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Der Kluge reist nicht in diesen Zügen

Von Patrick Kühnis. Aktualisiert am 28.07.2011 31 Kommentare

Die Zürcher S-Bahn hat erstmals über 400'000 Passagiere pro Tag befördert. Der «Tages-Anzeiger» zeigt, wo es für die Pendler am engsten ist.

Zu Stosszeiten wird der Platz knapp – besonders in der S 3: Pendler steigen im Zürcher Hauptbahnhof in die S-Bahn.

Zu Stosszeiten wird der Platz knapp – besonders in der S 3: Pendler steigen im Zürcher Hauptbahnhof in die S-Bahn.
Bild: Keystone

Hier ist das Gedränge am grössten

(Bild: TA-Grafik ek / Quelle: ZVV)

Eine Broschüre gibt Tipps

Unter dem Titel «Clever pendeln» haben die SBB in einer Broschüre Tipps zusammengestellt, um in der Zürcher S-Bahn auch zur Stosszeit zu einem freien Sitzplatz zu kommen.

So rät das Unternehmen etwa, bei längeren Kompositionen den mittleren Zugteil zu meiden: «Begeben Sie sich bereits vor der Einfahrt Ihrer S-Bahn in die weniger belegten Sektoren.» Zudem listet ein Fahrplan für die meistbenützten Strecken jene Verbindungen auf, die weniger ausgelastet sind als eine S?12 oder S?5 – vor allem die ebenso schnellen Zusatzzüge am Morgen und Abend.

Wer allerdings morgens von Pfäffikon oder Illnau nach Zürich muss, dem bleibt keine andere Wahl, als die S?3 zu benützen. Die Broschüre ist an Schaltern erhältlich oder im Internet abrufbar. (pak)

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Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) feiert einen neuen Rekord: Im März haben seine S-Bahnen erstmals an einem Tag über 400'000 Fahrgäste nach Zürich und von Zürich weg befördert. Zum Vergleich: Beim Start der Zürcher S-Bahn im Mai 1990 waren es erst 159'000 Pendlerinnen und Pendler pro Tag, welche die Stadtgrenze im Zug überquerten. «Eine Abschwächung dieses rasanten Wachstums ist nicht in Sicht», teilte der ZVV gestern mit. Das stelle den öffentlichen Verkehr vor grosse Herausforderungen: «Nebst Investitionen in neue Infrastrukturen und verbesserte Angebote braucht es auch mehr Fahrzeuge.»

Doch nicht nur SBB und ZVV bekommen den Boom zu spüren, auch die Kundschaft. Sie muss das verfügbare Rollmaterial mit immer mehr anderen Leuten teilen. Die Rangliste der meistbenutzten ­S-Bahnen führt mit Abstand die S?12 an: Sie karrt täglich fast 24'000 Pendler aus Winterthur und über 18'600 Pendler aus dem Limmattal nach Zürich und retour. Dahinter folgen S 5, S 7 und S 3, die mit schnellen Verbindungen das Unterland, das Oberland und die Goldküste erschliessen. Schlusslichter in dieser Hitparade sind die S?15 im Säuliamt, die S?24 und S?21 am linken Seeufer und vor allem die S?11, die es als Entlastungskurs zwischen Winterthur und Altstetten auf 2657 Fahrgäste pro Tag bringt.

Doch diese Zahlen sind trügerisch. Denn sie sagen nichts darüber aus, wie voll die Züge wirklich sind. «Auf den meistbenützten Linien wie der S?12 oder der S?5 werden zur Hauptverkehrszeit 300 Meter lange Dreierkompositionen mit 1160 Plätzen eingesetzt», sagt ZVV-Sprecher Thomas Kellenberger. Diese seien in der Mitte zumeist brechend voll, vorne und hinten gebe es aber freie Sitzplätze – auch in der 2. Klasse.

116 Prozent Auslastung auf S?3

So erstaunt es nicht, dass die Rangliste der vollen S-Bahnen weder S?5 noch S?12, sondern die S?3 mit der Nummer 18326 anführt: Der Zug, der Wetzikon um 7.19 Uhr verlässt und um 7.52 Uhr am Stadelhofen eintrifft, ist dort werktags zu 97,3 Prozent belegt.

Das ist allerdings ein Mittelwert, der auch Ferienzeit und Feiertage mit weit weniger hohen Frequenzen einschliesst. «Die Auslastung beträgt zuweilen bis zu 116 Prozent», sagt Kellenberger. Sprich: Es sind ein Sechstel mehr Passagiere im Zug, als die reguläre Sitz- und Stehplatzzahl vorsieht. Der ZVV rechnet beispielsweise damit, dass sich im Normalfall drei Passagiere einen Quadratmeter Fläche auf einer Eingangsplattform teilen. «Zur Stosszeit wird es dort deutlich enger.»

Abends sind es zwei Züge der S?5 ins Unter- und Oberland und eine S?15 in Richtung Uster, in denen das Gedränge am grössten ist. Die durchschnittliche Auslastung beträgt aber noch knapp 90 Prozent, weil sich der Pendlerstrom besser verteilt. «Am Morgen müssen halt viele um 8 Uhr im Büro sein.»

Warnung an Gelegenheitsfahrer

Geübte Pendler wissen, welche Züge sie lieber nicht nehmen (siehe unten). SBB und ZVV lassen aber auch sporadische ÖV-Benutzer und Lehrerinnen, die für den Schulausflug einen Zug heraus­suchen, nicht ins offene Messer laufen. So sind die besagte S?3 und andere begehrte Verbindungen in den Online- und Smartphone-Fahrplänen mit einem «Reisehinweis» versehen: «Dieser Zug ist sehr gut ausgelastet. Wir empfehlen Ihnen, eine alternative Zugverbindung mit genügend freien Sitzplätzen zu prüfen.» Ein Link verrät, welche das ist.

Etwas Entlastung für die Hauptschlagadern des Zürcher S-Bahn-Netzes wird bereits der Fahrplanwechsel im Dezember bringen, wenn der ZVV nach und nach die alten Doppelstockkompositionen durch 50 Meter längere Stadler-Züge ersetzt. Ab Mitte 2014 werden dann die Durchmesserlinie und der neue Durchgangsbahnhof für Entspannung sorgen. Dadurch verringert sich die Fahrzeit auf einigen Linien so stark, dass sich für Pendler allenfalls ein Umsteigen lohnt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.07.2011, 06:54 Uhr

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31 Kommentare

Peter Zumstein

28.07.2011, 09:31 Uhr
Melden 31 Empfehlung

Dank geht an die Personfreizügigkeit und der ernormen Zuwanderung aus Deutschland. Keine grosse Überraschung. Es ist höchste Zeit diese Politik zu umdenken. Die drei Initiativen gegen die PFZ kommen gelegen. Antworten


Tobias Hähnlein

28.07.2011, 09:20 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Interessant, dass es die S9 nicht einmal in die Top 10 schafft obwohl das Reisen einiges unangenehmer war als mit der S3 zur selben Zeit.
Dass der ZVV mit einer Auslastung von 116% überhaupt verkehren darf macht mich nachdenklich. Auf der Strasse wäre dies kein Kavaliersdelikt und hätte beträchtliche Folgen. Ob da die Sicherheit noch gewährleistet ist...?
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