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«Der A380 ist für die Menschen ein Trostpflaster»

Interview: Claudia Imfeld. Aktualisiert am 22.01.2010 18 Kommentare

22'000 Menschen sind am Mittwochmorgen zum Flughafen Kloten gepilgert, um den A380 zu sehen. Sie suchten die Sensation und die Masse, sagt Psychologieprofessorin Ulrike Zöllner.

«Der Stau ist ein Zusatzerlebnis»: Ulrike Zöllner, Professorin für Angewandte Psychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. (Bild: PD)

«Der Stau ist ein Zusatzerlebnis»: Ulrike Zöllner, Professorin für Angewandte Psychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. (Bild: PD)

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Frau Zöllner, was motiviert die Menschen, in Scharen ein Flugzeug zu bestaunen?
Sie wollen aus ihrem banalen Lebensalltag aussteigen und sich neue Reize verschaffen. Der A380 ist eine Sensation – und davon kann und will man sich etwas abschneiden und auch etwas zu erzählen haben, das exklusiv ist. Ausserdem ist das Flugzeug ein Symbol und Trostpflaster.

Inwiefern Trostpflaster?
Die beeindruckende technische Leistung ist tröstend in einer Zeit, die von Verunsicherung geprägt ist. Sieht man so etwas, denkt man sich: «Um die Menschheit kann es nicht so schlecht bestellt sein, wenn sie so etwas zustande bringt». In ihrem Wert und in ihrer Anerkennung verunsicherte Menschen fühlen sich dann auch persönlich «gehoben».

Warum an den Flughafen fahren, wenn der Flieger übers Fernsehen in die Stube kommt?
Das ist nicht das gleiche. Menschen fühlen sich in der Masse aufgehoben. Man merkt: Die anderen funktionieren wie ich. Das unmittelbare Erleben und Teilen des Erlebnisses ist ein wichtiges Element. Es kompensiert das Alleinsein und die Einsamkeit in einer doch anonymen Gesellschaft.

Will heute nicht jeder möglichst individuell sein?
Das ist richtig. Wir sind in ständigem Zwiespalt: Einerseits partizipieren wir gerne in Massen, weil wir anschlussfähig sein wollen. Andererseits regen wir uns über genau diese Massen auf. Ein schönes Beispiel stammt aus dem Tourismus: Meist gehen die Menschen an Orte, die allen bekannt sind. Denn die Erzählung vom Urlaub in irgendeinem kleinen Bergdorf, das keiner kennt, interessiert niemanden. Ist man dann in der Feriendestination, die allen ein Begriff ist, ärgert man sich über die vielen anderen. Um sich als Individuum fühlen zu können, benötigt der Mensch eben die Masse, um sich abzuheben.

Rund um den Flughafen kam es am Mittwoch zu einem Verkehrschaos. Bereut man da den Entscheid, sich der Masse angeschlossen zu haben?
Einerseits freut es einen, dass man mit der Einschätzung, dass da Grosses passiert, richtig lag. Andererseits kränkt es einen, weil man realisiert, dass die eigene Wahrnehmung nichts Besonderes sondern mit jener der Masse identisch ist. Aber das Gefühl, den richtigen Riecher gehabt zu haben, wird einen bei nächster Gelegenheit wieder ausrücken lassen.

Ärgern einen die Autokolonnen und der Stau nicht?
Nein, im Gegenteil. Das ist ein Zusatzerlebnis. Wenn die Menschen auf der Strasse im Stau mit dem im vorderen Wagen Kaffee trinken, fühlen sie sich wohl und geniessen das Gemeinschaftserlebnis. Bei der Eröffnung der Westumfahrung war das auch so.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.01.2010, 11:26 Uhr

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18 Kommentare

Gerhard Engler

22.01.2010, 11:43 Uhr
Melden

@P.Hohler: Natürlich ist das ein technisches Meisterwerk. Aber warum fahren die Leute dorthin, nur um das einige Sekunden lang mit eigenen Augen anschauen zu können? Wenn man etwas über die Technik des A380 wissen möchte, dann würde man die Zeit besser in das Lesen von Fachbüchern investieren. Mir leuchtet die Erklärung von Frau Zöllner durchaus ein. Antworten


Jo Berger

22.01.2010, 11:26 Uhr
Melden

Wie banal muss das Innenleben der Professorin für Angewandte Psychologie doch sein, um zu solch einer dummen Analyse zu gelangen. Bedauernwert. Antworten



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