Der Bildbeschleuniger

Jörg Niggli hat Hunderttausende Fotos geschossen und in wochenlanger Kleinarbeit zu Filmen zusammengesetzt. Gegenüber Tagesanzeiger.ch erklärt er, was ihn antreibt und warum er seine Profikamera zu Hause lässt.

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Das, was Jörg Niggli macht, hat keinen Namen. Filmen kann man es nicht nennen, weil er einzelne Fotos schiesst. Fotografie ist es nicht, weil Niggli aus den Bildern Filme macht. «Es ist wohl irgendetwas zwischendrin», sagt der 44-Jährige. Immerhin gibt es ein Wort für das, was bei Nigglis Streifzügen durch Zürich entsteht: Zeitraffer-Filme. Sie beschleunigen den Verlauf der ganz normalen Dinge, manchmal auf das Tempo eines Hochgeschwindigkeitszugs.

Für seine Filme macht sich Niggli auf die Suche nach den spannendsten Blickwinkeln in Zürich und stellt seine Kamera auf ein Stativ. Eine Zeitschaltuhr schiesst ein Bild pro Sekunde und eine Software setzt die Einzelbilder zu einer Filmsequenz zusammen. Zehn, zwanzig Minuten stand er für seinen neuesten Film auf der Kornhausbrücke und hörte dem Klicken seiner Kamera zu. Für eine einzige Einstellung. Aus über 20 Szenen besteht der Film, Niggli schätzt den Aufwand für den Film auf rund 50 Stunden.

Profimaterial wäre zu schwach für Niggli

Hunderttausende Bilder hat Niggli schon gemacht. Obwohl er Profikameras besitzt, verwendet er für seine Zeitraffer-Filme meist eine vergleichsweise günstige Kompaktkamera. Das hat einen einfachen Grund. Eine Spiegelreflex-Kamera verfügt über eine komplizierte Mechanik, die dieser Beanspruchung nicht standhalten würde. «Bei so vielen Bildern würde der Spiegel innert Kürze ausleiern», sagt der Fotograf.

Für seine Mühe erhält Niggli kein Geld, auch Anerkennung wird ihm nur in geringem Mass zuteil. Er veröffentlicht seine Filme auf einer eigenen Homepage und auf Vimeo, dem Pendant von Youtube für anspruchsvollere Filme. Dort wurde kein Film häufiger angeschaut als 2400-mal. Auch die Zahl von Kommentaren ist eine Währung, mit dem der Erfolg eines Films gemessen wird. So geadelt wurden seine sechs Filme der Serie «Zürich im Raffer» insgesamt 23-mal. «Das Publikum ist ziemlich verwöhnt. Vielleicht liegt es daran, dass Zürich für das internationale Publikum zu provinziell ist.»

Das Ende einer Serie

Warum also tut er das? Wozu der riesige Aufwand? «Als ich damit angefangen habe, faszinierte mich vor allem die Technik.» Diese hat er immer mehr verfeinert, sodass sich jeder Film vom letzten ein wenig abhebt. Und im Laufe der Zeit wurden es plötzlich immer mehr Einstellungen, die er ablichten wollte, immer mehr Bewegungen, die er beschleunigen wollte.

Sein neuester Zeitraffer-Film ist gleichzeitig sein letzter. «Ich muss mal andere Projekte fertigmachen, ich habe noch Material aus Venedig, Frankreich und aus den Alpen.» Unter einem anderen Titel werde er aber bestimmt wieder in Zürich Zeitraffer-Filme machen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.07.2011, 14:20 Uhr

Der geschärfte Blick für die Bewegung: Jörg Niggli. (Bild: Piero Niggli)

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