Zürich

Der Kunstfehler

Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 30.09.2011 86 Kommentare

Kaum 48 Stunden nach der grossen Einweihungsfeier der Riesenschleuder im Hardaupark ist das Kunstwerk beschädigt worden. Die teure Konstruktion hat Mängel – und ist laut Jugendlichen gefährlich.

1/16 Abgesperrt: Die 16 Meter hohe Schleuder ist derzeit nicht mehr zugänglich.
Bild: Simon Eppenberger

   

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Erst am vergangenen Freitagabend hatte Tiefbau-Vorsteherin Ruth Genner (Grüne) mit grosser Freude die 16 Meter hohe Schaukel als «neues Wahrzeichen» des Hardauquartiers eingeweiht – und am Sonntagabend war das Kunstwerk bereits demoliert. Das «Y», das wie eine Riesensteinschleuder ausschaut, ist seither abgesperrt und steht den Kindern nicht mehr als Spielzeug zur Verfügung. Teile der Plexiglas-Verschalung sind herausgebrochen, die Schaukel wurde in rund drei Metern Höhe fixiert.

Allerdings ist unklar, ob es sich dabei überhaupt um Vandalismus handelt. «Es kann durchaus sein, dass der Schaden durch eine sehr heftige Benützung der Schaukel entstanden ist», sagt auf Anfrage Ulrich Ammann, zuständiger Projektleiter bei Grün Stadt Zürich. Mit einem Kunstwerk in diesem Ausmass, das leuchtet, frei zugänglich und jederzeit als Schaukel benutzbar sei, habe man Neuland betreten.

«Fehlkonstruktion»

«Die Umsetzung der Idee des Künstlers war eine grosse Herausforderung mit vielen Rahmenbedingungen», sagt Ammann weiter. Da es sich wohl nicht um einen Vandalenakt handelt, hat Grün Stadt Zürich bisher auf eine Strafanzeige verzichtet. Deshalb ermittelt die Stadtpolizei nicht, ist aber entsprechend informiert.

Beim Eröffnungsfest am Freitag war der kosovarische Künstler Sislej Xhafa extra aus New York angereist, um sein Kunstwerk der Bevölkerung zu übergeben. Das Werk ist spektakulär: Beim Schaukeln erleuchtete das «Y» in verschiedenfarbigem Licht und verwandelte den vorher «trostlosen Platz in einen Platz der Begegnung», wie Genner am Freitag sagte.

Schülerinnen des angrenzenden Schulhauses Albisriederplatz verstehen die Stadt hingegen nicht. Sie finden das Licht in der Nacht zwar «megaschön», doch die Schaukel ist für sie vor allem eines: «Gefährlich.» Nachdem die Teenager die Schleuder am Wochenende getestet haben, ist für sie klar: «Das Teil ist eine Fehlkonstruktion, der Sitz ist total unstabil.»

Grenzen ausgelotet

Hauptproblem ist das Gestänge, welches verhindert, dass die Benutzer gegen den unteren Teil des «Y» prallen. Auf etwa drei Metern Höhe angebracht, hält es die Schaukel auf Distanz. Doch sobald die Seile auf die Querstange treffen, erhält der Sitz einen neuen Impuls und schwingt in einem engen Bogen nach oben. Dadurch kippt die Schaukel abrupt und «man fällt fast nach hinten raus», wie eine der Schülerinnen sagt.

Grün Stadt Zürich sieht das anders. Das Thema Sicherheit sei bei der Entwicklung der Skulptur von grosser Bedeutung gewesen. «Vor der Einweihung wurde das Objekt deshalb durch eine externe Fachperson geprüft», sagt Ammann. Das Ergebnis konnte der Realität offensichtlich nicht standhalten.

«Nicht damit gerechnet»

Die Schaukel ist aber scheinbar nicht nur ein Sicherheitsrisiko für die Jugendlichen, sondern lädt diese geradezu ein, die Grenzen des Spielzeuges auszuloten. Mindestens einer hat es dabei geschafft, so fest zu schaukeln, dass er sich trotz der Distanz-Stange mit den Füssen vom «Y» abstossen konnte. Das hat die filigrane Verschalung nicht ausgehalten, das Plexiglas ist in die Brüche gegangen. «Dass es jemand trotz dem Test fertig gebracht habe, so heftig zu schaukeln, dass dabei ein Schaden entstehen konnte, damit haben wir nicht gerechnet», sagt Ammann.

Ob es sich bei der Riesenschleuder tatsächlich um eine Fehlkonstruktion handelt, wie die Jugendlichen behaupten, ist derzeit offen. Jedenfalls muss der Konstrukteur Nüssli laut Grün Stadt Zürich das Kunstwerk nochmals anschauen und anpassen. Die Gesamtkosten für die Skulptur betragen bisher 395'000 Franken, wovon 75'000 Franken durch Dritte finanziert werden.

Stabilere Verschalung ist ein Problem für die Statik

Dabei steht auch die Frage im Raum, wie stabil die Verschalung rundherum gestaltet werden soll. Denn selbst einem Laien fällt auf, dass das Kunstwerk bereits mit Fusstritten beschädigt werden kann – ganz zu schweigen von einer Attacke mit Steinen oder anderen Gegenständen. Ein Umstand, der bei einem Objekt im öffentlichen Raum berücksichtigt werden muss.

«Zugegeben, es wirkt sehr filigran», sagt Ammann. Wenn man die Platten jedoch dicker dimensioniert hätte, wäre das ganze Werk deutlich schwerer geworden. «Das hätte schnell Auswirkungen auf die Statik und die Wirkung des Lichts gehabt.» Nun müsse man prüfen, wie das Kunstwerk im unteren Teil stabiler gestaltet werden kann.

Die Teenager finden es zwar «total doof», dass die Schaukel bereits kaputt ist. Überrascht sind sie hingegen nicht. Ob der Bauweise schütteln sie bloss den Kopf. Noch mehr stört sie aber die Form. Sie hätten viel lieber einen anderen Buchstaben: Statt einem Ypsilon soll ein «A» hin. «A» wie Albisrieden oder Aussersihl. «In einem ‹A› könnte man auch eine richtige Schaukel aufhängen, die nicht so gefährlich ist», sagt eine Schülerin. Viel lieber hätten sie jedoch einen Brunnen und mehr Sitzplätze, wie sie sagen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.09.2011, 18:00 Uhr

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86 Kommentare

Erica Huber

29.09.2011, 19:51 Uhr
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Da konnte sich mal wieder ein Künstler auf Kosten der Steuerzahler 'verwirklichen'. Bin sicher, dass unsere Jugend mit den rund Fr. 400.000.-- was besseren angefangen hätten. Was hier als Kunst bezeichnet wird, ist eine Verschleuderung von Steuergeldern. Antworten


tom frei

29.09.2011, 18:32 Uhr
Melden 84 Empfehlung

es ist einfach schon verrückt: da gibt die stadt fast 400000.-- für eine schaukel aus (kunstwerk hin- oder her!) und checken vorher nicht einmal,was die jugendlichen überhaupt am liebsten hätten (nämlich einen brunnen,was ich vollkommen verstehen kann.der brunnen in meinem dorf war auch der anziehungspunkt).Und dann plexiglas.in diesem quartier?vandalen gehöpren da einfach dazu,leider.schwach! Antworten



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