Der Streit um die «Handsgi»-Stunden ist beigelegt

Von Liliane Minor. Aktualisiert am 07.09.2010

Fünft- und Sechstklässler haben künftig drei Lektionen Handarbeit pro Woche. Auf diesen Kompromiss hat sich der Kantonsrat gestern geeinigt.

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Aus vier mach zwei mach drei: Man kann es in guten Treuen als Gebastel bezeichnen, was im Kanton Zürich in den letzten sechs Jahren in Sachen Handarbeit ablief. Jetzt ist die «unrühmliche Episode» (Andreas Erdin, GLP, Wetzikon) beigelegt. Voraussichtlich ab kommendem Schuljahr werden Fünft- und Sechstklässler drei Lektionen Handarbeit pro Woche haben. Diese werden in der Halbklasse erteilt.

Seinen Anfang nahm der Streit 2004, als Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) im Zuge eines Sparprogramms beschloss, die Zahl der «Handsgi»-Lektionen für Fünft- und Sechstklässler von vier auf zwei zu reduzieren. Der Beschluss sorgte in Schulkreisen und in der Bevölkerung für einen Aufschrei. Handarbeitslehrerinnen lancierten eine Volksinitiative, in der sie verlangten, die Lektionenzahl wieder auf vier aufzustocken. Mit Erfolg: 34 500 Personen unterschrieben das Begehren, und im Sommer 2007 erhob es der Kantonsrat zum Gesetz – einzig FDP und Teile der Grünen waren dagegen.

Horgen drohte mit Boykott

Regine Aeppli musste die Vorgabe wohl oder übel umsetzen. Aber sie tat es auf ihre Weise: Die zwei zusätzlichen Lektionen sollten nicht wie früher in der Halbklasse, sondern in der ganzen Klasse unterrichtet werden. Ansons-ten werde die Umsetzung zu teuer, so Aeppli. Und es gebe ohnehin nicht mehr genügend «Handsgi»-Lehrerinnen. Damit provozierte Aeppli einen weiteren Aufschrei.

Im November 2008 kam es zum Eklat: Die Gemeinde Horgen gab bekannt, sie werde die Vorgaben der Bildungsdirektion boykottieren und auch künftig nur zwei Lektionen Handarbeit unterrichten. Handarbeit lasse sich vernünftigerweise nur in kleinen Gruppen erteilen. Andere Schulen zogen nach, Regine Aeppli sah sich gezwungen, die Wiedereinführung der vier Lektionen um mindestens ein Jahr zu verschieben und einen runden Tisch einzuberufen.

Selbst die FDP sagte Ja

Die Lösung fand sich schliesslich im gestern genehmigten Kompromiss. Dieser sei durchdacht und ausgewogen, fanden 153 Ratsmitglieder. Selbst die FDP, die im Sommer 2007 als einzige Fraktion geschlossen gegen die «Handsgi»-Initiative gestimmt hatte, schloss sich dem Kompromiss an. Kritik gab es von der SVP, die nur mit viel Zähneknirschen Ja sagte. Man dürfe nicht vergessen, dass die neue Regelung gegenüber dem Zustand vor 2004 einen Abbau darstelle, sagte Matthias Hauser (SVP, Eglisau). Dennoch sei dieser Kompromiss besser als der Vorschlag der Bildungsdirektion, zwei von vier Lektionen in der Ganzklasse zu erteilen: «Statt eines praktischen Handarbeitsunterrichts hätten wir dann theoretischen Unterricht über Handarbeit.»

Nur EVP und EDU kämpften geschlossen weiter für vier Lektionen. Die Schule drohe immer kopflastiger zu werden. Kurt Leuch (EVP, Oberengstringen) schimpfte, die Bildungsdirektion habe bei der Umsetzung der Volksinitiative zu einem «Buebetrickli» gegriffen und den Willen der Initianten missachtet: «Es war klar, dass vier Handarbeitslektionen in der Halbklasse verlangt wurden.»

«Handsgi» nur noch Wahlfach

Der Kantonsrat hat den «Handsgi»-Paragrafen im Volksschulgesetz gestern noch in einem weiteren Punkt geändert: In der neunten Klasse ist Handarbeit und Hauswirtschaft nur noch Wahlfach. Bisher mussten sich die Jugendlichen zwischen drei Stunden Handarbeit oder drei Stunden Hauswirtschaft entscheiden. Das sei in der neu konzipierten dritten Sek nicht mehr sinnvoll, so der Kantonsrat, denn in der letzten Oberstufenklasse sollen die Schülerinnen und Schüler künftig vor allem jene Fächer vertiefen, die ihnen bei der späteren Berufslehre von Nutzen sind. Auch gegen diese Änderung wehrten sich EVP und EDU vergebens.

Das Gesetz geht nun in die Redaktionskommission, die Schlussabstimmung findet in etwa vier Wochen statt. Nur EVP und EDU sind geschlossen gegen den Kompromiss. Die Schuledrohe immer kopflastiger zu werden, sagen sie. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2010, 08:03 Uhr

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