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«Der Abbau soll für die Leser nicht spürbar sein»

Von Edgar Schuler. Aktualisiert am 16.04.2010 6 Kommentare

Tamedia-Verleger Pietro Supino erklärt, warum er die Meinungsvielfalt in Zürich durch die Übernahme der Landzeitungen nicht gefährdet sieht. Und wo er Sparpotenzial ortet.

Pietro Supino: «Um Kosten zu senken, werden wir um einen Stellenabbau vermutlich nicht herumkommen.»

Pietro Supino: «Um Kosten zu senken, werden wir um einen Stellenabbau vermutlich nicht herumkommen.»
Bild: Keystone

Herr Supino, was bedeutet die Übernahme der Landzeitungen durch Tamedia (TAMN 101.3 -1.55%) für die Zeitungsleser im Kanton Zürich?
Ich glaube, das ist eine sehr gute Nachricht für die Leserinnen und Leser. Indem wir unsere Erfahrungen und Kenntnisse unter einem Dach bündeln, schaffen wir gute Voraussetzungen, um die Traditionszeitungen in ihrer Eigenart zu erhalten und für die Zukunft weiterentwickeln zu können.

Das tönt schönfärberisch.
Sämtliche grossen Zeitungen im Kanton Zürich stehen wirtschaftlich nicht gut da. Das hängt damit zusammen, dass alle bei den Lesern in ihren Verbreitungsgebieten relativ kleine Reichweiten haben. Ihre wirtschaftliche Basis ist darum ungenügend. Die Existenz dieser Zeitungen ist gefährdet, wenn sich ihre wirtschaftliche Basis nicht verbessert. Indem die Zeitungen zu uns unter ein Dach kommen, verbessern wir ihre wirtschaftlichen Aussichten...

...um den Preis der Presse- und Meinungsvielfalt in Zürich.
Nein. Es ist unser erklärtes Ziel, im Kanton Zürich publizistisch unabhängige Stimmen zu erhalten und damit zur Meinungsvielfalt beizutragen.

Aber es ist klar: «Tages-Anzeiger» und Landzeitungen kommen unter das Dach von Tamedia. Sie als Verleger beherrschen jetzt allein den Zürcher Zeitungsmarkt.
Das stimmt so nicht. Die NZZ-Gruppe gibt es weiterhin. Und die Landzeitungen sollen ein Verbund von unabhängigen Verlegern sein. Dazu kommt eine Vielzahl von anderen Medien, die auf dem Leser- und dem Werbemarkt in Konkurrenz zu Tamedia stehen.

Wie können Sie von unabhängigen Verlegern sprechen, wenn doch Theodor Gut als Verleger der «Zürichsee-Zeitung» künftig auf der Lohnliste von Tamedia figuriert?
Neben der «Zürichsee-Zeitung» und dem «Zürcher Unterländer», die zu 100 Prozent zu Tamedia gehören, könnten auch der «Landbote», der «Zürcher Oberländer» und die «Schaffhauser Nachrichten» zu dem Verbund unabhängiger Zeitungen stossen.

Warum sollen wir Ihnen glauben, dass die publizistische Unabhängigkeit der Titel gewahrt bleibt?
Wir haben in Bern mit der «Berner Zeitung» und dem «Bund» schon gezeigt, dass wir in einem geografischen Raum unabhängige publizistische Stimmen unter einem Dach erhalten können.

Der als links geltende «Tages-Anzeiger» und die bürgerlich ausgerichteten Landzeitungen passen doch nicht zueinander.
Ich sehe da kein Problem, im Gegenteil: Ich freue mich über die noch grössere Meinungsvielfalt innerhalb unseres Unternehmens. Vielfalt ist eine unserer Stärken.

