Der Antifeminist sieht sich als moderner Mensch
Von Liliane Minor. Aktualisiert am 27.06.2011 36 Kommentare
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Eines stellt Alfredo Stüssi beim Treffen mit der Journalistin in einem Café gleich von Anfang an klar: «Ich bin kein Frauengegner.» Im Gegenteil, er versteht sich als Gentleman mit südländischem Flair. Selbstverständlich bezahlt er ihren Kaffee, und ebenso selbstverständlich überlässt er ihr charmant die Wahl des Tisches. Dann strahlt er sie an und sagt: «Wissen Sie, ich liebe Frauen.»
Bodyguard im B-Movie
Er ist eine schillernde Figur, dieser Alfredo Stüssi, Gründer der Männerpartei und Nationalratskandidat für die Interessengemeinschaft Antifeminismus (IGAF). Breitschultrig, in Anzug und Krawatte gekleidet, die schwarzen Haare straff zu einem Rossschwanz gebunden, könnte der 44-Jährige ohne Weiteres als Bodyguard in einem B-Movie durchgehen. Der gelernte Kaufmann hat in seinem Berufsleben schon als Zeitungsverträger und als Tänzer gearbeitet; jahrelang war er in der Reisebranche tätig und lebte in Ländern wie Brasilien, Russland und der Türkei. Heute ist er selbstständig, handelt mit Internetlizenzen und Kosmetika. Und er sagt Sätze wie: «Muslimischen Frauen geht es gar nicht so schlecht. In der Türkei haben die Frauen die Hosen an.» Oder: «Politiker sollten vor ihrer Karriere mehr reisen. Das öffnet den Horizont.»
Was bewegt diesen Mann dazu, eine Männerpartei zu gründen und sich der IGAF anzuschliessen? Eigene Betroffenheit? «Ja und nein», sagt Stüssi. Politisiert habe ihn das Schicksal eines Freundes, der auf Druck seiner Ex-Frau sein Kind zur Adoption freigab. Aber auch seine eigene Biografie war prägend. Aufgewachsen ist Stüssi im Glarnerland – ohne Vater. Und er hat eine elfjährige Tochter in Deutschland, die er so gut wie nie sieht. «Ein klassischer Fall von Entfremdung durch die Mutter», sagt er. Anderseits ist Stüssi heute glücklich verheiratet, hat einen fünfjährigen Sohn, dessen Betreuung er mit seiner Frau teilt.
Mehr Teilzeitarbeit für Männer
Sein Familienmodell ist für Stüssi der Beweis, dass er und seine Mitstreiter nicht die Ewiggestrigen sind, zu denen die Gegnerinnen die IGAF gerne stempeln. «Wir sind moderne Männer, nicht Machos. Männer, die kochen und wickeln können und auch mal einen Knopf ‹aabüeze›.» Die Frauen, ist er überzeugt, seien die, die am meisten von den Antifeministen profitierten. In der Tat klingen einige Ideen, die Stüssi in Bern einbringen will, fortschrittlich: Er verlangt Vaterschaftsurlaub und mehr Teilzeitarbeit für Männer. Bei Trennungen soll das gemeinsame Sorgerecht üblich sein. «Wir müssen wegkommen von der Geschlechterpolitik.»
Gegen Alimente für Kinder
Was Stüssi vorschwebt, hat freilich auch eine Kehrseite, und die dürfte für viele Frauen schwer verdaulich sein. Frauen sollen nicht nur Militärdienst oder Wehrpflichtersatz leisten und gleich lang arbeiten müssen wie Männer. Jegliche Art von Frauenförderung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft findet Stüssi überholt. Vor allem aber will er Scheidungsrecht und Gewaltschutzgesetz radikal umkrempeln. Alimente für Kinder will er ebenso abschaffen wie Unterhaltszahlungen an Ehepartner. Die Frauenhäuser, die seiner Meinung nach allein darauf ausgerichtet sind, Beziehungen zu beenden, will er durch Zufluchtshäuser für beide Geschlechter ersetzen – und deren Adressen sollen nicht geheim sein. Die verlassenen Partner sollen dort Einlass haben, damit sie ihre Kinder sehen können.
