Der Haltungstechniker
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Die Alexander-Technik schult die körperliche Haltung und Bewegung. Sie geht auf den Australier F. M. Alexander zurück.
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Herr Harbach, was ist Ihr Rezept gegen schlechte Montagslaune?
Merke ich am Morgen, dass ich vom Wochenende noch ein wenig müde bin, öffne ich die Augen und schau um mich. Es gibt immer etwas, das mich neugierig macht oder fröhlich stimmt.
Worauf kommt es an in Ihrem Job als Bewegungslehrer?
Dass ich verstehe, was für unbewusste Bewegungs- und Verhaltensstrategien jemand entwickelt hat. Tue ich das, kann ich Ideen vermitteln, was die Person anders machen könnte.
Zu Ihnen kommen auch Leute, die verspannt im Büro sitzen. Was machen Sie anders als Ergonomen?
Die Ergonomie konzentriert sich auf die Schnittstelle zwischen Mensch, Mobiliar und Maschine. Nicht selten gibt sie dabei Positionen als richtig oder falsch vor. Auch in der Alexander-Technik gelten gewisse Haltungen als falsch, viele aber liegen in einem grauen Bereich. In diesem arbeiten wir. Für uns ist es etwa weniger wichtig, ob jemand den perfekten Bürostuhl hat, sondern wie man sich mit seinem Körper darauf einstellt.
Was halten Sie für völlig untauglich?
Es gibt diesen berühmten Stuhl von Eames. Viele Firmen haben ihn, weil er ästhetisch gut wirkt. Für die Mitarbeiter ist er aber furchtbar unbequem. Man sitzt darin wie die Schildkröte auf dem Rücken, die versucht den Kopf rauszustrecken, damit sie etwas sieht. Logisch kommt es dann zu Verspannungen.
Die bequeme «Gipfeli»-Haltung also. Was ist daran falsch?
Anfangs nichts, weil sie angenehm ist, und man seine Anspannung lösen kann. Mit der Zeit aber stört sich der Körper daran. Man versucht, eine gerade Haltung einzunehmen, fällt wenig später aber wieder in die gekrümmte zurück. Ein Jo-Jo-Spiel beginnt.
Ist Sitzen so kompliziert?
Nein, nicht derart. In 10 bis 12 Sitzungen kann man die Grundlage erlernen.
Wie lautet die Kürzestversion?
Es geht darum, sich im Nacken nicht zu verspannen. Ihn, ohne zu drücken, lang zu machen. So sitzt der Kopf auf der Wirbelsäule, und die kommt ins Lot.
Was ist das Schlimmste, das in Ihrem Job passieren kann?
Wenn jemand in den ersten Lektionen offen ist, dann aber passiv bleibt und das Gefühl hat, ich mache die Therapie für ihn. Man muss die Bewegungen in den Alltag übertragen.
Ist das Ihr Traumjob?
Zu 100 Prozent, weil die Tage sehr abwechslungsreich sind. Nach einer Sängerin kommt ein Manager, später ein Ruderer, danach ein Saxofonspieler – und mit jedem Kunden kommt eine neue Weltanschauung in meine Praxis.
Wie kamen Sie zu Ihrem Job?
Ich arbeitete bei McKinsey, nach einem Gokart-Abend hatte ich Rückenschmerzen. Ich machte verschiedenste Therapien, hatte aber immer wieder Rückfälle. Bis ich mit der Alexander-Technik begann. Von 2001 bis 2004 liess ich mich dann zum Lehrer ausbilden.
Als Unternehmensberater ökonomisierten sie früher Firmen und als Therapeut heute Körper?
So habe ich es noch nie angeschaut, aber im Prinzip ja, es geht um Effizienz. Das Menschliche will ich aber nicht wegrationalisieren.
Woran erkennen Sie an sich eine Déformation professionelle?
Schaue ich Tennis, achte ich genauso aufs Resultat wie auf die Art, wie sich die Spieler bewegen. Oder bei Fotos in Magazinen, da frage ich mich oft, wie sich eine Person in einer Position fühlt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.04.2011, 22:28 Uhr
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