Der Bunker-Wanderführer
Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 20.02.2012 11 Kommentare
Der historische Hintergrund
«Nach dem deutschen Überfall auf Polen und der Generalmobilmachung stellte die Armeeführung unter General Guisan fest, dass für eine vollständige Absicherung der Landesgrenzen keine ausreichenden Ressourcen vorhanden waren. Deshalb wurde das Szenario ‹Fall Nord› ausgearbeitet und eine zusammenhängende, verkürzte Front gebildet. Das Schwergewicht der Verteidigung lag zwischen Zürichsee und Hauenstein.
Im Bereich der Stadt Zürich folgte der Frontverlauf ab Wollishofen dem Seeufer und danach der Limmat entlang bis Wipkingen. Für die Durchführung der Befestigungsmassnahmen und die Besetzung der Stellungen wurde ein Stadtkommando installiert.
Durch den Einfall der deutschen Wehrmacht in Frankreich und den Kriegseintritt Italiens als Achsenpartner Deutschlands war die Schweiz allseitig von feindlichen Mächten umgeben und das Szenario ‹Fall Nord› wurde hinfällig. In der Konsequenz beschloss Guisan, die Armee zur ‹Rundumverteidigung› (Réduit) in die Alpen zurückzuziehen. Die Einsatzdauer der Limmatstellung hatte somit nur wenige Monate gedauert.»
Erläuterungen: Stephan Steger, Historiker der Archäologie und Denkmalpflege des Kantons Zürich.
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Sie befinden sich in Wäldern oder mitten in Gemeinden, führen tief in die Erde hinein oder wurden dem Fels abgetrotzt. Rund 2000 historische militärische Anlagen sind in den Kantonen Zürich und Schaffhausen noch zu finden. Doch sie verwildern zusehends und geraten immer mehr in Vergessenheit.
Genau das wollen Matthias Dürst und Felix Köfer vom Armeelogistikcenter Hinwil verhindern. Den ehemaligen Mitarbeiter des Festungswachtkorps Köfer und den Waffenplatz-Feldpost-Unteroffizier Dürst verbindet die Passion für die Geschichte dieser Bunkeranlagen. In ihrer Freizeit haben sie über mehrere Jahre hinweg Fotografien, Dokumente und historische Daten zu den Verteidigungswerken zusammengetragen. In diesem Jahr soll nun ihr Wanderführer durch die Stadtzürcher Bollwerke veröffentlicht werden. «Es soll kein weiteres Buch über den 2. Weltkrieg sein. Es geht vielmehr darum, diese historischen Objekte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen», erklärt Dürst.
Vom Unterstand bis zum Felsenwerk
Beschrieben werden rund 150 Objekte, die bereits aus dem Verzeichnis der Armee entlassen wurden. Von den kleinsten Unterständen, den sogenannten Kugelbunkern für vier Mann, bis zu Felsenwerken für 80 Personen findet alles Eingang in den geschichtlichen Wanderführer. Auch Panzerbarrikaden oder Sprengobjekte werden in dem Buch beschrieben – also jene Anlagen, die bei einem Anrücken des Feindes innert Sekunden gesprengt werden konnten wie beispielsweise Brücken, Bergstrassen oder Tunnels. «Lückenlos wird die Aufzählung aber nicht sein. Das brächte man nicht zustande. Ausserdem ist noch immer nicht alles aus der Geheimhaltung entlassen.»
Das Buch ist in Kapitel über die einzelnen Stadtquartiere aufgeteilt. Jede Anlage wird auf ein bis zwei Doppelseiten beschrieben. Hierzu gehören neben Abbildungen der Anlagen auch historische Daten und denkmalpflegerische Hinweise. «Wir geniessen die volle Unterstützung der kantonalen Denkmalpflege», so Dürst. Auch der Schweizer Armee wurden die Nummern der im Buch beschriebenen Anlagen bereits vorgelegt. «Man hat uns das Okay gegeben.» Vor der definitiven Drucklegung wird die Publikation den zuständigen Stellen nochmals vorgelegt.
Das Wissen über die Anlagen geht verloren
Noch haben die beiden Autoren keine definitive Zusage von einem Verlag. Das bringt sie aber nicht von ihrem Ziel ab, das Buch im kommenden Herbst zu publizieren – notfalls auch durch Sponsorensuche und mit eigenen Mitteln. «Es geht auch darum, das Wissen über diese sogenannten Permanenzen zu erhalten. Leider ist dieses Wissen in der heutigen Armee nicht mehr so gefragt», meint Köfer.
Obwohl einige Bunkeranlagen unter Denkmalschutz stehen, sei dies laut Köfer kein Garant dafür, dass sie nicht verschwinden. «Sobald an einer Stelle gebaut werden soll, wo ein Bunker steht, werden die Schutzbedingungen über den Haufen geworfen. Man stellt beispielsweise nur noch die Bauhülle unter Schutz. Wenn man diese zuschüttet, ist die Anlage zwar nicht mehr sichtbar, bleibt aber weiter bestehen.» Auch ein Verkauf an Private sei problematisch, erklärt Köfer weiter. «Die Verteidigungswerke sind alle ohne Baubewilligung erstellt worden. Diese müsste man im Nachhinein einholen. Das ist vor allem bei Anlagen in Wäldern ein Ding der Unmöglichkeit.»
So ist die Zukunft der meisten militärischen Anlagen in und um Zürich ungewiss. Umso wichtiger ist es den beiden Autoren, diesen geschichtlichen Wanderführer zu veröffentlichen. «Wir wollen damit nicht den Krieg oder die Armee verherrlichen, sondern der Arbeit und dem Wehrwillen unserer Vorfahren Respekt zollen», betont Dürst. «Immerhin haben sie innerhalb kürzester Zeit unter schwersten Bedingungen stattliche Bauten errichtet.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.02.2012, 11:06 Uhr
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11 Kommentare
Es wurden da beachtliche Bauwerke geschaffen - eindeutige Zeichen der Verteidigungsbereitschaft.
Interessant wäre dabei auch, ob sich diese Bauwerke irgendwie entwickelten - ob spezialisierte Bauten
entstanden, - oder ob alle dem selben Prototypen entstammten - ob dabei z.B.auch ein Optimierprozess entstand?
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