Denkmalpflege kämpft gegen das Vergessen

Zum 50 Jahrestag der Zürcher Denkmalpflege erinnert eine Website an verschwundene Baudenkmäler.

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Nicht immer sind die Bemühungen der kantonalen Denkmalpflege von Erfolg gekrönt. So sind viele architektonische Zeugen im Kanton Zürich in den letzen 50 Jahren verloren gegangen. Auf einer Website werden diese Baudenkmäler in Erinnerung gerufen.

Jede Woche gibt es auf www.jubilaeum08.zh.ch ein neues verschwundenes Baudenkmal wieder zu entdecken. Im Moment ist das NOK-Unterwerk Töss II aufgeschaltet. Es wurde 1989 abgebrochen, weil der Stromversorger das Grundstück neu nutzen wollte. Die Industriebrache bei der Autobahnausfahrt Winterthur-Töss ist seither ungenutzt.

Bilder und Erklärungen auf der Website

Das Mitte der 1920er-Jahre erbaute Unterwerk galt als eine der eindrücklichsten technischen Industrieanlagen seiner Zeit. Das äussere Erscheinungsbild, geprägt von der Wellblechverkleidung der Eisenkonstruktion und den umlaufenden Fensterbändern, sei von «unverwechselbarer Originalität» gewesen, heisst in der Erklärung auf der Website, der jeweils auch ein Bild beigefügt ist.

Die in Etappen zwischen 1925 und 1960 erbauten Stahlskelett- Hallen seien zudem ein «Monument des modernen Bauens von gesamtschweizerischer Bedeutung» gewesen. Die Unterschutzstellung, die ein Gutachten der Denkmalpflege empfohlen hatte, wurde von der NOK als «materielle Enteignung» bewertet und abgelehnt.

Trauma Villa Seeburg

Als Mahnmal solcher Verluste gelte heute immer noch die Villa Seeburg, heisst in einer Mitteilung der Zürcher Baudirektion vom Donnerstag. Noch bevor das Gebäude an der Zollikerstrasse in Zürich unter Schutz gestellt werden konnte, wurde es im Jahr 1970 im Auftrag der Eigentümerin kurzerhand abgerissen.

Diesen Abbruch bezeichnet die Denkmalpflege als «Trauma der Zürcherischen Kulturgeschichte». Immerhin hätte er zu griffigeren gesetzlichen Grundlagen im damals neuen Planungs- und Baugesetz und zu einem Ausbau der denkmalpflegerischen Tätigkeit geführt.

Fleischhalle an der Limmat

Aber auch im Herzen der Stadt Zürich gibt es prominente Baudenkmäler, die verloren gingen. So zum Beispiel die städtische Fleischhalle, die zwischen 1864 und 1866 von Stadtbaumeister Ludwig Hanhart erstellte Fleischhalle an der Limmat.

Das im Volksmund «Kalbshaxenmoschee» genannte Gebäude wurde trotz seines baulich intakten Zustands 1962 ersatzlos abgebrochen. Grund war eine 1960 im Zürcher Gemeinderat angenommene Motion vom Landesring der Unabhängigen (LdU). Der Schweizer Heimatschutz engagierte sich vergeblich für die Erhaltung.

Hintergrund der Website ist das 50-Jahr-Jubiläum der Archäologie und Denkmalpflege Kanton Zürich. Die Website ist denn auch seit Januar aufgeschaltet. Die ausgewählten Objekte sollen laut Mitteilung der Baudirektion nicht anklagen. Vielmehr sollen sie zu einer Diskussion über den Wert historischer Bausubstanz anregen. (fsc/sda)

Erstellt: 07.08.2008, 14:08 Uhr

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