Zürich

Der ÖV ist in der Region Zürich ein teures Vergnügen

Von René Staubli. Aktualisiert am 18.10.2011 25 Kommentare

Wer in Zürich mit dem ÖV pendelt, zahlt deutlich mehr als in Basel, Bern, München, Berlin und Wien.

Der «Cola-Index» beweist es: Reisen mit dem öffentlichen Verkehr ist in Zürich deutlich teurer als in anderen europäischen Städten.

Der «Cola-Index» beweist es: Reisen mit dem öffentlichen Verkehr ist in Zürich deutlich teurer als in anderen europäischen Städten.
Bild: Keystone

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Zürich ist für Pendler ein teures Pflaster, wie der internationale Städtevergleich des TA zeigt: 1035 Franken kostet das Jahresabonnement für Erwachsene, die von Erlenbach, Bassersdorf oder Urdorf mit dem ÖV zur Arbeit ins Stadtzentrum fahren. Sie alle wohnen rund 10 Kilometer Luftlinie vom Hauptbahnhof entfernt.

Berner in vergleichbarem Wohnabstand zu ihrem Stadtkern zahlen nur 981 Franken pro Jahr, Basler sogar nur 700 Franken – 30 Prozent weniger als die Zürcher. Vermeintlich im Schlaraffenland leben die Wiener. Die unbeschränkte Fahrt mit dem ÖV kostet sie übers Jahr auf einer vergleichbaren Strecke nur 449 Euro oder 540 Franken.

Klar, Zürich ist nicht Wien und schon gar nicht Berlin. Wer in der deutschen Hauptstadt am Hauptbahnhof in die S-Bahn steigt und 10 Kilometer weit fährt, befindet sich immer noch auf dicht befahrenem Stadtgebiet. Wer dasselbe in Zürich tut, landet bereits weit draussen in der Agglomeration. Die Stadt Berlin, identisch mit dem Bundesland, zählt ja auch 3,46 Millionen Einwohner. In Zürich umfasst die gesamte Agglomeration nur knapp ein Drittel so viele Menschen. Entsprechend unterschiedlich sind die Verkehrsnetze ausgestaltet. Dennoch ist es interessant, die Preise des öffentlichen Verkehrs zu vergleichen.

«Cola-Index» zum Vergleich

Um schlüssige Ergebnisse zu erhalten, muss die örtliche Kaufkraft berücksichtigt werden, denn in der Schweiz ist bekanntlich alles teurer als im deutschsprachigen Ausland. Der TA hat deshalb den «Cola-Index» geschaffen. Dieser stellt den Preis eines Halbliterbechers Coca-Cola bei McDonald’s im jeweiligen Stadtzentrum in Relation zu den Kosten für Bus, Tram und S-Bahn innerhalb eines Kreises um den Hauptbahnhof mit 10 Kilometer Radius.

Auf dieser Vergleichsbasis ist Basel das Mass aller Dinge. Die Stadt am Rhein gewinnt gleich zwei Wertungen im Cola-Index: Ihre Verkehrsbetriebe bieten die günstigsten Jahres- und Monatsabos an (siehe Tabelle). Derweil bekommt man in München die günstigsten Tageskarten, während in Wien die Einzelfahrt für weniger als einen Becher Cola zu haben ist (Index = 0,9). Ein Jahresabo kostet die hiesigen Pendler 265 Becher Cola – deutlich mehr als die Berner und die Basler.

Nur die Berliner zahlen mehr

Wie steht Zürich in diesem Rating da? Ein Jahresabo kostet die hiesigen Pendler 265 Becher Cola, deutlich mehr als die Berner (252) und die Basler (180). Nur die Berliner müssen noch tiefer in die Tasche greifen. Auch die Monatsabos und die Einzelfahrten sind in Zürich deutlich teurer als in den andern Schweizer Städten. In der Schweiz ist Zürich nur gerade bei den Tageskarten der Konkurrenz voraus.