Bedeutet der Kauf der Landzeitungen, dass die Regionalisierungsstrategie des «Tages-Anzeigers» mit den fünf Regionalausgaben gescheitert ist?
Die Regionalisierung ist eine wichtige Entwicklung für den «Tages-Anzeiger». Darauf bin ich stolz. Die Zeitung hat für ihre Leserinnen und Leser deutlich an Attraktivität gewonnen. Denn neben dem Mantelteil mit der Berichterstattung über die grossen Fragen auf der Welt, in der Schweiz, im Kanton Zürich, aber auch über Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Gesellschaft und Sport bereitet der «Tages-Anzeiger» auch all das auf, was die Leser in ihrem unmittelbaren Umfeld interessiert.

Hat der «Tages-Anzeiger» durch die Regionalisierung also Leser gewonnen?
Nein. Es ist wahr: Die Leserzahlen haben sich seit dem Start der Regionalisierung vor vier Jahren nicht positiv entwickelt. Das gilt allerdings auch für fast alle anderen Zeitungen in der Schweiz und auf der Welt. Und wir wissen nicht, wie sich die Leserschaft entwickelt hätte, wenn wir die Regionalisierung nicht gestartet hätten. Wir halten auf alle Fälle an der Regionalisierung des «Tages-Anzeigers» fest.

Im selben Umfang wie bisher?
Für die Leserinnen und Leser des «Tages-Anzeigers» soll sich durch die Übernahme der Landzeitungen nichts Wesentliches ändern.

Aber es macht doch keinen Sinn, wenn Sie sich die Landzeitungen unter den Nagel reissen und an der Regionalberichterstattung des «Tages-Anzeigers» festhalten. Beides konkurrenziert sich.
Die meisten Medien innerhalb von Tamedia stehen nur schon darum miteinander in Konkurrenz, weil sie um die Zeit der Medienkonsumenten buhlen. Auch «20 Minuten» und TeleZüri sind in dem Sinn eine Konkurrenz zum «Tages-Anzeiger». Sinn macht die Zusammenarbeit unter einem Dach, weil hinter all diesen Traditionstiteln eine Wertschöpfungskette steht. Diese reicht vom Einkauf des Papiers über den Druck bis hin zum Verlag und zur Redaktion. Wir werden herausfinden, wo wir die Wertschöpfungskette effizienter und kostengünstiger machen können.

Das bedeutet einen Stellenabbau. Wie hoch fällt dieser aus, und wer wird betroffen sein?
Wir wollen die Kostenbasis der Traditionstitel verbessern und werden darum um einen Stellenabbau vermutlich nicht herumkommen. Ich denke, dass der Abbau vor allem dort erfolgen soll, wo er für Leser und Inserenten am wenigsten spürbar ist. Wo genau das sein wird, kann man heute nicht sagen. Wir haben uns sechs Monate Zeit gegeben, und das soll ein fairer Prozess für alle beteiligten Partner sein. Es ist mir aber wichtig, darauf hinzuweisen, dass Tamedia bisher in neuen Medienfeldern immer mehr Arbeitsplätze geschaffen hat, als sie in alten abgebaut hat.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.04.2010, 23:48 Uhr

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6 Kommentare

Adriano Granello

16.04.2010, 07:37 Uhr
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Längst ist es nicht mehr Ziel einer Zeitung, "linke" oder "rechte" Politik durch entsprechend gefärbte Berichterstattung und Kommentierung zu betreiben, vielmehr soll das Interesse einer breiten Leserschaft durch boulevardartig aufgemachte und geführte Themen auf bestimmte Medienprodukte gelenkt werden. Das Geschäft läuft einzig und allein noch über die Inserate, je mehr Leser umso attraktiver! Antworten


anna müller

16.04.2010, 09:54 Uhr
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"Der als links geltende Tagesanzeiger...." : Hat der Journalist die letzten Jahre geschlafen? Der Tagesanzeiger fährt eine dezidiert nicht-linke Linie, auch um der vermeintlich SVP-nahen Wählerschaft zu genügend und der Auflage. Die aufmerksame Leserin hat schon lange kein als links geltendes Blatt mehr in Zürich in der Hand gehalten! Antworten



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