Zürich

«Der Stress im Regierungsamt ist ein Nährboden für Erkrankungen»

Verena Diener erkrankte als Regierungsrätin selbst an Krebs – und macht Rita Fuhrer Hoffnung

Verena Diener: «Ich glaube, dass Stress generell ein Nährboden für Erkrankungen ist.»

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Bild: Keystone

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Frau Diener, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von der Krebserkrankung Rita Fuhrers hörten?
Das tut mir extrem leid. Rita Fuhrer hat dieses Jahr schon so viele gesundheitliche Herausforderungen durchgemacht: die Lungenentzündung, der Velounfall und nun auch noch diese Diagnose. Es ist eine sehr schwierige Botschaft für die Betroffene, die viele Gefühle von Angst bis Hoffnung weckt. Ein breites Spektrum.

Wie gross ist die Hoffnung in einem solchen Moment?
Hoffnung ist immer vorhanden, die muss man haben. Die Statistik zeigt, dass der Körper vieler Frauen mit dieser Krankheit fertig wird. Ich wünsche Rita Fuhrer von Herzen, dass sie auch zu diesen Frauen gehört. Und ich wünsche ihr viel Kraft für die Wochen und Monate, die vor ihr liegen.

2003 hatten Sie diese Diagnose, nun ist es Rita Fuhrer. Hat das einen Zusammenhang mit dem Job als Regierungsrätin? Mit dem Stress?
Ich glaube, dass Stress generell ein Nährboden für Erkrankungen ist.

Und der ist besonders hoch im Zürcher Regierungsrat?
Ja. Das würde ich schon so sagen. Es ist ein extrem anspruchsvolles Amt.

Frau Fuhrer war ja besonders exponiert, wie auch Sie.
So ist es. Wir beide wurden während unserer Arbeit selten geschont.

Wie gingen Sie als Regierungsrätin mit der Krebsdiagnose um?
Für mich war es wichtig, dass ich nach der Operation schnell wieder eine Tagesstruktur hatte. Ich ging während der Therapie jeden Tag zur Arbeit, allerdings mit etwas gedrosseltem Tempo. Das hat mir geholfen, mit der Krankheit umzugehen. Doch wie das für andere ist, kann ich nicht beurteilen. Es gibt nichts Richtiges und nichts Falsches. Ich denke, das ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Ist die Therapie nicht auch eine starke körperliche Belastung?
Das ist nicht für alle gleich. Fast wichtiger ist die psychische Befindlichkeit. Wenn diese gut ist, fällt es leichter, mit der körperlichen Belastung umzugehen. Darum muss jede Patientin in dieser Situation auf sich selber hören, herausfinden, was guttut und was sie richtig findet.

Wie wichtig ist das Umfeld?
Ganz wichtig ist es, dass man von Familie und Freundeskreis getragen wird. Das ist absolut zentral und gibt den Boden, Energie zu bekommen und Mut zu fassen.

Und das Regierungskollegium?
Das gehört sicher auch dazu, aber es wäre eine Überforderung, wenn alle Leute am Arbeitsplatz miteinbezogen würden. Diese Krankheit ist dermassen persönlich, dass in erster Linie das persönliche Umfeld zählt.

Wäre es für Rita Fuhrer nicht sinnvoll, jetzt zurückzutreten?
Dazu will und kann ich nichts sagen. Das ist eine ganz persönliche Frage, die sie ohne Druck von aussen für sich beantworten darf.

Mit Verena Diener sprach René Donzé

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.12.2009, 04:00 Uhr

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