Der Eismeister gibt den Sihlsee frei
Mehrere Häuser ohne Wasser
Wegen der tiefen Temperaturen der vergangenen Nächte sind mehrere Wasserleitungen in Wollishofen, Aussersihl, Unterstrass, Wipkingen, Oerlikon, Albisrieden und Altstetten eingefroren. Wie Oliver Köster von der Wasserversorgung gegenüber Radio 24 sagte, seien besonders Notleitungen betroffen. Diese werden bei Baumassnahmen oberirdisch verlegt und sind rund drei Zentimeter dick. Dabei lässt man das Wasser immer laufen, damit die Leitungen nicht gefrieren. Trotzdem froren einzelne Leitungen zu. Mitarbeiter der Wasserversorgung sind im Dauereinsatz, damit die betroffenen Wohnungen wieder Wasser haben. In Altstetten und im Seefeld sind zudem zwei Zuleitungsrohre gebrochen.
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Eismeister Louis Schönbächler, dick vermummt und mit einem Gesichtsschutz versehen, packt am Samstagnachmittag die Kettensäge und fräst ein viereckiges Stück Eis aus dem zugefrorenen Sihlsee. Neben ihm steht Jakob Wyrsch, Ressortleiter Liegenschaften, Sport und Freizeit des Bezirks Einsiedeln. Er überprüft, ob das Eis die erforderlichen 15 Zentimeter dick ist und ob das Eisfeld bei Euthal für die Öffentlichkeit freigegeben werden kann.
Wyrsch nickt, alles ist in Ordnung. Das Natureisfeld Sihlsee kann begangen werden. Am Tag zuvor betrug die Eisdicke noch rund zwölf Zentimeter. Bei den jetzigen tiefen Temperaturen wächst die Eisschicht um zwei bis drei Zentimeter pro Nacht. Schönbächler ist mit der Qualität zufrieden: «Klareis», sagt er und zeigt auf den trübungsfreien Teil des ausgesägten Eisblocks. Anschliessend folgt eine Schicht von trübem Eis, sogenanntem Milcheis.
Projekt aus eigener Initiative
Bereits zum elften Mal präpariert Louis Schönbächler das Eisfeld bei Euthal am hinteren Ende des Sihlsees. Der Bauunternehmer und Kundenmaurer hat das Projekt auf eigene Initiative immer weiter ausgebaut, mit personeller und materieller Unterstützung des Dorfmarketings Einsiedeln. Am Ufer hat er mit seiner Lebenspartnerin ein grosses Zelt aufgebaut. Dort werden heisse Getränke und Würste verkauft und rund 300 Paar Schlittschuhe vermietet. Dutzende von Freiwilligen helfen dem Paar. Schon kurz nach der Freigabe kommen die ersten Besucher. «Ist der See schon frei?» Schönbächler nickt und warnt zugleich: «Aber ja nicht die Absperrung verlassen.» Rettungsringe hängen am Absperrseil, und beim Eingang zum Eisfeld ist ein Rettungsschlitten parkiert.
600 Meter misst die Rundbahn, 30 Meter ist sie breit. Ausserhalb des mit einer orangen Leine markierten Feldes ist die Eisdicke noch nicht genügend stark. Schönbächler hatte dort erst vier Zentimeter gemessen. Der See war bis zum Freitag in der Mitte an etlichen Stellen noch offen, und die Eisschicht war vielfach noch zu dünn. Aber auch an Stellen, in denen ein Bach in den See fliesst und ein Industriegebäude das Wasser ablässt, ist sie noch nicht genügend tragfähig.
Polieren mit der Eisbürste
Unter den ersten Besuchern ist eine Familie aus Zürich: «Wir haben im Internet gesehen, dass das Eis offen ist, dann sind wir sofort losgefahren.» Sie schwärmen von der traumhaften Landschaft mit den schneebedeckten Hügeln rund um den See. «Und erst noch gratis!» Auch viele Einheimische können kaum warten, bis der See endlich offen ist. «Das muss man doch ausnützen, wenn man direkt vor der Haustür eine solch wunderbare Eisbahn hat», meint ein Bewohner der Nachbargemeinde Unteriberg.
Schönbächler will in den nächsten Tagen die befahrbare Eisfläche sukzessive ausweiten – je nach Eisdicke. Er hat extra einen Quad gekauft, ein kleines Geländefahrzeug, und an diesem eine Eisbürste montiert. Damit räumt er den Schnee weg und präpariert das Eis zu einer gut gleitenden Bahn. Zusätzlich hat er Geld in einen Eishobel investiert, um die Oberfläche zu bearbeiten.
Bis 5000 Leute an einem Tag
Während die Besucher am Samstag noch spärlich erschienen, kamen sie an dem strahlend schönen Sonntag in Scharen. Mehrere Hundert genossen das Schlittschuhlaufen auf knapp 900 Meter Höhe. Es sind noch bedeutend weniger als an jenem Prachtsonntag im Januar vor drei Jahren. Damals tummelten sich rund 5000 Schlittschuhläufer und Fussgänger auf dem See.
In dieser Saison konnte Louis Schönbächler sein Eisfeld erst an einem Tag, am 15. Januar, öffnen. Danach zerschlug der Sturm Andrea das Zelt und verhinderte ein Zufrieren des Sees. Ob er diese Saison trotzdem noch kostendeckend über die Runde bringt, ist noch nicht sicher. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.02.2012, 08:00 Uhr
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