«Das ist ein Angriff auf DRS 3»
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Kann man gute Laune haben, wenn man um 3 Uhr morgens zu arbeiten beginnt? Mani Neubacher und Patrick Hässig wirken nicht wie Morgenmuffel, als sie den TA-Reporter gestern kurz vor 4 Uhr empfangen. «Auch schon wach?», frotzeln sie. Und fragen dann fast mitfühlend: «Kaffee gefällig?» Seit einer Stunde ackern sich der Frühredaktor und der «Morgenshow»-Moderator durch einen Stapel druckfrischer Zeitungen, sichten im Internet Online-Portale und die Mitteilungen, die ihnen die Kolleginnen und Kollegen von der letzten Nachtschicht hinterlassen haben.
Mit lockeren Sprüchen bringen sie sich in Form für die ersten Sendungen des Tages. Aber viel Zeit bleibt dafür nicht. Um 4.20 Uhr beginnt die erste Redaktionssitzung, zu der die «Morgenshow»-Produzentin und ein zweiter Nachrichtenredaktor hinzustossen. Vor allem der Frühdienstler muss bis dann einen Überblick über die möglichen Themen im Kopf haben, wissen, welche Originaltöne dazu schon vorhanden sind und was seine Kollegen noch recherchieren und schreiben müssen.Die neuen Vorschriften für Banken sind dafür ein nahezu ideales Thema: Der Ständerat hatte bis kurz vor Mitternacht darüber gestritten.
Befehlsausgabe um 5 Uhr
Wer die Debatte nicht bis in alle Nacht mitverfolgt hat, den versorgt Radio 24 mit brandaktuellem Originalton aus dem «Stöckli». Facebook hat in den USA schon Millionen von Mitgliedern verloren, ist das die Trendwende? Ganz klar ein Thema für die jungen Hörer. Dazu: Es ist Vollmond und Mondfinsternis. Sind solche Tage besonders unfallträchtig? Sind es «Bad-Hair-Days», Tage, an denen die Frisur einfach nicht sitzt?Die stehend tagende Runde um 4.20 Uhr diskutiert alles konzentriert, egal ob harte News oder Boulevard.
Alle fassen ihre Aufgaben, ab 5 Uhr muss der Programmteppich rollen, Nachrichten, Musik und Moderationen müssen einander fugenlos folgen. Der frühe Morgen bis um 8 Uhr ist die wichtigste Zeit für den Sender: Zwischen 7 und 8 Uhr hat Radio 24 laut Hörerforschung von Radiocontrol in der Deutschschweiz fast 85 000 Hörer. Das ist der höchste Wert während des ganzen Tages. «The morning makes the day», sagt Radio-24-Chefin Karin Müller: Wer den Sender in der Frühe einschaltet, bleibt den Tag über dabei. Sender, die schwach starten, holen den Rückstand kaum mehr auf.
Neue Beiträge statt Konserven
Darum will Müller gezielt die News am Morgen stärken. Dass Mani Neubacher jetzt schon um 3 Uhr mit der Planung beginnt, gehört zur Neuorganisation der Morgensendungen, die Radio 24 noch mehr Hörer bringen soll. Der zusätzliche Redaktor zu nachtschlafender Zeit macht es möglich, neue Beiträge zu produzieren, statt Konserven vom Vorabend abzuspulen. «Das ist ein Angriff auf DRS 3», sagt Karin Müller. Der staatliche Konkurrenzsender hat im Radio-24-Konzessionsgebiet (von Zürich bis Glarus) bei den Hörerzahlen von Montag bis Freitag zwischen 7 und 8 Uhr die Nase um mehr als 28 000 Personen vorne (laut Radiocontrol, 2. Halbjahr 2010). Diesen Abstand will Müller verkleinern.
Ob es das Ziel ist, Radio 24 für den anstehenden Verkauf fit zu machen? Die Mediengruppe Tamedia (zu der auch der «Tages-Anzeiger» gehört), hat bekannt gegeben, den Sender verkaufen zu wollen. Müller will dazu nichts sagen, ausser dass die Stärkung des Frühprogramms schon seit einem Jahr geplant ist. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 15.06.2011, 21:59 Uhr