Dass er damit ebenso aneckt wie mit dem Begriff Antifeminismus, ist ihm bewusst. Die Provokation ist durchaus gewollt, man schreibe fürs Fussvolk, sagt Stüssi, nicht für die Elite. Ob es für eine Wahl reicht, sei schwer zu sagen. Aber schlecht seien seine Chancen nicht: «Immerhin ist etwa die Hälfte der Bevölkerung geschieden. All diese Leute sprechen wir an.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.06.2011, 22:47 Uhr
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36 Kommentare
Es könnte durchaus sein, dass Frauen dort anecken, wo sie was zu verlieren oder herzugeben haben. Gleichberechtigung bedeutet, Rechte und Pflichten gleicher massen zu teilen. Dazu gehört auch die Anerkennung, dass sich die heutigen Männer emanzipiert haben. Es ist an der Zeit, die Gesetze anzupassen und in der Wirtschaft sowie Sozialversicherungen einen Ausgleich zu schaffen. Antworten
Da ich Herrn Stüssi persönlich kenne, weiß ich, dass er etwas bewegen kann. Ab in den Nationalrat mit ihm! Und am besten gleich noch ein Dutzend mehr von seiner Sorte dazu! Was Unterhalt und Alimente betrifft: Jeder soll sein ganzes Leben lang voll für sich selbst verantwortlich bleiben. Wenn ein Paar etwas anderes vereinbart, so soll dies Privatsache sein, worauf das Gesetz keine Rücksicht nimmt. Antworten
Ich hätte mal eine Frage. Wie viele Männer bekommen bei einer Scheidung das Sorgerecht und die Frau (ex) muss für den Unterhalt ihres Kindes und ihres Mannes (ex) aufkommen? Wenn ein Mann die berufliche Karriere in den Hintergrund stellen sollte ist es für ihn auch dann fast nicht möglich das Sorgerecht zu bekommen. Kann mir das einmal irgendjemand erklären. Antworten
Laut Tagesanzeiger vom 4. November 2005 lässt sich die Frage zumindest teilweise beantworten. Zitat: "Im Jahr 2004 wurden 65,5 Prozent der von der Scheidung der Eltern betroffenen Kinder der Mutter zugeteilt und lediglich 5,5 Prozent dem Vater. Erfreulich ist, dass in den anderen 29 Prozent der Fälle die Eltern das gemeinsame Sorgerecht übernahmen."
Marcel Zürcher:wir Frauen würden uns freuen,wenn die Männer auch Elternzeit nehmen würden.Firmen lassen dies nicht zu,weil dann die Lohndiskriminierung der Frau durchsichtig wird.Der Staat müsste Millarden mehr zahlen, d.h. mind. 20%,genau das, was die Männer grundlos für gleiche Arbeit mehr an Lohn erhalten.Die Männer und diskriminiert? Wo denn?Wir Frauen warten seit 20 Jahren auf gerechten Lohn Antworten
Die Annahme, dass eine Lohnungleichheit bestehen könnte lässt sich heute doch nor noch mit Futterneid erklären. Die Eckdaten sind doch ziemlich klar. Alter, Zeitdauer der Anstellung, Qualifikation, Endleistung.
Das ist Wettbewerb, nicht Lohnungleichheit wegen Geschlecht. Und im hintenrum jemanden schlechtreden sind Männer wie Frauen bestens ausgerüstet. Da liegt der Hase im Pfeffer.
@Elivra: Ich denke Du lebst in einer Traumwelt. Lies mal vev.ch, kinderohnerechte.ch, schickenstei.ch, dann gehen Dir ev. die Augen auf wie wir Väter diskriminiert werden. Das mit den 20% ist ein Märchen wo euch Frauen eingetrichtert wurde und keiner von euch kann es beweisen! U.a. meine Tochter verdient genau so viel wie ihr Kollege!
Finde ich gut, seine Vorschläge. Teilzeit etc. Ja, Männer sollen das auch machen, aber auch nur so viel verdienen wie die Frauen. Was bläst sich dieser Möchtegern Gigoli auf? Verstehe sein Problem nicht. Wir Frauen verdienen immer noch mind. 20% weniger für gleiche Arbeit. unsere Demos werden überhaupt nciht wahrgenommen. Aber wenn so ein Antifeminist kommt, dann werden bald die Gesetzte geändert Antworten
Alter (in Lebenszeit) sollte auf das Gehalt gar keinen Einfluß haben,allenfalls die Praxiszeit.
