Das ominöse Protokoll der «Veloblitz Stories»
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Ein paar Monate ist es her, da rief die Geschäftsleitung des Veloblitz den harten Kern der Kuriere zu einer Sitzung zusammen – mit dem Ziel, die skurrilsten Erlebnisse der Fahrer zusammenzutragen. An diesem Abend floss reichlich Alkohol und es entstand ein Protokoll, das eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Zum 20-jährigen Jubiläum des Veloblitz darf Tagesanzeiger.ch heute sieben Geschichten aus dem ominösen Protokoll der «Veloblitz Stories» ausplaudern.
Die unbeliebteste Kundin
Sie war sehr alt, sehr betucht und sehr alleine – und sie bestellte den Veloblitz fast täglich. Wenn es ihr in der Wohnung zu stickig wurde, bestellte sie sich gerne einen Kurier, der das Fenster öffnete. Wurde es ein paar Minuten später zu kalt, bestellte sie den nächsten. Und wenn sie ihre Fernbedienung nicht mehr fand, schickte der Veloblitz einen Kurier. Normalerweise lag die Fernbedienung im Bett. Die Frau ist inzwischen gestorben – und seither vermisst man sie beim Veloblitz.
Die delikateste Lieferung: Eine Urne, gefüllt
Tatsächlich hatte der Veloblitz auch ein Krematorium auf der Kundenliste. Dieses bestellte nach getaner Arbeit einen Kurier und liess die gefüllte Urne zum Bestattungsamt bringen. Dem Vernehmen nach ist es dabei nie zu einem Zwischenfall gekommen.
Die grösste Lieferung: Ein Auto
Normalerweise transportieren Kuriere nur das, was in die Kuriertasche passt – notfalls montiert der Fahrer auch einen Anhänger. Einmal sollte ein Kurier allerdings ein Auto transportieren. Er packte also sein Velo in den Kofferraum und fuhr – mit Veloschuhen – im Auto zum Kunden zurück. Allerdings war das Auto klein, und der Verlad liess sich offenbar nicht ganz ohne Schäden an der Karosserie bewerkstelligen.
Die lebendigste Lieferung: Ein schwitzender Velokurier
Der Veloblitz verschickt Lieferungen nicht nur innerhalb Zürichs, sondern auch von Stadt zu Stadt. Der Kurier legt die Sendung in Zürich in einen SBB-Gepäckwagen, sein Kollege in Bern nimmt ihn wieder raus. Irgendwann nahm der Kollege aber nicht nur die Sendung in Empfang, sondern auch den Kurier. Dieser war so knapp dran, dass er es nicht mehr rechtzeitig aus dem Zug geschafft hatte.
Die grausigste Lieferung: 40 Schweineaugen
Leser mit einem empfindlichen Magen möchten diesen Absatz vielleicht überspringen. Der Kurier selbst jedenfalls hatte an diesem Morgen schwer zu beissen, als ihn plötzlich 40 Schweineaugen anstarrten. Im Schlachthof Zürich drückte man ihm die Lieferung in einem durchsichtigen Plastiksack in die Hand. Das Unispital Bern brauchte die Schweineaugen offenbar für Ausbildungszwecke.
Die gescheiterten Aufträge: Die richtige Adresse im falschen Dorf
Es gab nicht nur absonderliche Aufträge, sondern auch gescheiterte. Irgendwann begann der Veloblitz, mit einem Elektromobil auch ländliche Gebiete zu erobern. Was die Kuriere damals lernen mussten: In der Stadt ist jede Adresse einmalig, auf dem Land gibt es Dorfstrassen und Zürcherstrassen ohne Ende. So klingelte einer der Elektro-Kuriere zwar an der richtigen Adresse, aber im falschen Dorf. Und im Nachbardorf stand der Kunde vor der Tür und tobte.
Der vorsichtigste Kurier und seine Selbstgespräche
Des Kuriers wichtigstes Werkzeug neben dem Velo ist das Funkgerät. Doch dieses hat seine Tücken, etwa das Problem mit dem «Sprechen-Knopf». Dieser blieb manchmal hängen – so konnte die gesamte Belegschaft Selbstgespräche der Kuriere mitverfolgen. «Achtung, da chunt es Trämmli», pflegte ein junger Kurier vom Land jeweils zu sagen. Oder: «Uufpasse, det wird’s schaurig äng.» Seine Anweisungen wirkten: Er ist während seiner Zeit beim Veloblitz nie verunfallt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)
Erstellt: 05.11.2009, 16:37 Uhr
Zürich
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