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«Der Teufel läuft wie ein brüllender Löwe um euch herum»

Von Hugo Stamm. Aktualisiert am 20.09.2010 68 Kommentare

Pastor Leo Bigger geht mit seiner Freikirche ICF jetzt über den Fernsehsender Star-TV auf Seelenfang – und knöpft seinen jungen Anhängern jährlich Millionen ab.

Will zum «letzten Abschnitt der Menschheit» gehören: Pastor Leo Bigger im ICF-Hauptquartier auf dem Maag-Areal.

Will zum «letzten Abschnitt der Menschheit» gehören: Pastor Leo Bigger im ICF-Hauptquartier auf dem Maag-Areal.
Bild: Sophie Stieger

Die Botschaft ist uralt, die Missionstechnik aber topmodern: Die Freikirche International Christian Fellowship (ICF) verbreitet die Predigten ihres Senior-Pastors Leo Bigger nicht nur über Podcast, Livestream und Handy-Applikationen (Apps), sondern seit neustem jeden Samstagmorgen über die beiden Fernsehsender Star-TV und Das Vierte.

Bigger verkündet das Evangelium am Bildschirm zwischen Softporno-Sendungen («Heisse Girls») und Teleshopping. Seine Predigten wirken etwas hölzern, die Rhetorik scheint nicht göttlich inspiriert, doch sein Enthusiasmus für die Sache Gottes ist nach wie vor ungebrochen. Somit weitet die ICF, die sich im Zürcher Maag-Areal eingemietet hat und am Wochenende bis zu 3000 Gottesdienstbesucher verzeichnet, ihre missionarische Reichweite beträchtlich aus.

Die Spenden sprudeln

Sendeplätze sind begehrt und entsprechend teuer. An Geld mangelt es der ICF aber nicht: Im Mai dieses Jahres hat die Freikirche beispielsweise 290'000 Franken an Einnahmen budgetiert, tatsächlich aber 347'000 Franken eingenommen. Das Geld stammt von den mehrheitlich jungen Gläubigen, die grosszügig spenden. Die ICF-Pastoren üben gelegentlich moralischen Druck aus. In einer Predigt der ICF St. Gallen – die ICF hat inzwischen über 30 Ableger, auch in Deutschland – empfahl der Geistliche den Gläubigen, stets zwei Couverts bereitzuhalten.

In das eine müssten sie 10 Prozent des monatlichen Einkommens stecken, also den biblischen Zehnten, ins zweite gehöre «das Opfer». Es gebe Gläubige, so der Pastor, die den Zehnten nur aus Angst ablieferten. Sie würden befürchten, dass Gott sie sonst verfluche. Schliesslich wurden die Gläubigen aufgefordert, ihre Spenden in eine Liste einzutragen, damit die Abmachung mit Jesus verbindlich werde.

Spendenzuwachs dank Einkommenssteigerung

In einem Papier wird ausserdem den Anhängern sanft gedroht: «Gott sieht dein Geben.» Deshalb seien Bankauszüge geistliche Dokumente: «Sie zeigen, wen und was du anbetest.» Die Losung: «Verdiene so viel, wie du nur kannst.» Die Idee dahinter: Mit dem Einkommen wachsen automatisch die Spenden.

Ein sensibles Thema bei der ICF ist die Homosexualitätt. «Du weisst genau», mahnen ICF-Leute, dass laut Bibel «eine ausgelebte Homosexualität nicht Gottes Plan entspricht». Ein Betroffener wird mit folgender Aussage zitiert: «Gott, was habe ich falsch gemacht – womit habe ich das verdient?» Seine Schuldgefühle drückt er so aus: «Bis dahin hatte ich geglaubt, dass ich der allerschlimmste und perverseste Sünder der Welt sei.»

«Gekrümmte Identität» als Folge von Homoxexualität

Daraus zieht die ICF einen heiklen Schluss: «Homosexuelle Gefühle sind nicht ein sexuelles Problem, sondern die Folge von ungelösten Fragen in der persönlichen Identität.» ICF stilisiert die persönliche Neigung zu einem existenziellen Problem hoch. Die Folge sei eine «gekrümmte Identität». «Aus dieser heraus landen wir in Sünde.»

Die ICF thematisiert wie alle Freikirchen immer wieder die Endzeit. Die apokalyptischen Vorzeichen, wie sie in der Bibel prophezeit würden, seien in unserer Zeit offensichtlich. Heute würden Irrlehrer auftreten und ethnische Konflikte, Kriege und Unruhen ausbrechen, heisst es im internen Papier. Ausserdem sinke die Moral. «Wir gehören zum letzten Abschnitt der Menschheit», behauptet die ICF. Und fordert: «Sei bereit!»

Beten für gottlose Freunde

Eine zentrale Rolle spielt der Satan. Wir Menschen würden «in einen tobenden Kampf» zwischen Gut und Böse hineingezogen, heisst es in einem Bibelkurs. «Denn der Teufel, euer Todfeind, läuft wie ein brüllender Löwe um euch herum. Er wartet nur auf ein Opfer, das er verschlingen kann.»

Die ICF empfiehlt, für Freunde zu beten, die Jesus nicht kennen würden, weil diese dem Kampf schutzlos ausgesetzt seien.

Leidgeprüfte missionieren

Aufschlussreich sind auch die Missionsmethoden. Die Freikirche fordert die Gläubigen auf, Menschen zu kontaktieren, die Schicksalsschläge erlitten haben: Tod eines Ehepartners, Trennung, Scheidung, Gefängnis, schwere Krankheit, Job weg. Die Absicht ist offensichtlich: Verunsicherte oder verletzte Menschen sind besonders offen für Zuwendung und religiöse Hilfsangebote.

Die ICF setzt Gott in Konkurrenz zum Ehepartner: «Nur Gott kann und will deine tiefsten Bedürfnisse stillen», heisst es in Kursunterlagen. Und anders als der leibliche Vater sei Gott ein perfekter Vater. Deshalb sei er im Leben an die erste Stelle zu setzen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.09.2010, 16:51 Uhr

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68 Kommentare

Heinrich Brunner

20.09.2010, 17:34 Uhr
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Bloss kein Mitleid mit der neoreligiösen Masse - jeder kriegt, was er verdient! Ausserdem: Wo ist der Unterschied zu den "etablierten" Religionen? Dort wurde schon immer gedroht – und abkassiert. Antworten


Thomas Müller

20.09.2010, 16:59 Uhr
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Das solche Organisationen ungehindert ihr Unwesen treiben dürfen ist mir wirklich schleierhaft. Das ist ja simple Drohung und Erpressung. Unglaublich! Antworten



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