- Gleich alt was die Erwerbstätigkeit angeht?
- Im selben Betrieb gelernt oder später angeworben?
- Gleiche Wochenarbeitszeit?
- Mutterschutzurlaub bei Ihnen?
- Gehalt über Traifvertrag festgelegt oder individuell verhandelt?
- Beide die gleiche Ausbildung gemacht?
Das alles wirkt sich aus.
Wenn diese Fr. 900.- die 20% sind, mit denen seit Jahren hausiert wird, heisst das, dass Sie Fr. 3'600.- verdienen. Und DAS bei einer Bank am Schalter! Wenig glaubwürdig
Doch-Ihr Männer wollt das einfach nicht zugeben. Ich arbeite auf einer Bank am Schalter.Mein Kollege ist 2 Jahre Jünger, macht identisch die gleiche Arbeit.Wobei ICH mehr Weiterbildungen habe als er- ER verdinet genau 900 Fr. mehr.Und nochmals!Die Arbeit ist IDENTISCH - NochFragen?
Nein, Frauen verdienen nicht 20% weniger für die gleiche Arbeit. Das ist ein Märchen und nun schon oft genug widerlegt worden.
"Dass Frauen nicht in die Armee müssen und weniger lang arbeiten, ist übrigens das Produkt einer Gesellschaft, die von Männern dominiert ist/war. "
Und zwar eben von konservativen Männer, die Frauen als Eigentum betrachten, weswegen sie behandelt, aber eben auch geschützt werden wie Eigentum - wobei Feministen ersteres, aber ungern letzteres, abschaffen.
Antifeminismus ist Antirosinenpickerei !
Antworten
Wurde z. B. das S.C.U.M. Manifesto (Society for Cutting Up Men) auch von Männern geschrieben, Frau Schwarz?
Herr Schwarz, jetzt mal halblang.Einige Vorschläge des Hr. Stüssi lohnen sich sehr wohl darüber nachzudenken Und da meine ich weder Militär/Alimente/Pensionsalter,sondern die Chance für Männer,so sie möchten, auch beruflich kürzer treten zu können und sich um den Nachwuchs zu kümmern. Ein Mann, der das heute tut,ist beruflich erledigt. So bleibt es bei 'Mann arbeitet, Frau erzieht'.Wollen Sie das?
@ Berner: Die Mär vom "Radikalfeminismus" ist nicht mehr als eine Verschwörungstheorie frustrierter Männer, und das Gespenst der organisierten Männerunterdrückung ist auf dem Mist genau dieser Männer gewachsen. Dass Frauen nicht in die Armee müssen und weniger lang arbeiten, ist übrigens das Produkt einer Gesellschaft, die von Männern dominiert ist/war. Also keine Klagen, bitte!
FÜR Gleichberechtigung der Geschlechter.
GEGEN Männerdiskriminierung.
Wer hat was dagegen ?