Beatrice Henes, Sprecherin des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV), begründet das hohe Preisniveau damit, dass für die Pendler auf Stadtgebiet der unbeschränkte Zugang zu 451 Bus- und Tramhaltestellen inbegriffen sei. Benutzer profitierten ausserdem von «attraktiven, innerstädtischen S-Bahn-Verbindungen» (was freilich auch in andern Städten der Fall ist, insbesondere in solchen mit UBahn-Netzen). Ausserdem könne man mit dem ZVV-Ticket auch Schiff fahren, betont Henes. Mit andern Worten: Zürcher Pendler zahlen alljährlich viel Geld für ein immer dichter gewobenes Netz, das sie in weiten Teilen oft gar nicht beanspruchen.

Grundsätzlich rechnet man in Fachkreisen mit einer weiteren Verteuerung der ÖV-Tickets. Für Direktor Peter Füglistaler vom Bundesamt für Verkehr jedenfalls ist seit langem klar, dass die Anbieter nicht darum herumkommen werden, die Billettpreise weiter zu erhöhen (TA vom 8. November 2010). Gegen diese Preisspirale hat der Zürcher Verkehrsverbund jahrelang angekämpft: Zwischen 1999 und 2004 fror er die Abopreise ein. Seit 2005 werden sie im Zweijahresrhythmus erhöht. Mit dem nächsten Preisanstieg ist für das Jahr 2013 oder 2014 zu rechnen – als Folge eines weiteren Ausbaus des Angebots (siehe untenstehenden Artikel).

Basler Schonzeit ist bald um

Tatsache ist, dass sich auch die Basler nicht mehr lange an ihrem preiswerten ÖV-System erfreuen können. Schon heute zahlen jene, die auf eigentlichem Stadtgebiet wohnen, vergleichbar hohe Preise wie die Berner und Zürcher, heisst es bei den örtlichen Verkehrsbetrieben. Bevorzugt würden hingegen seit 25 Jahren die Pendler in der Agglomeration. 1984 führten die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) unter dem Eindruck der Debatte übers Waldsterben in ihrem Tarifverbund das Umweltschutz-Abo ein mit dem Ziel, Automobilisten mit langen Anfahrtswegen zum Umsteigen zu bewegen. Das gelang: Die ÖV-Frequenzen erhöhten sich innert weniger Jahre um mehr als 25 Prozent.

Laut Marketing- und Verkaufsleiter Georg Vischer will man nun andere Prioritäten setzen. Man evaluiere ein verursachergerechtes Modell. Wer längere Strecken fahre, solle auch mehr bezahlen. Der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) prüfe deshalb, «ob zonierte Abonnements eingeführt werden sollen wie in Zürich oder Bern».

Die Konsequenz liegt auf der Hand. Wenn Basler Pendler künftig ihr Jahresabo kaufen, müssen sie sich – wie die Zürcher und Berner – bei McDonald’s ein Stück weit einschränken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.10.2011, 12:19 Uhr

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25 Kommentare

Reto Meier

18.10.2011, 12:51 Uhr
Melden 16 Empfehlung

Erinnert mich an das Gerede und Gejammere von Automobilen am Mittagstisch in der Kantine. Wie komplett überrissen die Preise im ÖV sind, Füüüünf Franken musste ich für eine Tageskarte zahlen, heulen sie rum. An anderen Tagen erzählen sie en passant, dass die neuen Pneus 700 Franken gekostet hätten, die Reparatur der Kratzer am Kotflügel 2'500 Franken etc. Lustige Relationen betreffend Geld. Antworten


Manfred Humbel

18.10.2011, 13:12 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Extrem teuer ist unser Bahnvergnügen... aber für dieses teure Geld wäre es mal schön, die SBB würde auch mal ihre Bahnhöfe sauber halten. z.Bsp. Winterthur, hier fliesst der Dreck an allen Säulen zum Boden runter, unter dem Dach sieht man nur noch schwarz.... eine riesen Schweinerei. Also, SBB, putzen könntet ihr auch mal besser, kassieren könnt ihr ja!!! Antworten



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