteiligt. Für den Betrieb zeichnet Schutz & Rettung Zürich verantwortlich.

Bis zur Inbetriebnahme der neuen Zentrale hatte Schutz & Rettung zwei Notrufzentren betrieben. Jenes in der Stadt Zürich wird weiterhin genutzt – beispielsweise für Ausbildungszwecke. Das andere, das sich bei der Einsatzwache am Flughafen befindet, wird aufgehoben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 27.11.2012, 11:00 Uhr)

Bildstrecke

Die neue Notrufzentrale

Die neue Notrufzentrale Schutz & Rettung Zürich hat am Flughafen Zürich eine neue Notrufzentrale in Betrieb genommen. Dort gehen im Extremfall 1900 Anrufe ein.

Flughafen-Serie

In einer Serie wirft Tagesanzeiger.ch/Newsnet Schlaglichter auf den Flughafen Zürich. Die Beiträge beleuchten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Klotener Pisten. Sie geben Menschen das Wort, welche die Wandlung des Flughafens miterlebt haben. (pia)

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