ich finde es beschämend, wenn man nicht sinnerfassend lesen kann, denn gegen frauen sein ist nicht das pateiprogramm, sondern einen gegenpol zum radikalfeminismus und zur männediskrimminierung der immer mehr einzug hält zu finden
Tja, liebe etablierte Parteien, genau DAS bekommt man, wenn man sich jahrelang um die Probleme herumdrückt. Wer die Probleme nicht zur Kenntnis nimmt, muss sich nicht wundern, wenn dann Populisten mit zweifelhaften Motiven einspringen. Antworten
Dass der Kongress der sog. Antifeministen Polizeischutz benötigt, zeigt: Toleranz endet oft, wo die wahren Meinungsverschiedenheit beginnen. Männerpolitiker haben in der postfeministischen Gesellschaft Anspruch auf ebenso viel Gehör wie die Frauenorganisationen. Dass es, wie einst bei Feministinnen, ohne Provokation nicht geht, ist klar. Jedoch wäre Männerfundamentalismus ein Zeichen von Schwäche. Antworten
Spannend, die Altfeministinnen sind am aussterben und machen einer neuen Genreration von Frauen mit einem Verständnis von Gleichwertigkeit Platz. Nun kommt wieder mal eine Proffillose Männergestalt mit dem einzigen Programm, gegen etwas zu sein, notabene gegen etwas aussterbendes. Das ist etwa, wie wenn ich eine Antidinosaurierpartei gründen würde. Îch wünsche ihm viel Spass dabei ;-) Antworten
Die Forderungen wären nicht so schlecht. Sehe auch, wie ungleich in manchen Dingen die Männer heute, behandelt werden. Allerding ist vieles ein Gesellschaftliches Problem, vor allem die vielen Scheîdungen. Aber solange es den meisten "nur" ums Geld geht, wird das Übel nicht behoben werden, welches meistens veranttwortlich für das spätere Leid ist, der Egoismus! Militär und Arbeitszeit ist ist ok. Antworten
Die Abschaffung von Alimenten sehe ich auch nicht; aber es gibt viel Schlimmeres, z.B. wenn die Kinder erwachsen sind noch monatliche Unterhaltsbeiträge im vierstelligen Bereich an die Ex-Frau. Das ist ein Riesenskandal und mindestens im Kanton St. Gallen gang und gäbe.
Ich finde auch, dass Vätern Rechte auch bei Trennung eingeräumt werden sollen. Aber generell die Abschaffung der Alimente zu fordern ist meiner Meinung nach nicht richtig. Der Mann kann schliesslich verhüten. Und wenn das Kind dann auf der Welt ist, kann man sich halt nicht mehr vor der Verantwortung drücken und die Mutter allein auf allen Kosten sitzenlassen. Das Kind kann schliesslich nix dafür.
ganz einfach wenn sich beide gleichberechtigt um das kind kümmern und gleich viel zeit investieren, wie soll es dann gerechtfertigt sein, dass die frau unterhalt bekommt und anrechnungszeiten für die pension, der mann aber nicht?
daher ist es gerechtfertigt keinen unterhalt zu bezahlen und die pensionsanspürüche aus de kindererziehung auf beide gleich aufzuteilen
Die grosse Ungerechtigkeit besteht doch darin,dass die werdende Mutter alleine darüber entscheidet, ob sie das Kind will.Anschliessend bleibt das Kind bei der Mutter, welche alle Rechte hat. Der Mann hat keine Rechte und keinen Anspruch auf das Kind sondern nur Pflichten!Ungerechter geht es ja gar nicht!..Wenn die Frau sich für ein Kind entscheidet soll sie auch die Verantwortung dafür übernehmen!
Schlicht und ergreifend: Frauen sollen dieselben Rechte und Pflichten haben wie Männer. Wehrpflichtersatz beziehungsweise eine Dienstpflicht, Pensionsalter, keine Alimente für ehemalige Eheparnter (wozu auch?!). So, "a d'Säck", ihr so genannten Volksvertreter! Los! In vielem hat Herr Stüssi nämlich recht. Antworten
Zurück ins Mittelalter. Scharia als Vorbild! Von wem wird der gesponsert! Die Hauptsache auffallen und wenn das Gesagte noch so blöd ist. Solche Politiker sollten nicht gewählt werden, sie bringen nur Unheil und strotzen vor Selbstverliebtheit und Egoismus. Antworten
Ok, und nun mal sachlich. Was genau ist den das "mittelalterliche und Sharia mässige in den Aussagen Stüssi's. Das Gemeinsame Sorgerecht? mehr Teilzeitstellen (auch) für Männer? Die oftmals einseitige Stigmatisierung der Männer bei einer Scheidung vor Gericht? Man mag anderer Ansicht sein, aber mit Mittelalter und Sahria hat das nichts zu tun. So blöd ist das Gesagte doch nicht, sage ich als Frau
Genau so läufts, sobald etwas nicht passt wird der gegenüber von jemandem "gesponsert". Frau will Empanzipation - ok - aber dann nicht alles was nicht in den Kram passt als "Mittelalter" deklarieren. Gleiches Recht = gleiche Pflicht.
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