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Der Schlossherr setzt aufs Volk

Von Nicola Brusa. Aktualisiert am 13.09.2010 5 Kommentare

Edgar Schwyn, Herr zu Sihlberg, lud zum Tag der offenen Tür ins Schloss, um seinem Ärger Luft und seinen Anliegen Öffentlichkeit zu verschaffen.

1/8 Pompös: Die Villa Sihlberg, Sitz der Brauerfamilie Hürlimann.
Sophie Stieger

Streit um Villa Sihlberg

   

Da steht er vor seinem Schloss ganz in Weiss, mit einem Cüpli in der einen Hand, und leuchtet in der Sonne. Edgar Schwyn, Schlossherr und – so sieht er die Sache – von den Ämtern dieser Stadt Gegängelter, erzählt seine Geschichte. Sie handelt von einem baufälligen Schloss, das jahrelang nicht verkauft werden konnte, von einem Schlossherrn, der die Villa auf dem Hürlimann-Areal vor dem Zerfall rettete und die vergammelte Baute mindestens ebenso liebevoll wie sorgfältig wie kostspielig sanierte. Und vor allem von einem Spiessrutenlauf durch die Ämter, von Behörden, die ihm nichts bewilligen, von schikanierenden Feuerpolizisten und mächtigen, ja, allzu mächtigen Denkmalpflegern.

Die Parallelen zu Fry

Die Geschichte hat bereits Baurekurskommission und Verwaltungsgericht beschäftigt – beide sahen Schwyn im Unrecht –, er hat angekündigt, dass auch das Bundesgericht den Fall noch zu beurteilen hat.

Vor dem Schloss hat Schwyn eine Lounge aufbauen lassen, Sonnenschirme mit goldenen Rändern spenden Schatten. Das Volk trinkt auf Kosten des Schlossherrn Prosecco, Weisswein und Bier, isst Bratwüste und Cervelats vom Quartiermetzger. Vielleicht 80, 100 Leute hören sich an diesem Samstagnachmittag die Geschichte an, die kein Ende nehmen will; Schwyns Erzählung dauert denn auch einen Moment. Unzählige Schreiben, «nette, weniger nette und giftige» – die giftigen seien von seiner Ex-Frau gewesen, einer Juristin – haben sich die Parteien in der Angelegenheit zukommen lassen.

Bewunderung und Applaus

Schwyn wurde verzeigt, im Fernsehen als Rechtsbrecher bezeichnet, über seine Villa wurde ein Bauverbot verhängt, dies und das verfügt – und von Schwyn angefochten. «Der Schwyn», sagt Edgar Schwyn, «der Schwyn gilt auf der Stadt als Querulant, als einer, der macht, was er will.»

Nicht nur eine Anwohnerin, die mit Cüpli im Schatten sitzt und Schwyns Ausführungen zuhört, sieht Parallelen zu Giusep Fry, dem Herrn über den Uetliberg. Sicher, sagt sie, auch er macht, was er will. Und sicher, die Stadt legt auch ihm Steine in den Weg. Aber: «Er hat das wunderschöne Schloss vor dem Zerfall bewahrt.» Das ist der Tenor, an diesem Nachmittag. Allenthalben bewundert man Schwyns Mut, gratuliert ihm und wünscht ihm Durchhaltewillen, spendet ihm Applaus, um ihn zu unterstützen.

Zuspruch vom Zaren

Ein Freund des Hauses ergreift das Wort und erzählt, wie er sich vor kurzem mit dem russischen Botschafter über Bürokratie unterhalten habe. Fazit des Botschafters: In Russland geht sie langsam zurück, in der Schweiz nimmt sie schnell zu.

Russland ist das Stichwort: Kunstsammler Hermann Alexander Beyeler betritt die Bühne, er schwitzt im schwarzen Anzug. Der Mann, der überzeugt ist, ein direkter Nachfahre des russischen Zaren Alexander III. zu sein, ist ebenfalls Schlossbesitzer und kennt die «leidige Sache mit den Behörden» nur zu gut. Deshalb hat man ihn auf den Sihlberg eingeladen. Beyeler sagt «Chapeau» und spricht seine Bewunderung für Schwyns Geduld aus. Er selber habe in seiner ersteigerten historischen Baute altes Zeugs, das ihm nicht gefiel, über Nacht rausreissen lassen. Dem verdutzten Denkmalschützer gegenüber habe er den Unwissenden gemimt, sagt Beyeler und zwinkert Schwyn verschwörerisch zu. Das Volk lacht und applaudiert.

Eine Welle anstossen

Schwyn fragt, ob noch jemand etwas Nettes über ihn sagen möchte. Und lädt dann ein, das Schloss von innen zu besichtigen.

Im Schloss staunen die Leute, prachtvoll ist es – gerade wenn man die verschimmelten Wände und vergammelten Böden betrachtet, die in einer Diaschau über einen Bildschirm im Foyer flimmern. Sie schütteln den Kopf, wenn Edgar Schwyn sagt, dass er die 30-Zimmer-Villa nicht nutzen darf, einzig mit seinen beiden Kindern darin wohnt. Geht es nach Schwyn, sollen noch ganz viele Zürcherinnen und Zürcher den Kopf schütteln: Er setzt jetzt auf das Volk. Er will eine Welle anstossen, «zehn Meter hoch» soll sie werden und alles «in der Stadt unten ein bisschen durcheinanderwirbeln».

Ideen sind willkommen

Ein Anfang sei getan, schreibt Schwyn am Sonntag auf seiner Homepage: 650 Leute seien gekommen, am nächsten Samstag werden die Türen wieder offen stehen. Er lädt die Leute ein, nicht nur Würste zu essen, sondern auch Ideen einzubringen, was auf dem Sihlberg geschehen soll. Ein gigantisches Brainstorming wünscht sich Schwyn – «und wenn 10'000, 20'000 dies oder jenes auf dem Sihlberg wollen, was will dann ein einzelner Denkmalpfleger dagegen sagen?» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.09.2010, 23:39 Uhr

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5 Kommentare

Hans Lips

13.09.2010, 09:02 Uhr
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Das ist so. Die Funktionäre sind die neuen "Herrscher". Das Volk ist selber schuld, da es immer mehr Staat will.Ich höre, die einzigen zwei "Berufsgruppen", die zunahmen sind a)Beamte(Funktionäre) und Spitalpersonal. Was kostet so ein Funktionärchen? Beispiel USA, doppelt so viel wie in der Privatwirtschaft. Schweizer Funktionären wird das Pensionsalter vergoldet im Vegleich zur Privatwirtschaft Antworten


Thomas Ingold

13.09.2010, 12:46 Uhr
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Ich war am Samstag vor Ort und konnte mir ein eigenes Bild vom Umbau machen. Äxgüsi Herr Schwyn, ihre umtriebige Arbeit zum Erhalt der Villa in Ehren, doch mich hat es als Architekt schon fast erschlagen wie hier gewerkelt wurde. Besonders der Dachstock ist alles Andere als ein Prunkstück. Schade ums Geld! Antworten



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