Der Tag nach den grossen Ferien

Die Ferien waren lang und toll. Nun heisst es: an die Arbeit! Was einem alles so einen ersten Arbeitstag vermiesen kann.

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Wer kennt die Situation nicht? Es ist Sonntag, hinter einem liegen drei, vier oder gar fünf Wochen Ferien. In der Erinnerung sind sie bunt und leicht und fröhlich. Eben erst heimgekehrt, hat man den Koffer geleert und die Wäscheberge in den Korb gestopft. Wenn es dann Abend wird, wird einem erstmals so richtig bewusst, dass man am nächsten Morgen ja zur Arbeit muss. Muss! Vorbei mit Schlendrian. Man erinnert sich an all die Dinge, die einen am Arbeitsplatz erwarten: haufenweise Post und Pendenzen, das aufgeschobene Lohngespräch, ein leidiges Projekt, das man vor Wochen getrost auf nach den Ferien vertagt hatte. Schon ist man gestresst, bevor man überhaupt im Büro ist. Hier eine kleine Liste dessen, was einem die Rückkehr nach den Ferien an einem Morgen wie diesem verleiden kann.

  • Man musste den Wecker neu einstellen und hat es schon vergessen oder auch nur verdrängt: Wann stand man jeweils auf? Um halb sieben? Kann das wirklich sein?
  • Die Zeit von Shorts und lockeren T-Shirts ist vorbei. Jetzt gilt es wieder die steife Arbeitskleidung aus dem Kasten zu nehmen - Strümpfe und Hemden und Manschettenknöpfe und so.
  • Ankunft am Arbeitsplatz

  • Man hat den Badge nicht dabei, der Einlass zum Bürogebäude gewährt. Also muss man warten, bis jemand kommt und einen reinlässt. Dabei bemerkt man, dass man vergessen hat das Portemonnaie umzuräumen: Statt Schweizerfranken hats Euro-Noten drin, statt Kreditkarten und SBB-Abo nur Restaurant- und Hotelquittungen aus den vergangenen Wochen.
  • Der erste Blick ins Büro: Es ist dunkel und muffig. Man öffnet die Storen und erblickt im Tageslicht als Erstes die grosse Beige von Mäppchen und Papier im Regal, die man vor den Ferien nicht mehr abzutragen vermochte. Man versucht sich zu erinnern, was an dringlichen Pendenzen sich in diesem Haufen verbergen könnte. Vielleicht lässt mans lieber bleiben.
  • Die Büropflanze sieht dürr aus, schon fast tot. Keiner der Kollegen scheint auf die Idee gekommen zu sein, sie zu giessen.
  • Am Computer

  • Ein Praktikant hat offenbar den eigenen Platz belegt. Er hat die Stuhlhöhe verstellt, die meisten Sachen von der Pultfläche weggeräumt und auf der Tastatur seltsame Krümel hinterlassen.
  • Man will den Computer aufstarten und weiss die Passwörter nicht mehr. Man hat sie irgendwo notiert und schaut nach. Als das Login trotzdem nicht funktioniert, schleicht sich ein ungutes Gefühl ein.
  • Man stellt fest: Der Praktikant hat einen extrem witzigen Bildschirmschoner auf den Computer geladen. Man stellt ausserdem fest: Neue Software wurde installiert. Ein sogenanntes Upgrade. Im Hauptprogramm sind alle Voreinstellungen gelöscht, in der Menüleiste findet man sich kaum mehr zurecht.
  • Die «Out of office reply» im Mailprogramm hat nicht funktioniert. Im Account sammelten sich Anfragen, Nachfragen, nochmalige Nachfragen, dann entrüstete Mails. Weil wegen einer Fun-Powerpoint-Präsentation eines Kollegen die zulässige Datenmenge gesprengt wurde, hat man ab der zweiten Woche Abwesenheit gar keine Mails mehr empfangen können.
  • Zwischenzeitlich hat ein neuer Mitarbeiter in der Abteilung die Arbeit aufgenommen. Obwohl man schon Jahre in der Firma arbeitet, kennt er einen nicht. Vor der ersten Sitzung grüsst er integrativ-aufmunternd: «Bist du auch neu hier?»
  • Die erste Sitzung

  • Man fragt die Kollegen: «Und, wie liefs? Seid ihr gut zurechtgekommen?» Sie erzählen von einer turbulenten Zeit voller Stress. Implizite Botschaft: «Du warst ja nicht hier, du hast uns im Stich gelassen!»
  • Oder noch schlimmer: Man fragt, wie es lief. Sie sagen: «Null Problem, es lief auch ohne dich wie am Schnürchen!»
  • Es geht ums Verteilen unangenehmer Aufgaben. Die Kollegen sagen: «Schön. Jetzt wo du so braungebrannt und erholt bist, könntest du das ja übernehmen.»
  • Man ist trotz Abwesenheit schon mal vorsorglich in die Arbeitspläne eingetragen worden. Natürlich wurden einem die besonders unbeliebten Daten zugeteilt.
  • Der Chef nimmt Bezug auf einen grösseren Auftrag, den er einem am Tag vor den Ferien noch kurzfristig erteilt hatte: «Hast du das denn nun endlich erledigt?»
  • Klatsch mit Kollegen

  • Man streckt den Kopf in die umliegenden Büros. Die Kollegen fragen: «Wie wars? Wo warst du?» Man berichtet ein-, zwei-, dreimal dasselbe. Und merkt sich, an welcher Stelle die Lacher sitzen. Beim x-ten Mal hat man die eigene Feriengeschichte auf einige wenige Highlights zugespitzt und langweilt sich beim Erzählen.
  • Man holt den Klatsch auf: Wer wurde schwanger, wer hat gekündigt, wo gabs Beförderungen oder neue Liebschaften? Frustrierend: Es ist extrem viel passiert - ausgerechnet als man weg war. Noch frustrierender: Es ist rein gar nichts passiert.
  • Man merkt: Der Sommer ist vorbei. Der Alltag hat einen wieder. Und dringend ist schon jetzt: der rettende Gedanke an die nächsten Ferien.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.08.2008, 11:45 Uhr

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