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Der Pfäffikersee kann gefrieren, der Zürichsee womöglich nie mehr

Von Ruedi Baumann. Aktualisiert am 03.02.2012 15 Kommentare

Bis nächste Woche bleibt es arktisch kalt – das reicht für Eis auf dem Pfäffikersee. Doch eine Zürichsee-Gfrörni wie 1963 wird es vielleicht nie mehr geben.

Auf Kufen über den Pfäffikersee: 2006 war die Eisdecke stark genug.

Auf Kufen über den Pfäffikersee: 2006 war die Eisdecke stark genug.
Bild: Keystone

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Jeder Zürcher, der 1963 schon gehen konnte, denkt das Gleiche, wenn es ein paar Tage kräftig unter null ist: Gibts endlich wieder mal eine Seegfrörni? Die Antwort ist ernüchternd: Dieses Jahr sicher nicht. Und auch für die weitere Zukunft stellen Fachleute eine sehr schlechte Prognose. Die Gründe für die Skepsis sind offensichtlich: Vor allem der Januar war viel zu warm, in Zürich 3,4 Grad über dem langjährigen Durchschnitt, erst am 31. Januar wurde der erste Eistag der Saison registriert – viel zu spät, als dass es für eine Seegfrörni reichen könnte.

Die klimatischen Anforderungen, um den Zürichsee genügend hinunterzukühlen, sind enorm. Es braucht rund 320 Kältetagesgrade für eine Seegfrörni, das heisst 32 Tage mit einer mittleren Tagestemperatur von minus 10 Grad. Gemäss Thomas Posch, Oberassistent der Limnologischen Station Kilchberg der Universität Zürich, weist der Januar aber 100 positive Tagesgrade auf.

Im Vergleich mit der Seegfrörni 1962/63 kommt die heutige Kälteperiode gut anderthalb Monate zu spät. Damals war es bereits im November klirrend kalt, und das Eis begann an Weihnachten kräftig zu wachsen. Am 22. Januar 1963 musste der Fährbetrieb Horgen–Meilen eingestellt werden. Am 1. Februar, einem Donnerstag, wurde die 12 bis 13 Zentimeter dicke Eisschicht freigegeben; 100'000 Personen stürmten gleichentags auf den See. Am Samstag, 10. Februar, als die Eisdicke bereits 25 Zentimeter betrug, strömten 150'000 Besucher aufs Eis. Der Zürichsee blieb bis zum 8. März begehbar.

Das Wasser ist wärmer als früher

Früher galt die Regel, dass es alle 25 bis 50 Jahre zu einer totalen Seegfrörni kommt. Seit 1223 fror der Zürichsee in 25 Wintern komplett zu. All jenen, die sich an die Volksfeste von 1963 nicht mehr erinnern können, macht Gewässerwissenschaftler Thomas Posch keine Hoffnung. Klimaerwärmung und ein Temperaturanstieg des Zürichsees sind synchron. «In den letzten 40 Jahren hat sich das Oberflächenwasser bis 20 Meter Tiefe um 2 Grad erwärmt. Wenn dieser Trend anhält, bin ich skeptisch, ob der Zürichsee je wieder vollständig zufriert.»

Weil Wasser die grösste Dichte bei plus 4 Grad hat, muss ein See zuerst in der Tiefe abkühlen; sonst steigt das wärmere Wasser immer wieder auf. Gemäss der Limnologischen Station Kilchberg ist der Zürichsee im Moment bis auf eine Tiefe von 70 Metern 4,9 Grad warm, dann fällt er bis zur Maximaltiefe von 136 Metern auf 4,3 Grad ab. Bis sich auf dem offenen See eine Eisschicht bilden kann, müssen die drei Kubikkilometer Wasser zuerst noch um fast ein Grad abgekühlt werden. Das ist bei dieser enormen Wassermasse rein physikalisch fast nicht mehr möglich.

Besser sieht es dagegen für die kleineren Seen im Kanton aus, vor allem für die zahlreichen Weiher und den Pfäffikersee. Wie der Meteorologe Roger Perret von Meteonews erklärt, bleibt es noch bis Mitte kommender Woche zwischen minus 5 und minus 10 Grad kalt. Am Morgen kann das Thermometer in Zürich gar bis minus 15 Grad sinken. «Gegen eine Eisbildung spricht die ziemlich kräftige Bise», sagt Perret. Der Wind dürfte kommende Woche allerdings abnehmen, dafür wird die Temperatur voraussichtlich leicht ansteigen. Ein richtiger Wärmeeinbruch ist gemäss den verschiedenen Wettermodellen zwar nicht in Sicht. Eine zweite arktische Kältewelle taucht in den Modellrechnungen aber nicht auf.

Wenns nach Pius Niederhauser geht, können Schlittschuhfahrer ihre Kufen dieses Jahr doch noch auf einem See montieren. Gemäss dem Chef für Oberflächengewässerschutz beim kantonalen Awel «ist der Pfäffikersee parat», um zuzufrieren. Er hat in der Tiefe eine einheitliche Temperatur von 4 Grad erreicht, an der Oberfläche ist der See noch 2,6 Grad warm. «Eisbildung ist ab jetzt nicht ausgeschlossen», sagt Niederhauser. Störend ist allerdings der Wind. «Entscheidend ist, dass sich in einer kalten, windstillen Nacht zumindest eine dünne Schicht bilden kann.»

Behörden scheuen Risiko

Zum Volksfest mit 25'000 Besuchern, wie zuletzt 2006, wird es nach Ansicht von Martin Sorg von der Kantonspolizei Zürich aber kaum kommen. Die Seepolizei hilft zwar beim Messen der Eisdicke und -qualität. «Die Verantwortung für die Freigabe tragen aber die Gemeinden», sagt Sorg. Er hat jedoch festgestellt, dass «die Angst, Verantwortung zu übernehmen», in letzter Zeit immer grösser geworden ist. Dazu kommt ein enormer administrativer Aufwand für das Bereitstellen von Toiletten, Parkplätzen, Absperrungen und Kontrollen. 2006 waren am Pfäffikersee und am Greifensee, der teilweise begehbar war, je 90 Hilfskräfte im Einsatz.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.02.2012, 11:07 Uhr

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15 Kommentare

Kaa Bock

03.02.2012, 11:15 Uhr
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Das ist eben typisch Schweiz! Wozu braucht man bei einem zugefrohrenen See Toiletten, Parkplätze, Absperrungen und Kontrollen? Wenn ich einen Spaziergang im Wald mache, hat es da auch keine Toilette, wenn die vorhandenen Parkplätze voll sind, dann sind sie halt voll.
Schön wäre, man könnte den See einfach bei genügender Eisdicke freigeben - ohne Gugus halt...
Antworten


Emil Roduner

03.02.2012, 11:15 Uhr
Melden 18 Empfehlung

In meinem Meyers Lexikon von 1895 steht über den Zürichsee: Der Obersee friert praktisch jährlich zu, der Untersee etwas seltener. Also: Es war einmal... Antworten



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