Das ist das neue Knie-Programm

Die Zirkussaison ist eröffnet: Der Circus Knie feierte in Rapperswil die Premiere zu seiner 99. Tournee.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wooow! So heisst das neue Knie-­Programm. Das ist zwar kein besonders originelles Motto – aber der Circus wird ihm gerecht. Im diesjährigen Programm, das gestern in Rapperswil Premiere hatte, gibt es jedenfalls einige Gelegenheiten für ein Wooow! Sofern einem nicht einfach der Mund offen bleibt.

Etwa wenn Jongleur Michael Ferrari drei, vier, fünf – ja, wie viele Bälle sind es eigentlich, die er da in der Luft herumwirbelt? Es werden immer mehr, am Ende jongliert er in rasendem Tempo neun Stück. Das tut er so souverän, dass man fast erleichtert ist, wenn mal ein Ball fällt. Der Mann ist also doch real. Zuletzt jongliert er im Dunkeln mit leuchtenden Bällen – der erste Wooow!-Effekt ist da.

Zu den besten Artisten der Welt gehören die 19 jungen Chinesen der Xinjiang Troupe. Im ersten Teil des Programms zeigen sie, auf welch unmögliche Arten man durch ein Lasso hüpfen kann. Richtig faszinierend ist ihre zweite Nummer, in der die Männer schier unmögliche ­Pyramiden bilden, jegliche physika­lischen Gesetze scheinbar ignorierend.

Dieses Jahr buhlen zwei Clowns um die Gunst des Publikums.

Auch Jason Brügger, letztes Jahr ­zum Sieger der TV-Show «Die grössten Schweizer Talente» gewählt, ­beweist, dass er den Titel verdient hat. Hoch über der Manege schwebt er an den Strapaten, zwei schmalen Stoffbändern. Er tut dies im Spagat, im Handstand, schlägt Rollen. Schade nur, dass der Circus Knie nicht allein auf Brüggers Können vertraut: Während der Nummer tanzt das Circus-Theater Bingo in der Manege, was mehr ablenkt als zum Erlebnis beiträgt.

Ein Highlight sind auch Ursula Rossi und Leandro Zeferino als Duo Skating Flash. Auf einer Plattform in drei Meter Höhe wirbelt er auf Rollschuhen im Kreis herum und lässt sie um sich herum­fliegen. Grossartige Akrobatik bieten schliesslich Spicy Circus und die Fratelli Errani mit einer Trampolin-Show, die ihnen so viel Spass zu machen scheint wie dem Publikum. Da ist alles drin: gekonnte und waghalsige Sprünge, perfekte Körperbeherrschung, aber auch Witz.

Andréanne Quintal coacht die Fratelli Errani im Circus Knie – und sagt ihnen auch, wenn sie einen Trick lieber sein lassen sollten.

Von der Fünf-Meter-Trampolinwand lassen sich die Akrobaten fallen und wagen gefährliche Sprünge. Video: Lea Blum

Apropos Witz: Dieses Jahr buhlen zwei Clowns um die Gunst des Publikums. Kinderliebling dürfte der liebenswert-tollpatschige Housch-ma-Housch werden. Sei es, dass er eine Kerze anzuzünden versucht, die ein Eigenleben führt, sei es, dass er Luftgitarre spielt oder an einem Seil zieht und so alle möglichen Geräusche erzeugt: Der gebürtige Ukrainer hat die Lacher auf seiner Seite. Allerdings wird er auf Dauer etwas ermüdend. Dafür dreht der zweite Komiker, der Portugiese Cesar Dias, im Verlauf des Programms immer mehr auf. Wie er «My Way» zum Besten gibt und sich gleichzeitig immer mehr in einen Kampf mit den Tücken seines Mikrofons verstrickt, ist unglaublich lustig und doch nie plump.

Chris Knies ansteckende Freude

Und dann sind da natürlich die Tiernummern, ohne die Knie nicht wäre, was er ist. Dieses Jahr in der Manege: Pferde, Kamele und Ziegen. Letztere sind die Nachfolger der Elefanten, die seit 2015 nicht mehr dabei sind. Es wäre wohl eine etwas kuriose Wortwahl, die Ziegen als würdigen Ersatz zu bezeichnen. Aber sie machen ihre Sache unter der Leitung von Franco und Linna Knie und deren Sohn Chris so gut und witzig, dass man sich fragt, warum je Elefanten in der Manege standen. Zumal die offenkundige Begeisterung von Chris für seine neuen, haarigen Freunde so ansteckend ist, dass man gar nicht anders kann, als sie zu teilen.

Das Zeug zum Publikumsliebling hat Chanel, der jüngste Spross der Knie-­Dynastie. Die Kleine, gerade mal im Kindergartenalter, dirigiert mit kindlichem Eifer ein Pony, aufmerksam beobachtet vom sichtlich stolzen Papa Maycol ­Errani. Noch klappt nicht alles, was die Kleine mit fragendem Blick und Schulterzucken wegsteckt. Der Schwarm aller Teenie-Mädchen dürfte freilich Ivan Knie werden. Er ist zu einem hübschen, selbst­bewussten Jugendlichen geworden, der mit der ungarischen Post eine der schwierigsten Pferdenummern überhaupt zeigt: Auf zwei Rappen stehend, hält er neun Schimmel an langen roten Zügeln.

Würdiger Schluss- und Höhepunkt des Programms ist eine weitere Akrobatiknummer, jene des Duos Desire of Flight. Was Valeriy Sychev und Malvina Abakarova an den Strapaten zeigen, sorgt für Gänsehaut: ein perfekt zur Musik choreografierter Paartanz in luftiger Höhe, voller Leidenschaft und akro­batisch auf höchstem Niveau. Wooow! (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 24.03.2017, 07:07 Uhr)

Artikel zum Thema

Für sie gehen Männer die Wand hoch

Video Andréanne Quintal hat nicht nur das Trampolin im Griff. Die kanadische Artistin coacht derzeit die Fratelli Errani im Circus Knie – und sagt ihnen auch, wenn sie einen Trick lieber sein lassen sollten. Mehr...

Gastkomiker in der Knie-Manege

Der Circus Knie gastiert wieder in Zürich. Wir wollten wissen: Welche bisherigen Acts finden Sie am besten? Mehr...

Die Zürcher, die sind alle Clowns

Kritik Premiere des Circus Knie: Auf dem Sechseläutenplatz fand am Freitag die Zürcher Erstaufführung statt. 2280 Zuschauer hatten vor allem einen ins Herz geschlossen: Clown David Larible. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

TA Marktplatz

Kommentare

Die Welt in Bildern

Unendlicher Kürbis: Die Ausstellung «Infinity Mirrored Room – All the Eternal Love I Have for Pumpkins» des Japanischen Künstlers Yayoi Kusama wird im Hirshhorn Museum in Washington ausgestellt (25. April 2017).
(Bild: Joshua Roberts ) Mehr...