Zürich

Den Stars ausgeliefert

Von Edgar Schuler. Aktualisiert am 05.12.2012 10 Kommentare

Weil der prominente Tenor Jonas Kaufmann zwei Galaabende absagte, ist das Opernhaus finanziell in einen Engpass geraten.

Hatte Probleme mit den Stimmbändern: Tenor Jonas Kaufmann. (Bild: Keystone )

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Die Enttäuschung bei den Fans – nicht nur bei den weiblichen! – war riesig. Der Tenor Jonas Kaufmann musste letzte Saison zwei Galaabende am Opernhaus absagen. Der 42-jährige Weltstar hatte Probleme mit den Stimmbändern. Alexander Pereira, damals noch Intendant, besorgte zwar im Handumdrehen Ersatz. Aber die Aficionados waren nicht zu trösten. Sie gaben ihre Karten zurück.

Jetzt ist bekannt, dass die Absage das Opernhaus nicht nur emotional, sondern auch finanziell empfindlich getroffen hat. An der Präsentation der Jahresrechnung und der Bilanz der letzten Saison sagte Verwaltungsdirektor Otto Grosskopf, dass die Einnahmeausfälle allein aus diesen beiden abgesagten Galas 300'000 Franken betrügen. Und dies bei einer nur gerade knapp ausgeglichenen Rechnung: Pereira hat seine letzte Saison mit einem hauchdünnen Pölsterchen von 51'000 Franken Gewinn abgeschlossen (bei einem Umsatz von 134 Millionen Franken). Hätte der Opernhausdirektor nicht im Handumdrehen andere Publikumslieblinge auf die Bühne gezaubert, wäre es zum Totalausfall gekommen: ein Loch von 800'000 Franken in der Opernkasse. «Daran erkennt man, wie sehr wir von Stars abhängig sind», sagte Grosskopf.

Immerhin, Verwaltungsratspräsident Josef Estermann ist mit der «Punktlandung» in Pereiras letzter Jahresrechnung zufrieden, sogar sehr zufrieden. «Es war das wagemutigste Programm der Ära Pereira», sagte Estermann. Er hob speziell Paul Hindemiths «Mathis der Maler» hervor. Die Oper war zwar künstlerisch gelungen. Aber mit nur 50 bis 55 Prozent Auslastung war sie betriebswirtschaftlich ein Reinfall. Auch Hans Pfitzners «Palestrina» wurde zwar von der Kritik hochgelobt, war aber – wie erwartet – alles andere als ein Publikumsrenner. Zudem hatte Pereira die Zahl der Aufführungen leicht zurückgefahren. Das alles führte dazu, dass die Eigenwirtschaftlichkeit von 41,8 auf 40,5 Prozent sank. Das heisst: Von 100 Franken, die die Oper ausgibt, nimmt sie nur 40.50 Franken über den Kartenverkauf, Sponsoren und kleinere andere Einnahmequellen wieder ein. Den grossen Rest bezahlt die öffentliche Hand, nämlich knapp 80 Millionen Franken.

Estermann sieht nun aber optimistisch in die Zukunft. Durch eine Aktienkapitalerhöhung hat das Opernhaus 400 neue Aktionäre erhalten. Statt der erwarteten 4 Millionen kamen dadurch fast 5 Millionen Franken in die Kasse. Das Geld wird in Probebühnen investiert. Trotz Intendantenwechsel hat die Zahl der Opernabonnenten um 300 auf 9400 zugenommen.

Neuer Präsident steht fest

Nach der Ablösung Pereiras durch Andreas Homoki als künstlerischer Leiter hat sich Estermann jetzt seine eigene Nachfolge vorgenommen. Gestern wollte er aber noch keinen Fahrplan für diesen Wechsel bekannt geben. Die Suche scheint aber schon abgeschlossen zu sein. Der Name seines Nachfolgers stehe fest, sagte Estermann.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.12.2012, 11:13 Uhr

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10 Kommentare

Vinxi Joy

05.12.2012, 11:47 Uhr
Melden 30 Empfehlung 14

80 Mega von der Allgemeinheit für einen Service-Public, und nur die Reichen können ihn geniessen, die Tickets sind unbezahlbar! Dazu ist das Haus nicht mal fähig einen fehlenden Umsatz von 2.2 Promille des Totals zu verkraften, nein, schon damit kippt das Kartenhüsli zusammen. Kultur ist absolut wichtig, Kulturexperte sind aber Abzocker und so gut wie wertlos. Wenn hier kein Reform nötig ist... Antworten


Peter Frischknecht

05.12.2012, 11:39 Uhr
Melden 25 Empfehlung 11

Anfänger, die solche Verträge mit Stars eingehen. Wären mit entsprechenden Versicherungen und korrekten Verträgen nicht so rausgekommen. Antworten



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