«Der Heimatschutz wird seine Ziele weiter statutengemäss verfolgen»

Der Zürcher Heimatschutz werde nach dem Rücktritt von neun pragmatisch denkenden Vorstandsmitgliedern nicht konservativer, nur konsequenter, sagt der Vizepräsident.

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Herr Stopper, zehn Vorstandsmitglieder des Zürcher Heimatschutzes sind zurückgetreten, unter ihnen auch der Präsident. Wie geht es nun weiter?
Es geht problemlos weiter. Wir werden nun möglichst schnell dafür sorgen, dass wir wieder einen funktionsfähigen Vorstand haben. Zwei Chargen sind unbesetzt: Die eine ist die des Präsidenten, um diesen zu wählen, müssen wir eine Generalversammlung einberufen. Bis dahin wird das Vizepräsidium diese Funktion übernehmen. Die andere Charge ist die des Kassiers. Wir haben hierfür im Vorstand aber eine fähige Person.

Leiten Sie vorerst die Geschäfte?
Wir müssen den Vorstand nun neu konstituieren, dann werden wir sehen.

Wird der Heimatschutz nun konservativer?
Nein. Der Heimatschutz wird seine Ziele weiterhin gemäss Statuten verfolgen.

Hat das der zurückgetretene Präsident denn nicht getan?
Marcel Knörr hat Beschlüsse des Vorstands nicht umgesetzt, zum Beispiel beim Landesmuseum. Der Vorstand hat mit neun zu drei Stimmen einen Rekurs beschlossen. Der Rekurs wurde nicht eingereicht. Knörr hat auch Rekurse zurückgezogen, ohne den Vorstand zu informieren. Das geht nicht.

Müssen Bauherren nun mit mehr Beschwerden des Heimatschutzes rechnen?
Das will ich nicht so sagen. Wir hoffen, dass weniger Bauten aus den Schutzinventaren entlassen werden. Der Kanton Zürich hat fortschrittliche Gesetze, nur werden sie nicht umgesetzt. Der Heimatschutz wird nur tätig, wenn diese nicht eingehalten werden. Zum Beispiel, wenn Behörden gegenüber Bauherren zu willfährig sind.

Der pragmatische Flügel des Heimat- schutzes fürchtete auch um das Verbandsbeschwerderecht, wenn zu viele Rekurse gemacht würden.
Wie gesagt: Ob wir Rekurse machen oder nicht, hängt allein von den Bauherren und den Behörden ab.

Ziehen Sie den Rekurs gegen die Entlassung der Turnhallen beim Kunsthaus in Zürich aus dem Inventar der schützenswerten Bauten weiter?
Ja, der Vorstand hat den Weiterzug ordentlich beschlossen. Bei dem Entscheid war Marcel Knörr mit dabei, er stand hinter dem Weiterzug. Zudem läuft eine Initiative auf städtischer Ebene für eine Freihaltezone zwischen Heimplatz und Kantonsschule.

Welche Chance geben Sie dem Rekurs?
Ich kann nicht voraussagen, wie die Gerichte entscheiden. Der Entscheid der Baurekurskommission war aus unserer Sicht ein politischer Willkürentscheid. Es existiert ja noch nicht einmal ein Bauprojekt für die Kunsthauserweiterung. Mit der Entlassung wird einzig die Beseitigung aller Hindernisse bezweckt, die ein mögliches Bauprojekt stören könnten.

* Paul Stopper ist Vizepräsident des Zürcher Heimatschutzes. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2008, 22:44 Uhr

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