Der Studienort wird immer wichtiger

Die Fachhochschulen konkurrenzieren mit den neuen Studiengängen die Universitäten. Wo jemand studiert, gewinnt an Bedeutung. Wo ist es am besten?

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An der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) haben 2800 Personen ein Studium begonnen. An der Universität Zürich waren es 2381, an der ETH rund 2200. An allen drei Hochschulen studieren mehr Personen als im Vorjahr. Das Interesse an der fusionierten ZHAW ist aber besonders gross: Die Studierendenzahl hat sich seit 2007 um 20 Prozent auf rund 7000 erhöht.

Die Studiengänge der ZHAW decken sich teilweise mit denen der Universität Zürich und der ETH Zürich. Beim Bund sind ausserdem weitere Gesuche der ZHAW für neue Masterstudiengänge hängig, etwa in Angewandter Linguistik und Wirtschaftsrecht. An der Uni und der ETH beobachtet man die Mitbewerberin genau – und streicht die Unterschiede hervor.

Auch wenn das Studium durch die Bologna-Reform nun überall mit dem gleichen Titel (Bachelor oder Master) abgeschlossen wird, könne man etwa ein Chemie- oder Architekturstudium an der ZHAW nicht mit jenem an der ETH vergleichen. «Die Inhalte sind völlig anders», sagt ETH-Rektoratsleiter Dieter Wüest. Während die Bachelorstudiengänge der ZHAW sehr praxisorientiert sind, richten ETH und Universität den Fokus im Bachelor auf Grundlagen.

Wüest geht deshalb davon aus, dass – mit dem Ausbau der Fachhochschulstudiengänge auf Bachelor- und Masterstufe – künftig nicht nur der Titel zählt, sondern immer mehr auch der Studienort. Auch Beat Müller, Sprecher der Uni Zürich, glaubt, dass Studierende künftig noch häufiger danach eingestuft werden, wo sie studiert haben. Silvia Behofsits von der ZHAW pflichtet bei: «Der gute Ruf einer Schule wird immer wichtiger. Die künftigen Studierenden informieren sich heute sehr genau.»

Laut Wüest zeigt sich diese Entwicklung schon heute daran, dass Rankings, welche die Universitäten untereinander qualitativ vergleichen, immer populärer werden. Populärer für den Markt und die Studierenden. Raymond Werlen von der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten bestätigt diesen Trend und erklärt: «Hat ein Arbeitgeber Bewerbungsunterlagen von 50 Master-Absolventen vor sich, kann ich verstehen, wenn er eine Vorauswahl auf Grund des Studienorts vornimmt.» An der Front klingt es ähnlich: Patrick Middendorf vom Zürcher Anwaltsverband vermutet ebenfalls, dass Studienabgänger ihren Studienort künftig vermehrt hervorstreichen werden, um sich besser abgrenzen zu können.

Von der Fachhochschule an die Uni

Wie vergleichbar die Bachelor-Ausbildungen sind, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Dieses Semester wechseln erstmals seit der Bologna-Reform Studierende mit einem Fachhochschul-Bachelor an die Universität oder ETH. Allerdings müssen diese Studierenden in vielen Bereichen Stoff nachholen. «Die besten Fachhochschulabsolventen werden problemlos an der ETH bestehen können; die Schwächeren werden es schwer haben», sagt Dieter Wüest. Er bezieht sich auf Erfahrungen, welche die ETH bisher mit Studierenden der Fachhochschulen gemacht hat. Anders als bei den Universitäten konnten Fachhochschul-Studierende bereits früher an die ETH wechseln, mussten aber eine Übertrittsprüfung machen.

Inwieweit die Masterstudiengänge der ZHAW Uni und ETH konkurrenzieren, ist noch offen: Gestern sind die ersten fünf gestartet. Laut Silvia Behofsits haben sich 160 Personen angemeldet. Das entspreche den Erwartungen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.09.2008, 08:10 Uhr

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